Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Welfenstraße Wiesbaden – Entwicklung einer Wohnbebauung

Preisträger

1. Preis: Ackermann + Raff GmbH & Co. KG, Stuttgart

€ 20.000

Alexander Lange

Mitarbeit: Oliver Braun, Nina Röntgen, Claudio Moscaritolo

2. Preis: EISELE STANIEK + architekten + ingenieure, Darmstadt

€ 10.000

Johann Eisele, Bettina Staniek, Claus Staniek

Mitarbeit: Yvonne Fritsch, Melanie Hassel, Jessica Lehmann, Steffen Kumpf, Rüdiger Scholz, Etienne Mattern

Fachberater: EISELE STANIEK + architekten + ingenieure, Darmstadt (Stadtplaner, Landschaftsarchitekt /Freiraumplanung, Energieexperte)

Dr. Kreutz + Partner, Nürnberg + Dr.-Ing. Alexander Henschel (Tragwerksplanung)

gbm Darmstadt (Modellbau)

emptyform, Peter Tjie, Darmstadt (Animation)

3. Preis: Architekt BDA Dr.-Ing. Sever Severain jr., Wiesbaden

€ 5.000

Mitarbeiter: Tamer Büyükyigit, Axel Müller-Maxeiner, Mirsad Sejfic, Reo Severain, Sabine Wagner-Mourik

Fachberater: Brogl + Majal Landschaftsarchitektur, Eltville

Mitarbeit: Heiko Bernitt, Uwe Brogl, Tanja Majal

Prof. Kind & Partner (PKP) Ingenieurbüro für Bauwesen, Wiesbaden

Mitarbeit: Prof. Dr.-Ing. Steffen King

HZB Brandschutz Prüfgesellschaft mbH, Wiesbaden

Mitarbeit: Jens Haas

Planungsgemeinschaft DUO Thilo Bauschke, beratende Ing. IngKH, Wiesbaden

Mitarbeit: Thilo Bauschke

4. Preis: Dycka Architekturbüro, München

€ 2.000

Astrid Dycka

Mitarbeit: Alexander Mitschelen

Fachberater: Burger Landschaftsarchitekten Partnerschaft, Susanne Burger, München

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener einphasiger Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb für eine Gebäudeplanung gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 17.04.2012
Ort Wiesbaden
Auslober Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes AG (ZVK)
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Helmut Bott (Vorsitz), Uwe Hoegen, Hans-Jürgen Krampitz, Prof. Klaus Trojan, Wolfgan Wenz, Wolfgang Kischka, Andreas Knüttel, Wolfgang Koberski, Sigrid Möricke, Simon Valerius

