Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Bebauung Quartiersmitte Lincoln-Siedlung, Darmstadt

Preisträger

1. Preis (Grundschule mit Sportbereich und Kita): Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt, mit Prof. Dr. Hans-Peter Rohler, Kassel (foundation 5+)

€ 25.000

Prof. Felix Waechter, Sibylle Waechter, Prof. Dr. Hans-Peter Rohler
Mitarbeit: Felicia Fölsch, Todor Nachev, Patrick Schürmann
Fachberater: merz kley partner ZT GmbH, Dornbirn (Tragwerk)

1. Preis (Quartierspark und -platz): Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin

€ 22.000

Franz Reschke

2. Preis (Grundschule mit Sportbereich und Kita): Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart, mit Koeber Landschaftsarchitektur, Stuttgart

€ 15.000

Martin Bez, Thorsten Kock
Mitarbeit: Anna Piontek
Fachberater: Boris Degen (Modellbau)

2. Preis (Quartierspark und -platz): Koeber Landschaftsarchitektur, Stuttgart

€ 14.000

Jochen Köber

3. Preis (Grundschule mit Sportbereich und Kita): h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH, Stuttgart, mit RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn

€ 10.000

Martin Gessert, Albrecht Randecker, Stephan Lenzen
Mitarbeit: Nicolas Henn, Mathias Aiple, Martin Maxa, Julian Bollinger, Johannes Czerniejewski, Jean Müller, Markus Piel, Maximilian Tampier, Julian Altmann

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nicht offener Realisierungswettbewerb. Dem Wettbewerb war ein qualifiziertes Bewerbungs- und Auswahlverfahren vorgeschaltet.
Preisgerichtssitzung 06.07.2016
Ort Darmstadt
Auslober Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Betreuung BÄUMLE Architekten I Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Brigitte Holz (Vorsitz), Cornelia Zuschke, Petra Bittkau, Andreas Krawczyk, Tobias Mann, Dr. Eckhart Rosenberger, Rafael Reißer, Beatrice Luettcher, Jochen Krehbiehl, Bernd Neis, Doris Fath

Eine neue Mitte für die Lincoln-Siedlung

Hochbau mit Freianlagen/Quartierspark und -platz, Darmstadt – nichtoffener Realisierungswettbewerb

Am Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte Darmstadt zu den 112 US-amerikanischen Armee-Standorten in Deutschland. Im Jahr 2008 verabschiedeten sich die letzten US-Streitkräfte aus der Stadt. Durch den Abzug der Soldaten wurden zahlreiche Quartiere in Darmstadt frei, darunter auch die Lincoln-Siedlung. Sie liegt am südlichen Rand der Kernstadt, westlich der Heidelberger Straße und ist hervorragend an die Innenstadt angeschlossen. Im Fokus der Entwicklungsplanungen für die Siedlung steht neben der Sanierung und Aufstockung bestehender Wohngebäude sowie einigen Neubauten vor allem die neue Quartiersmitte. Hier sollen ein 1,6 Hektar großer Park, ein Quartiersplatz, ein Neubau für eine Grundschule mit Mensa und Sporthalle sowie eine Kita entstehen.

Entsprechende Gestaltungsvorschläge sollten in einem vom Eigenbetrieb Immobilienmanagement der Stadt Darmstadt europaweit ausgelobten, nichtoffenen Realisierungswettbewerb gefunden werden. Aufgrund der Komplexität der Wettbewerbsaufgabe waren die beiden Bereiche Grundschule und Kita (Hochbau mit Außenanlagen) sowie Quartiersplatz und -park getrennt ausgelobt und prämiert worden. Das Büro Bäumle Architekten l Stadtplaner aus Darmstadt war für die Verfahrensbetreuung zuständig. Das Wettbewerbsgebiet grenzt im Osten an die Heidelberger Straße. An dieser liegt auch das für Schule und Kita vorgesehene Areal. Außerhalb der Unterrichtszeiten sollen die Bürger Schulhof und Gebäude nutzen können. Nördlich des Neubaus soll der neue Quartiersplatz anschließen und nach Westen in den etwa fünfeckigen Quartierspark übergehen. Im Park kreuzen sich die wichtigsten Wege des Quartiers. Ungefähr in der Mitte liegt zudem ein rund 2000 Quadratmeter großes Biotop, das zwar nicht eingezäunt, dennoch aber besonders geschützt werden soll.

94 interdisziplinäre Planungsteams aus Architekten und Landschaftsarchitekten hatten sich für die Teilnahme am Wettbewerb beworben, 30 davon waren zugelassen worden. Das Preisgericht, das unter dem Vorsitz der Architektin, Brigitte Holz aus Darmstadt, getagt hatte, vergab den ersten Preis Hochbau mit Freianlagen an Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt, mit Prof. Dr. Hans-Peter Rohler, Kassel (foundation 5+ landschaftsarchitekten und planer). Der zweite Preis ging an Bez + Kock Architekten mit Koeber Landschaftsarchitektur, Stuttgart. Auf Platz drei landeten die h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH, Stuttgart, mit RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn. Herbert Hussmann Architekten mit Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin, bekamen den vierten Preis zugesprochen. Anerkennungen erhielten die Stuttgarter Teams Kohlmayer Oberst Architekten mit Herthneck Landschaftsarchitekten sowie Lamott und Lamott Freie Architekten mit Glück Landschaftsarchitektur.

Die erstplatzierte Arbeit überzeugte das Preisgericht durch eine "kompakte, in sich ruhende, teppichartige Bauform" mit mehreren Lichthöfen. Der Eingang zur Schule ist im Norden am Quartiersplatz angeordnet, die Kita erhält im Süden einen separaten Zugang. Der zweigeschossige Baukörper weist eine "sehr intelligente Funktionsaufteilung" auf, so die Preisrichter. Der Entwurf sei "minimalistisch, funktionell, wirtschaftlich und energetisch hochwertig" und damit eine "nachhaltige Antwort auf ein differenziertes Raumprogramm und sich überlagernde Interessen in hoher städtebaulicher Qualität und werthaltiger, zeitloser Architektursprache".

Auch für den Bereich Quartierspark und -platz vergaben die Preisrichter vier Preise. Als "bestechend durch ihre einfache und klar verständliche Formensprache und ihre sinnvolle Anordnung der Funktionsbereiche" bezeichnete das Preisgericht die erstplatzierte Arbeit von Franz Reschke Landschaftsarchitektur aus Berlin. "Der Park strahlt durch seine einfache und präzise Formensprache eine angenehme Ruhe aus", hieß es in der Urteilsbegründung der Preisrichter, und ferner: "Der Quartiersplatz öffnet sich in fokussierender und einladender Weise in Parkrichtung".

Auf dem zweiten und dritten Platz landeten die Stuttgarter Büros Koeber Landschaftsarchitektur und Glück Landschaftsarchitektur. Den vierten Preis für die Gestaltung von Park und Platz sicherte sich Prof. Dr. Hans-Peter Rohler aus Kassel (foundation 5+ landschaftsarchitekten und planer).

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die beiden erstplatzierten Entwurfsverfasser mit den weiteren Planungen zu beauftragen. Die Stadt rechnet Anfang 2018 mit dem Baubeginn. 2020, so der Plan, sollen Schule und Kita den Betrieb aufnehmen. Nach der Fertigstellung von Park und Platz können die Bewohner der Lincoln-Siedlung dann endlich die komplette neue Quartiersmitte mit Leben füllen.

Katja Klenz