Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau einer Kindertagesstätte in Echzell-Gettenau

Preisträger

1. Preis: LSK-Architekten Lube | Schoppa | Krampitz-Mangold PartGmbH, Darmstadt

€ 6.000

Michael Lube
Mitarbeit: Maria Stasi

2. Preis: BauEins Architekten, Kaiserslautern

€ 5.000

Denis Andernach, Nicolas Bahnemann
Mitarbeit: Soheyl Aslani, Tobias Vogel, Andrea Rappold

3. Preis: hjp Architekten, Gießen

€ 3.000

Prof. Jürgen Hauck, Herbert Osel
Mitarbeit: Lukas Rau
Fachberater: Dr. Kreutz + Partner Beratende Ingenieure, Daniel Dahinten, Nürnberg (Tragwerksplanung)
modellwerk weimar, Julia Missner, Lars Lämmerhirt, Weimar (Modell)
Rendertaxi GmbH, Alexander Pfeiffer und Felix Volland, Aachen (Räumliche Darstellung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 15.09.2016
Ort Echzell-Gettenau
Auslober Gemeindevorstand der Gemeinde Echzell
Betreuung PlanES, Elisabeth Schade, Gießen
Preisrichter Prof. Thomas Zimmermann (Vorsitz), Kristin Dirschl, Michael Sonek, Thomas Grüninger, Wilfried Mogk, Diana Zastrow, Hans-Jürgen Hahn

"Gruppentanz"

Kindertagesstätte in Echzell-Gettenau – nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb

Die Gemeinde Echzell konnte in der Vergangenheit in der Regel ausreichend kommunale Betreuungsplätze für Kinder bis sechs Jahre zur Verfügung stellen. Zuletzt gingen jedoch 17 Kinder bei der Vergabe der Plätze leer aus. Da auch in der Zukunft mit einer verstärkten Nachfrage nach Betreuungsplätzen gerechnet wird, hatte der Gemeindevorstand zunächst zwei Varianten geprüft: die Neuerrichtung einer Kindertagesstätte und die Erweiterung eines bereits bestehenden Kindergartens. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Neubaus mit Platz für zwei altersübergreifende Gruppen sowie jeweils eine Gruppe für Über-3-Jährige (Ü3) und für Unter-3-Jährige (U3).

Für die architektonische Gestaltung der neuen Kindertagesstätte, die auch einen separat nutzbaren Mehrzweckraum erhalten sollte, hatte der Gemeindevorstand der Gemeinde Echzell einen nichtoffenen, einphasigen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Die Betreuung des Verfahrens gewährleistete das Gießener Büro PlanES. Das Wettbewerbsgebiet liegt im Ortsteil Gettenau zwischen dem Feuerwehrgebäude im Osten und dem Sportlatz im Westen. Das Grundstück wird im Süden durch die Römerstraße und im Norden durch den Weidenbachsgraben begrenzt.

Das Preisgericht, das unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Prof. Thomas Zimmermann tagte, vergab unter den 18 eingereichten Entwürfen den ersten Preis an LSK-Architekten, Darmstadt. Der zweite Preis ging an BauEins Architekten, Kaiserslautern. Auf Platz drei landete der Entwurf von hjp architekten, Gießen. Das Preisgericht empfahl, mit allen Preisträgern in Verhandlung zu treten.

Die mit dem ersten Preis prämierte Arbeit präsentiert ein kompaktes eingeschossiges Gebäude, das nah an die Straße rückt und nach Norden hin die gesamte bebaubare Grundstückstiefe ausnutzt. Aus- und Unterschnitte des Baukörpers bilden unterschiedliche überdachte Außenbereiche sowie einen geschützten Eingangsbereich, den das Preisgericht als "schön und angemessen" bewertete. Die Fassade mit horizontaler Lärchenschalung und unterschiedlichen, farblich abgesetzten Fenstertypen sei robust und angemessen. Der nach Osten orientierte Mehrzweckraum, dem eine Terrasse vorgelagert werden soll, zeige eine "hervorragende Lösung in Bezug auf die geforderte separate Nutzung", so die Preisrichter. Sie lobten die hohe Qualität der Innenräume, insbesondere den "ausdifferenziert und interessant gestalteten" zentralen Spielflur sowie die Lage des Krippenbereichs direkt am Eingang. Alle Gruppenräume sind clusterartig an der Westseite des Gebäudes angeordnet und öffnen sich zum Außenbereich. Durch eine leichte Verschiebung der Räume zueinander, von den Verfassern als "Gruppentanz" bezeichnet, entstehen nach Ansicht des Preisgerichts schöne räumliche Situationen mit offenen Spielmöglichkeiten und vielfältigen Ein- und Ausblicken.

Beim zweitplatzierten Entwurf lassen sich die Nutzungen Kinderkrippe, Kindergarten und Mehrzweckraum an der Ausformulierung des Baukörpers klar ablesen. Der Mehrzweckraum erhält ein eigenes kleines Eingangsfoyer und ist direkt an der Straße platziert. Der Eingangsbereich zur Kindertagesstätte ist hingegen etwas zurückgesetzt. Unmittelbar am hier großzügiger gestalteten Foyer liegt der Krippenbereich, der sich nach Norden und Süden orientiert. Die sich nach Westen öffnenden Ü3-Gruppenräume sowie die Personal- und Nebenräume sind vom Foyer aus linear Richtung Norden jeweils links und rechts des Spielflurs angeordnet. Die Preisrichter würdigten die durch die Positionierung und Gestaltung des Gebäudes entstehenden Außenräume, da diese eine "reizvolle Gliederung der Freianlagen" erlaubten. Kritisch bewerteten sie jedoch die Ausrichtung des U3-Außenbereichs nach Norden sowie den ihrer Meinung nach zu eng gestalteten Spielflur.

Der dritte Preis ging an den Entwurf eines Kitagebäudes, das sich an den Baufluchten des benachbarten Feuerwehrgebäudes orientiert. Dem Neubau, der umlaufend farbig gestaltete Lamellen-Drehelemente erhalten soll, attestierte das Preisgericht ein "ausgesprochen prägnantes, unverwechselbares Erscheinungsbild". Es zeigte sich überzeugt von der "klaren Zonierung der unterschiedlichen Funktionsbereiche um eine multifunktionale und tagesbelichtete Erschließungszone". Als nicht optimal bezeichneten die Preisrichter hingegen die Gestaltung des U3-Bereichs und die nicht klar ausformulierte räumliche Abtrennung des Mehrzweckbereichs vom Spielflur.

Nach der Fertigstellung der Kindertagesstätte hofft die Gemeinde Echzell, zukünftig wieder allen Kindern in ihrer Wohngemeinde einen Betreuungsplatz anbieten zu können.

 

Katja Klenz