Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Freibad Ober-Ramstadt

Preisträger

1. Preis: bauatelier freie Architekten Haas und Hiesch, Stuttgart

€ 23.000

Gerold Haas
Landschaftsarchitekt (Nachunternehmer): Jürgen Pfaff, faktorgruen Landschaftsarchitekten, Rottweil
Mitarbeit: John Skinner, Martin Gass
Fachberater: Professor Pfeifer und Partner, Meike Töllner, Darmstadt (Tragwerk)
Ingenieurbüro Kurzmann, St. Leon-Rot (BWT)

2. Preis: Reichert .Schulze Architekten, Stuttgart

€ 14.000

Jürgen Reichert
Landschaftsarchitekten (Nachunternehmer): Jetter Landschaftsarchitekten, Frank Jetter, Stuttgart
Mitarbeit: Heike Schulze, Nefilis Kaltsouni

3. Preis: Arnke und Häntsch Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

€ 9.000

Univ.- Prof.- Brigitte Häntsch, Prof. Peter Arnke, Rolf Mattmüller
Landschaftsarchitekten (Nachunternehmer): K1 Landschaftsarchitekten Kuhn und Klapka GmbH, Catherine Kuhn, Berlin
Mitarbeit: Florian Wieczorek, Maximilian Schneider, Peter Young
Fachberater: Planungsbüro Balneatechnik GmbH, Dr. Nicole Riedle, Wiesbaden (TGA)

Anerkennung: Architekturbüro Michael Gruner, Straubenhardt

€ 5.500

Michael Gruner
Mitarbeit: Tanja Rickheim
Fachberater: Ingenieurgesellschaft für Technische Ausrüstung mbH, Pforzheim (Fachingenieur)
Ingenieurbüro Joachim Grill, Bad Rappenau (Tragwerksplanung)
Lennarz-Hörnle Modellbau, Karlsruhe

Anerkennung: GSF Planungsgesellschaft mbH, Hamm

€ 5.500

Christoph Keinemann
Mitarbeit: Janine Bach, André Lammers, Jan-Philip Keinemann
Fachberater: Ingenieurbüro Bannert, Heiko Schumacher, Bremen (TGA)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Generalplanerwettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 08.09.2016
Ort Ober-Ramstadt
Auslober Magistrat der Stadt Ober-Ramstadt
Betreuung BÄUMLE Architekten I Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Kerstin Schultz (Vorsitz), Jutta Herrmann-Burkart, Kurt Pelzer, Joachim Raab, Ernst Ulrich Tillmanns, Werner Schuchmann, Helmut Beyer, Thomas Krist, Dr. Wolfgang Reinig N.N.

„Eine überzeugende Vision“

Sanierung und Neukonzeption eines Freibades

Das Ober-Ramstädter Freibad ist in die Jahre gekommen und dringend sanierungsbedürftig. Errichtet wurde es 1927-28 auf einem schmalen, langen Grundstück, das im Westen vom Fluss Modau begrenzt wird. Für die angestrebte Sanierung und Neukonzeption der Beckenlandschaft sowie der Serviceeinrichtungen hatte der Magistrat von Ober-Ramstadt, nach einer Beratung der AKH, einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Neben eines Grundkonzepts mit einer maximalen Wasserfläche innerhalb des vorhandenen Beckentrogs waren zwei Erweiterungsoptionen gefordert: Zum einen die Ergänzung eines Sprungbereichs, zum anderen die Verlängerung von mindestens drei Bahnen auf 50 Meter.

Der integrierte Ideenteil bezog sich auf eine städtische Fläche, die westlich des Freibades liegt und derzeit als Parkplatz genutzt wird. Die Teilnehmer sollten Vorschläge erarbeiten, wie diese Fläche im Sinne eines öffentlichen Stadtraums langfristig entwickelt werden kann.

Teilnahmeberechtigt waren Architekten als Generalplaner, ggfs. mit Landschaftsarchitekten als Nachunternehmer. Zudem wurde bereits für den Wettbewerb die beratende Mitwirkung eines Fachplaners empfohlen. Betreut wurde der Wettbewerb von BÄUMLE Architekten I Stadtplaner aus Darmstadt.

