Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Architektenwettbewerb Areal Frankfurter Straße 41, Taunusstraße 11, Waldstraße 30 in Rüsselsheim

Preisträger

1. Preis: THALER LATSCH und Partner ARCHITEKTEN mbH, München

€ 14.000

Lisa Thaler, Florian Latsch
Mitarbeit: Martin Baur
Fachberater: Daniel Schaar, Michel Hinnenthal,
Mitarbeit: Christopher Hoetter

2. Preis: wiegand architekten + planer, Kelsterbach/Main

€ 10.000

Bernd Erik Wiegand
Mitarbeit: Xaris Tsitsikas
Fachberater: Engelbach + Partner Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt am Main

4. Preis: Löser Lott Architekten GmbH, Berlin

€ 6.000

Katharina Löser
Mitarbeit: Johannes Lott, Hanna Dettner, Elena Masla

4. Preis: Felix Nowak, Frankfurt/Main

€ 6.000

Felix Nowak
Mitarbeit: Aki Käppeler, Leonard Kaupp, Lara mohr
Fachberater: e l : c h Landschaftsarchitekten, Elisabeth Lesche, München

Anerkennung: Scheffler + Partner Architekten, Frankfurt/Main

€ 4.000

Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Brigitte Scheffler
Mitarbeit: Eva Menges, Kai Messing, Sophia Passberger
Fachberater: GTL Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR, Kassel (Freiraumplanung)
B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 05.07.2016
Ort Rüsselsheim
Auslober Gewobau Rüsselsheim
Betreuung Hille Architekten + Stadtplaner, Ingelheim
Preisrichter Prof. Jürgen Bredow (Vorsitz), Frank Kohmann, Prof. Marcus Rommel, Adelgard Weyell, Folkmar Schirmer, Nils Kraft, Torsten Regenstein

Entwicklungspotenziale verdeutlichen

Wohnbebauung zur Aufwertung eines innerstädtischen Gebiets

Die Stadt Rüsselsheim will sich als Wohnstandort etablieren. Neben einer Aufwertung und Qualifizierung des Wohnungsbestandes sollen dazu verstärkt innenstadtnahe Baulandpotenziale für ein zeitgemäßes und bestandsergänzendes Wohnungsangebot in hoher Architekturqualität genutzt werden.

Das Gebiet „Geiersbühl“ besteht zum überwiegenden Teil aus kleinen, eineinhalb- bis zweigeschossigen Wohngebäuden, die ursprünglich für Arbeiter und Angestellte des Opel Werkes errichtet wurden. Entlang der Frankfurter Straße sind zudem noch ehemals landwirtschaftlich genutzte Höfe mit heute ungenutzten Nebengebäuden und Scheunen vorhanden. Geiersbühl grenzt an den Vernapark und das Mainvorland, die „Opelvillen“, die heute für Ausstellungen genutzt werden, und der Main sind ebenfalls in unmittelbarer Nähe. Für die Neubebauung zweier Grundstücke hatte die „gewobau Rüsselsheim“, die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt, einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit 15 eingeladenen Teilnehmern ausgelobt.                                                                                                           

Das L-förmige Hauptgrundstück verbindet die Frankfurter Straße im Norden mit der Taunusstraße im Osten, das zweite, deutlich kleinere Grundstück liegt etwas südlich davon, an der Ecke Taunusstraße/Waldstraße. Aufgabe des Wettbewerbs war es, ein innovatives Wohnungsbauprojekt mit ca. 50 bis 60 Wohneinheiten zu planen, das sich städtebaulich selbstbewusst in die gewachsene Umgebung integriert und eine niveauvolle Architektur bietet. Als vorbildliche bauliche Ergänzung und qualitätsvolle, gebietsverträgliche Nachverdichtung soll es die Entwicklungspotenziale des Gebietes veranschaulichen. Vorgesehen sind Senioren-, Pendler- und Studentenwohnungen sowie Appartements. Rund 80 Prozent der Wohneinheiten sollen frei finanziert, die restlichen 20 Prozent als öffentlich geförderter Wohnungsbau barrierefrei errichtet werden. Die Entwicklung eines zusammenhängenden Freiraumkonzepts war ebenfalls Bestandteil des von Hille Architekten + Stadtplaner betreuten Wettbewerbs. Die Zusammenarbeit mit einem Landschaftsarchitekten wurde entsprechend empfohlen.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Jürgen Bredow beschloss einstimmig, einen ersten und zweiten, keinen dritten und stattdessen zwei gleichrangige vierte Preise zu vergeben.