„Grüne Mitte“

Wettbewerb „Wohnbebauung Welfenstraße Wiesbaden“
Wiesbadens Südosten birgt Potenzial: Das Quartier östlich des Hauptbahnhofes ist Teil des Entwicklungsgebietes „Städtebaulichere Rahmenplanung Mainzer Straße“. Eine Gemengelage aus extensiv gewerblicher Nutzung, großflächigen Einzelhandelsbetrieben, Gewerbebrachen und vereinzelten Wohnbereichen prägt das einzige noch für eine Innenstadterweiterung der Landeshauptstadt verfügbare Quartier. Hier hatte die Soka-Bau Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes AG Ende 2010 ein ca. zwei Hektar großes, von der Post genutztes Gelände sowie eine 0,4 Hektar große optionale Erweiterungsfläche gekauft. Auf diesem Areal sollen nun etwa 250 Mietwohnungen sowie kleinere Geschäfte entstehen.
Zehn Büros waren zum nichtoffenen städtebaulichen und hochbaulichen Realisierungswettbewerb „Wohnbebauung Welfenstraße Wiesbaden“ eingeladen worden. In dem von der ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel betreuten Verfahren sollte auch geklärt werden, ob und wie das Kundencenter, der Zustellerstützpunkt und die Postfachanlage der Deutschen Post, die sich derzeit auf dem Wettbewerbsgelände befinden, integriert werden können.
Der Vorschlag der Stuttgarter Architekten Ackermann + Raff GmbH & Co. KG einer geschlossenen Blockrandbebauung und einer offenen Innenbebauung mit einer „Grünen Mitte“ erhielt vom Preisgericht den ersten Preis. Die Idee überzeuge mit einer einfachen Konzeption, die die bauleitplanerischen Vorgaben auf „selbstverständliche Weise“ übersetze. Besonders angetan zeigten sich die Preisrichter von der öffentlichen Wegebeziehung und der „Grünen Mitte“ mit dem vielfach zu nutzenden gemeinschaftlichen Freibereich, die zur „Adresse des Quartiers“ werde. Zwei aus der Blockrandbebauung herausgelöste Sonderbausteine betonen das Entrée zum neuen Wohnviertel. Die vorgeschlagenen Wohntypologien mit großzügigen Loggien und Balkonen sowie sich über die gesamte Gebäudetiefe erstreckenden Grundrissen bewerteten die Preisrichter als modern und flexibel. Die in den Hang geschobenen Betriebsflächen des Postbereiches mit einem fürs Tageslicht sorgenden Lichthof bezeichneten sie als überzeugend und funktional.
Die mit dem zweiten Preis prämierten EISELE STANIEK + architekten + ingenieure aus Darmstadt präsentierten ebenfalls eine Blockrandbebauung, in der Durchbrüche eine großzügige Durchwegung bewirken sollen. Die Gebäuderiegel umschließen acht Punkthäuser im Inneren des Quartiers, die wiederum einen zentralen Platz fassen. Die Architekten schlagen für sämtliche Bauten ein Baukastensystem vor. Das dieses jedoch bei der Randbebauung meist nur Maisonettewohnungen zulasse und kaum noch veränderbar sei, werteten die Preisrichter kritisch. Sie prognostizierten zudem eine Polarisierung des Bewohnerklientels aufgrund der starken Trennung zwischen geschlossener Blockrandbebauung und offenen Solitären.
Mit Server Severain jr. landete ein Wiesbadener Architekt auf Rang drei. Dessen Entwurf stelle ein klares, städtebauliches Konzept dar, das geschickt Bezüge aus der Umgebung aufgreife, so die Preisrichter. Gebäuderiegel an der Welfenstraße und der Wittelsbacher Straße sollen die innere Bebauung abschirmen. Das Preisgericht lobte den Quartiersplatz mit deutlich ausgeprägter Nord-Süd-Achse als großzügig. Die Ausbildung der den Quartiersauftakt bildenden Blockrandecke und die klare Ablesbarkeit der Nutzungen durch die Differenzierung der Baukörper in Sockel-, Mittel- und Staffelgeschoss bewertete es positiv.
Das Architekturbüro Dycka bekam für seinen „ruhigen, klaren“ und „städtebaulich interessanten Beitrag“ den vierten Preis. Eine Blockrandschließung an der Welfen- und Wittelsbacher Straße soll sich Richtung Sailerstraße in eine Zeilenbebauung auflösen. Diese lockere Bebauungsform bildet auch den Schwerpunkt im Inneren des Quartiers. Eine Nord-Süd gerichtete Fußgängerachse weitet sich zum zentralen Quartiersplatz auf. Den Preisrichtern erschienen die geplanten privaten Grünflächen jedoch als „zu sparsam“ und die Eckbetonung an der Welfen-/ Wittelsbacher Straße als zu auffällig.
Auf rund 49 Millionen Euro schätzt die Soka-Bau das Investitionsvolumen für das Wohnquartier im Wiesbadener Ortsbezirk Südost. Die frei finanzierten Wohnungen sollen zwischen 45 und 110 Quadratmeter groß sein, insgesamt etwa 3.700 Quadratmeter sind für kleinteiliges Gewerbe vorgesehen. Die vom Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dr. Helmut Bott einstimmig mit dem ersten Preis prämierte und zur Realisierung empfohlene Arbeit von Ackermann + Raff Architekten soll nun als Vorlage für den Bebauungsplan dienen.

Katja Klenz