Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau zweier Institutsgebäude für die Fachbereiche Maschinenbau und Energietechnik der THM

Preisträger

1. Preis: Schulz und Schulz Architekten GmbH, Leipzig

€ 42.000

Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz
Mitarbeit: Anne Gelhaar, Nane Kaiser, Hye Lim Chun

2. Preis: AWB ARCHITEKTEN, Dresden

€ 25.000

Werner Bauer
Christian Wünning, Sebastian Schefter, Franziska Kestel, Michael Oertel, Walther Kehrer

3. Preis: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Berlin

€ 17.000

Christian Pelzeter
Mitartbeit: Jan Giesen, André Wollmann
Fachberater: WETZEL & von SEHT, David Fuentes Abolafio, Berlin (Tragwerk)

Anerkennung: Brechensbauer Weinhart + Partner Architekten mbB, München

€ 10.000

Thomas Grühn
Mitarbeit: Irina Rubinstein, Jabkob Weiß, Celia Valero
Fachberater: Architektur-Visualisierung, Maximilian Illing, München (Visualisierung), Neubauer Modellbau, Josef Neubauer, München (Modellbau)

Anerkennung: h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 10.000

Albrecht Randecker, Martin Gessert
Mitarbeit: Nicolas Henn, Sophia Leistner, Harjean Faraj, Yannik Heyd-Hansen, David Klug
Fachberater: KRAFT.RAUM.Landschaftsarchitektur und Stadtentwicklung, René Rheims, Krefeld (Landschaftsarchitektur), SCHREIBER Ingenieure Gebäudetechnik GmbH, Prof. Jürgen Schreiber, Ulm (Gebäudetechnik), Rehle Ingenieure GmbH, Dr. Norbert Rehle, Stuttgart (Tragwerk), mdh-brandschutz Ingenieurpartnerschaft Müller Häberlen Dehm, Martin Häberlen, Ulm (Brandschutz)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb
Preisgerichtssitzung 07.07.2016
Ort Gießen
Auslober Land Hessen
Betreuung scheuvens + wachten, Dortmund
Preisrichter Prof. Ulrike Lauber (Vorsitz), Stefan Behnisch, Prof. Alexander Reichel, Monika Weber-Pahl, Sebastian Burger, Friedhelm Dorndorf, Thorsten Schmidt, Guido Brennert, Prof. Dr. Matthias Willems, Gerda Weigel-Greilich, Karl-Hermann Krombach

Gelungener Eckstein

Institutsgebäude C15 und C16, THM, Standort Gießen, Campus Wiesenstraße – nichtoffener, einphasiger, hochbaulicher Realisierungswettbewerb

Die Technische Hochschule Mittelhessen THM verteilt sich auf die Standorte Gießen, Friedberg und Wetzlar. Der Campus Gießen bildet dabei mit gut 9.000 Studierenden den größten Standort der THM. Hier sind auch die zu den traditionellen Kerndisziplinen der Hochschule zählenden Fachbereiche Maschinenbau und Energietechnik (ME) sowie Bauwesen angesiedelt. Für diese sollen nun auf dem Campusbereich Wiesenstraße – mit den zentralen Einrichtungen wie Mensa, Studentenwerk und Bibliothek sowie den meisten Fachbereichen das Herzstück der THM – zwei neue Institutsgebäude entstehen. Schon im Jahr 2010 war für die bauliche Entwicklung des Hochschulstandorts Gießen ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt und in dessen Ergebnis ein Masterplan unter der Leitidee "In bester Nachbarschaft" entwickelt worden, um die Anbindung der geplanten Neubauten für die Fachbereiche und Einrichtungen der Hochschule in das Stadtgefüge zu gewährleisten.