Der erste Preis ging an Thaler Latsch und Partner Architekten aus München. Sie schlugen sechs dreigeschossige Baukörper vor, fünf staffeln sich parallel zur Frankfurter Straße, der sechste ergänzt die Baulücke an der Taunusstraße. Die Neubauten schließen an die bestehenden Brandwände der Nachbarbauten an, wodurch eine wechselseitige Anordnung entsteht, die einen mäandernden Weg generiert. Während die Ost-, West- und die Eingangsfassaden auf der Nordseite verklinkert sind, öffnen sich die Häuser zum Süden mit großen Glasfassaden. Diesen vorgestellt sind „Holzregale“ mit schmalen französischen Balkonen oder tiefen Loggien, die Schatten spenden und als Rankgerüst dienen. Die Bebauung ergänze das Quartier „auf adäquate Weise“ und schließe die Straßenräume auf „wohltuende Weise“, urteilten die Preisrichter. Durch das Aufnehmen der Gebäudeordnung des Bestandes ergebe sich zudem ein abwechslungsreicher Freiraum mit einem „klar erkennbaren Zentrum“, wobei der öffentliche Raum „fließend“ in halböffentliche und private Bereiche übergehe, was der durchmischten Bewohnerschaft entspreche.

Der zweitplatzierte Entwurf von Wiegand architekten+planer aus Kelsterbach zeigt eine mäandrierende Bebauung aus Sichtbetongebäuden. Das städtebauliche Konzept greife „die Randbedingungen des Grundstücks auf äußerst differenzierte Weise auf“, wobei die Kleinteiligkeit der Baukörper „eine überzeugende Vernetzung mit der Umgebung schafft“, lobte das Preisgericht. Das Gelände werde  zu einer „begehbaren Raumskulptur“, wobei sich die entstehenden Raumsituationen durch „eine große Vielfalt an abgestuften Privatheitsgraden und Raumbezügen“ auszeichneten. Das Konzept biete eine Vielzahl von Wohnungstypen und „die eigenständige Architektursprache biedert sich nicht der heterogenen Nachbarbebauung an, sondern schafft ein Quartier mit eigener Identität und individualisierten Fassaden“, so die Preisrichter weiter. Die schmalen Baukörper ermöglichten zudem „gut nutzbare Grundrisse für unterschiedliche Lebenssituationen“ und der vorgeschlagene Wohnungsmix biete „eine gute Mischung für den Standort“.

Einen der vierten Preise erhielten Löser Lott Architekten aus Berlin. Sie planten wie der erste Preis parallel zur Frankfurter Straße stehende, in die Tiefe des Grundstücks gestaffelte Baukörper und einen Sonderbaukörper an der Taunusstraße. Bis auf diesen stehen alle an der westlichen Grundstücksgrenze, sodass der öffentliche Weg geradlinig über das Grundstück verläuft. Positiv wertete das Preisgericht „die klare Baustruktur“ und „die gelungene Hofstruktur mit qualitätsvollen Außenräumen“, wobei die Vorplätze und Hofbereiche die Kommunikation der unterschiedlichen Nutzergruppen fördere.

Den zweiten vierten Preis vergab das Preisgericht an BB22 Architekt Felix Nowak aus Frankfurt am Main. Er schlug eine differenzierte, ebenfalls gestaffelte Bauweise mit Nord-Süd-Ausrichtung vor, die an die vorhandenen Brandwände anschließt. Die Preisrichter überzeugte die „differenzierte Struktur öffentlicher, halböffentlicher und privater Räume“, der Quartiersplatz, der sich zum grünen Innenhof der Nachbarn orientiert, und die Mischung der Wohnungen. Die Freiraumplanung stammt von el:ch Landschaftsarchitekten aus München.

Eine Anerkennung ging an Scheffler+Partner Architekten aus Frankfurt am Main.

Das Preisgericht empfahl der „gewobau Rüsselsheim“ einstimmig, den Verfasser des ersten Preises mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen, wobei die in der schriftlichen Beurteilung vorgebrachte Kritik beachtet werden sollte.
Kerstin Mindermann