Bauatelier freie Architekten Haas und Hiesch aus Stuttgart erhielten zusammen mit Faktorgrün Landschaftsarchitekten aus Rottweil den ersten Preis. Sie nahmen die Ausrichtung des Grundstücks auf und schlugen ein eingeschossiges, lang gestrecktes Eingangsgebäude und ein parallel dazu liegendes, orthogonales Becken vor. Das Eingangsgebäude besteht aus einem Gründach, unter dem zwei Holzpavillons – die Umkleiden und der Kassen- und Gastronomiebereich – vereint werden. Die Beckenlandschaft sei „effizient organisiert“ und durch die Anordnung von Liegedecks gelinge „auf überzeugende Weise die Zonierung der unterschiedlichen Beckenbereiche“, lobte das Preisgericht. Die Badeplatte biete „zu allen vier Seiten Angebote mit hoher Aufenthaltsqualität“, im Besonderen die zur Nordseite orientierte Tribüne, auf den darunterliegenden Technikräumen, werteten die Preisrichter als Bereicherung. Im Nordwesten des Grundstücks entstehe zudem ein „gut proportionierter Vorplatz“ als Sammel- und Treffpunkt vor dem Freibad. Dieser lasse sich auch ohne Einbezug des Ideenteils realisieren, gleichwohl gewinne der Entwurf durch die Ergänzung der dort vorgesehenen Fahrrad- und Behindertenstellplätze. Mit ihrem Beitrag gingen die Verfasser „auf die Örtlichkeit der Modauaue und die Identität der Stadt im besonderen Maße ein“, konstatierten die Preisrichter. Insgesamt stelle die Arbeit einen „sehr guten Beitrag“ für die gestellte Bauaufgabe dar und zeichne „eine überzeugende Vision für ein neues Freizeit- und Familienbad in Ober-Ramstadt“. Beraten wurden die Architekten vom Ingenieurbüro Kurzmann aus St. Leon-Rot und Prof. Pfeifer und Partner aus Darmstadt.

Reichert.Schulze Architekten und Jetter Landschaftsarchitekten, beide aus Stuttgart, stellten ihren Entwurf unter das Motto „Kiesel an der Modau“. Die Gebäude sowie die Freiraumelemente sind frei angeordnet, entsprechend Kieseln im Fluss. Den Eingangsbereich markiert ein Dach in Form eines Bumerangs. Unter diesem sind zwei separate Pavillons – einer mit den Umkleiden, der andere mit dem Personalbereich – zusammengefasst. Die Technik ist in einem zusätzlichen Pavillon weiter nördlich untergebracht. Pflanzinseln mit Schatten spendenden Solitärbäumen, Sitzbänken und Holzdecks strukturieren den Freiraum. Das vorgeschlagene bauliche Konzept sei „gut gewählt und unterstreicht den Anspruch an eine Freibadarchitektur“, so die Preisrichter. Die lockere Anordnung der „Kieselsteine“ lasse Blickbeziehungen von außen zu und vermittle „eine einladende Wirkung“. Die interne Organisation sei „funktional richtig“ und die Gebäude mit ihrer senkrechten Holzstruktur und dem darüber schwebenden Dach ließen „eine anmutige Freibadarchitektur erwarten“. Der Entwurf biete „bzgl. des baulichen Rahmens und der großzügigen Parklandschaft eine sympathische und überzeugende Antwort“, so das Fazit.

Arnke und Häntsch Gesellschaft von Architekten mbH und K1 Landschaftsarchitekten Kuhn Klapka GmbH, beide aus Berlin, ordneten die Funktionsgebäude Straßen begleitend im Nordwesten des Freibades an. Die vertikalen Holzlamellen der Fassade sind seitlich farbig lasiert, wodurch ein changierender Farbeffekt, je nach Blickwinkel und Standort, entsteht. Das Preisgericht wertete die räumliche Aufweitung zwischen dem L-förmigen Baukörper und der Wasserfläche positiv. Die Anordnung der Kioskterrasse an der Modau biete zudem „eine hohe Aufenthaltsqualität und gute Blickbeziehungen“. Beraten wurden die Architekten vom Planungsbüro Balneatechnik GmbH aus Wiesbaden.

Das Preisgericht vergab zudem zwei Anerkennungen. Eine erhielt das Architekturbüro Michael Gruner aus Straubenhardt, das von der Ingenieurgesellschaft für Technische Ausrüstung mbH in Pforzheim und dem Ingenieurbüro Joachim Grill aus Bad Rappenau beraten wurde. Die zweite ging an GSF Planungsgesellschaft mbH aus Hamm. Beraten wurde sie von Heiko Schumacher, Ingenieurbüro Bannert, aus Bremen.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Kerstin Schultz empfahl einstimmig, den mit dem ersten Preis ausgezeichneten Entwurf der weiteren Bearbeitung zugrunde zu legen.

Kerstin Mindermann