Dieser Masterplan bildete auch die Grundlage für den nun ausgelobten nichtoffenen, einphasigen, hochbaulichen Realisierungswettbewerb für die Institutsgebäude C15 und C16 für die Fachbereiche Maschinenbau und Energietechnik sowie Bauwesen. Als Auslober fungierte das Land Hessen, vertreten durch den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH), Niederlassung Mitte. Die Betreuung des Verfahrens erfolgte durch die Dortmunder scheuvens + wachten GbR. Die beiden neuen Institutsbauten sollen auf einem Grundstück im Osten des Campus Wiesenstraße entstehen. Nord- sowie südwestlich des Baufensters befinden sich Bestandsgebäude, die in absehbarer Zukunft ebenfalls Neubauten weichen sollen. Im Nordosten grenzt die Ringallee an das Areal, unmittelbar dahinter schließen der Schwanenteich und das Gelände der Landesgartenschau an. Im Südosten, auf der gegenüberliegenden Straßenseite prägt kleinteiligere Wohnbebauung die Umgebung.

Dem Preisgericht saß die Architektin Prof. Ulrike Lauber aus München vor. Die Preisrichter vergaben den ersten Preis an die Schulz und Schulz Architekten GmbH aus Leipzig. Den zweiten Preis erhielten AWB Architekten aus Dresden. Den dritten Preis sicherten sich Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten aus Berlin. Jeweils eine Anerkennung ging an Brechensbauer Weinhart + Partner Architekten mbB aus München, sowie an die h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH aus Stuttgart.

Der erstplatzierte Entwurf überzeugte das Preisgericht mit seiner "klaren Haltung", und der Aussicht, auf einen "gelungenen Eckstein der zukünftigen Campusentwicklung". Die Architekten schlagen zum Schwanenteich hin einen dreigeschossiges Baukörper mit quadratischer Grundfläche für den Fachbereich Bauwesen vor. Südöstlich dahinter ist der zweite, ebenso tiefe, aber deutlich schmalere Baukörper mit drei Geschossen plus Staffelgeschoss für den Fachbereich ME positioniert. Ein gemeinsames Untergeschoss verbindet beide Bauten. Die Eingänge sind in die Baukörper eingeschnitten und jeweils Richtung Nordosten zum Campus hin orientiert. Ein "lebendiges Spiel von Sichtbetonfertigteilen und Aluminiumfenstern, die je nach Nutzung ein geschlossenes oder ein offenes Bild erzeugen", prägen das Erscheinungsbild der Institute, so die Preisrichter. Eine vorgesetzte Skelettstruktur aus Betonfertigteilen soll die Fassaden "wohltuend strukturieren".

Der zweitplatzierten Arbeit attestierte das Preisgericht "eine maßvolle Setzung der Gebäudevolumina". Eine deutlich zurückgesetzte Gebäudefuge verbindet die beiden drei- bzw. viergeschossigen Baukörper. Die Höhenstaffelung der Baukörper entspreche der gewünschten städtebaulichen Körnigkeit und biete eine adäquate gemeinsame Eingangssituation von der Eichgärtenallee aus, die laut Preisgericht "eine angemessene Adressbildung zum Campus der THM" schafft. Während die Sockelzonen Fassaden aus Sichtbeton erhalten sollen, sind für die darüberliegenden Fassaden Pfosten-Riegel-Konstruktionen vorgesehen.

Die Verfasser des drittplatzierten Entwurfs schlagen ein "markantes Ensemble aus zwei Baukörpern für den Übergang des städtischen Grünzugs in den neuen THM-Campus" vor. Die prominente Lage der geforderten Laborhallen für die Fachbereiche im Erdgeschoss und jeweilige Einsehbarkeit über die raumhohe Verglasung wecke Neugier auf die Arbeit der Fachgebiete. Die Bürobereiche sollen jeweils eine Pfosten-Riegel-Fassade und vorgesetzte senkrechte Aluminium-Lamellen erhalten – "insgesamt ein transparenter Auftritt", so die Einschätzung des Preisgerichts.

Die Preisrichter empfahlen einstimmig, die Realisierung der erstplatzierten Arbeit anzustreben.

Katja Klenz