Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohnbauentwicklung Merkurstraße, Fulda-Haimbach

Preisträger

1. Preis: Scheffler + Partner Architekten, Frankfurt/Main

€ 7.000 (Aufwandsentschädigung)

Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Brigitte Scheffler
Mitarbeit: Eva Menges, Laura Cruz Lima da Silva, Jana Kolthoff

2. Preis: tobeSTADT städte.bau.planung.dialog, Frankfurt/Main

€ 7.000 (Aufwandsentschädigung)

Torsten Becker
Mitarbeit: Mareike Borkeloh, Frank Kübler, Carolin Morell

Anerkennung: ARGE foundation 5+ I Bankert, Linker & Hupfel Architektur + Städtebau, Kasseld

€ 7.000 (Aufwandsentschädigung)

Matthias Foitzik, Michael Linker
Mitarbeit: Jutta Linker, Jörk Hupfeld, Uschi Bankert, David Benjamin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 16.06.2016
Ort Fulda-Haimbach
Auslober Deutsche Telekom AG vertreten durch CORPUS SIREO Asset Management Commercial GmbH, Heusenstamm
Betreuung CORPUS SIREO Asset Management Commercial GmbH, Heusenstamm
Preisrichter Barbara Ettinger-Brinckmann (Vorsitz), Angela Bezzenberger, Prof. Peter Schürmann, Daniel Schreiner, Benjamin Schümer, Sascha Querbach

Überzeugend und Vertrauen schaffend

Wohnbauentwicklung Merkurstraße Fulda-Haimbach – städtebaulicher Einladungswettbewerb

Im Fuldaer Stadtteil Haimbach soll im Osten zwischen dem Münsterfeldpark und der vorhandenen Wohnbebauung ein neues Wohnquartier entstehen. Der hierfür zunächst notwendige Bebauungsplan soll auf der Grundlage der Ergebnisse eines städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerbs aufgestellt werden, den die Deutsche Telekom AG (DTAG) in Kooperation mit der Stadt Fulda als Einladungswettbewerb ausgelobt hatte. Vertreten wurden Telekom und Stadt dabei durch die CORPUS SIREO Asset Management Commercial GmbH aus Heusenstamm, die auch für die Wettbewerbskoordination verantwortlich war.

Das insgesamt etwa 8,1 Hektar große Wettbewerbsareal grenzt im Osten an den Münsterfeldpark mit Grün- und Parkanlagen sowie Sport- und Freizeitflächen, im Norden liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen. Südlich, entlang der zum Plangebiet führenden Merkurstraße, betreibt die Deutsche Post DHL ein Verteilzentrum, im Südwesten befindet sich eine Gärtnerei. Einfamilien- und Reihenhäuser prägen die weitere Umgebungsbebauung. Auf dem Wettbewerbsgrundstück befindet sich zudem eine Ortsvermittlungsstelle der DTAG, die erhalten bleiben muss.

Aufgabe des Wettbewerbs war die Entwicklung eines realisierbaren städtebaulichen Entwurfs mit einer Mischung aus Reihen-, Doppel-, Einfamilienhäusern sowie Geschosswohnungsbau. Die Umsetzung soll in zwei Bauabschnitten erfolgen. Zunächst soll das südliche Grundstück bebaut werden, die Realisierung des zweite Bauabschnitts im Norden des Plangebiets soll später erfolgen. Unter den fünf zum Wettbewerb eingeladenen Teilnehmern vergab das Preisgericht unter Vorsitz der Kasseler Architektin Barbara Ettinger-Brinckmann zwei Preise sowie eine Anerkennung.

Auf den ersten Platz wählten die Preisrichter den Entwurf von Scheffler + Partner Architekten aus Frankfurt/Main. Grundlage für das Quartier bildet das nach Ansicht des Preisgerichts "übersichtliche und nachvollziehbare Wegekonzept". Dieses besteht aus zwei Erschließungsstraßen in Nord-Süd- Richtung, die durch in Ost-West-Richtung verlaufende, kleinere Straßen verbunden werden, sowie aus zwei breiteren, von den Verfassern als 'Anger' bezeichneten Straßen mit mittig gesetzten Bäumen. Im Zentrum ist ein Quartiersplatz mit zwei Baumreihen vorgesehen. Richtung Norden und Osten bilden dreigeschossige Mehrfamilienhäuser den Quartiersrand, Richtung Westen zum Bestand hin sind leicht versetzt angeordnete Doppelhäuser sowie Einfamilienhäuser platziert. Reihenhäuser sollen den Quartiersplatz im Südwesten und Nordosten rahmen. Umringt werden diese von Einfamilienhäusern. Den südlichen Abschluss des Quartiers bilden ebenfalls Einfamilienhäuser. Die Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser – für letztere sind zwei Varianten vorgesehen – sollen jeweils zwei Vollgeschosse sowie ein Staffelgeschoss erhalten. Die Preisrichter erkannten in der Arbeit einen "überzeugenden, Vertrauen schaffenden Beitrag", der ihrer Meinung nach jedoch eine zeitlich nahe beieinanderliegende Realisierung beider Bauabschnitte erfordert.

Die zweitplatzierte Arbeit von tobeSTADT städte.bau.planung.dialog, Frankfurt/Main, überzeugte das Preisgericht durch ihr "stringentes und klares Erschließungskonzept". Dieses gliedert das Gebiet in überschaubare Bereiche und sorgt zugleich für eine eindeutige Adressierung und Orientierung", hieß es dazu in der Beurteilung. Das Quartier strahle Ruhe aus und weise zugleich Vielfalt und Potential für Lebendigkeit auf. Zudem sei die Verzahnung mit dem vorhandenen Ortsteil Haimbach geglückt und das neue Quartier werde als selbstverständliche Erweiterung und Abschluss wahrgenommen. Nach Norden und Südosten markieren Geschosswohnungsbauten den Quartiersrand. Die Gestaltung der weiteren Quartiersränder mit Reihen- und Einfamilienhäusern empfand das Preisgericht als "weniger überzeugend". Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser prägen den Innenbereich des Quartiers. Zwei viergeschossige Bauten, die auch Nichtwohnnutzungen aufnehmen sollen, akzentuieren das Zentrum.

Eine Anerkennung ging an die Kasseler Arbeitsgemeinschaft foundation 5+ architekten Foitzik Krebs Spies Partnerschaft mbB mit Bankert, Linker & Hupfeld Architektur + Städtebau, für ihren dem "Leitgedanken der Nachbarschaften" folgenden Entwurf. Die Verfasser schlagen die Gliederung des Wohngebiets in vier Cluster vor, die jeweils einen eigenen Gemeinschaftsplatz erhalten sollen. Die Preisrichter würdigten die Arbeit als "städtebaulich interessanten Beitrag", sie empfanden jedoch das Nachbarschaftsmodell im Ortsteil Haimbach an der Nahtstelle zur Landschaft als "überzogen".

Das Preisgericht empfahl, den ersten Preisträger mit der weiteren Planung als Grundlage für den Bebauungsplan zu beauftragen.

Katja Klenz