Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

"Tower 90", Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis (Realisierungs- und Ideenteil): Jahn, Chicago, mit Magnus Kaminiarz & Cie., Frankfurt/Main

€ 133.000 (brutto)

Helmut Jahn, Magnus Kaminiarz
Mitarbeit: Nic Anderson, Steven Cook, marcel Müller, Jan Müller-Gauf, Moses Shahin, Robert Volz
Landschaftsarchitekt: WES Landschaftsarchitektur GmbH, Wolfgang Betz, Hamburg
Fachberater: Dr. Sesselmann und Kollegen, Dr. Jürgen Sesselmann, Darmstadt (Brandschutz)
Planungsgemeinschaft DUO, Thilo Bauschke, Wiesbaden (Haustechnik)
Werner Sobek Stuttgart GmbH, Werner Sobek Frankfurt GmbH & Co. KG, Werner Sobek und Tobias Berger, Stuttgart (Tragwerk, Fassade, Energietechnik)
Wacker Ingenieure, Prof. Jürgen Wacker, Birkenfeld (Windgutachten)



3. Preis (Realisierungs- und Ideenteil): KSP Jürgen Engel Architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 33.000 (brutto)

Jürgen Engel
Mitarbeit: Thomas Busse, Ulf Gatzke-Yu, Ornella Herglotz-Clappier, Isabelle Weber, Jorge Pinares, Bingxin Liu, Xuan Wang, Marianna Dörfler
Landschaftsarchitekt: FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Prof. Thomas Fenner, Düsseldorf
Mitarbeit: Aleksandar Tomic
Fachberater: Weike & Partner, Dr. Ulrich Breuninger, Stuttgart (Tragwerk)
Lemon Consult AG - Zürich Energy Efficiency Engineering, Winfried Seidinger, Zürich (TGA-Gesamtkonzept, Nachhaltigkeit, Bauphysik)
Ingenieurbüro Michielsen, Swen Michielsen, Neustadt/Weinstraße (Brandschutzgutachter/-sachverständiger)
LÜSEBRINK Ingenieure, Peter Lüsebrink, Hamburg (Fördertechnik, Aufzugsplanung)

3. Preis (Realisierungs- und Ideenteil): Ferdinand Heide Architekt Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main

€ 33.000 (brutto)

Ferdinand Heide
Mitarbeit: Daniel Glebe, Philipp Sontach, Frank Heinen, Jakob May
Fachberater: Endreß Ingenieurgesellschaft mbH Brandschutzsachverständige, P. Beckert, Frankfurt/Main (Brandschutz)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 24.03.2016
Ort Frankfurt/Main
Auslober Europa-Allee Wohnen gsp GmbH, Berlin (Realisierungsteil); ABG FRANKFURT HOLDING, Frankfurt/Main (Ideenteil)
Betreuung Niemann + Steege, Düsseldorf
Preisrichter Hadi Teherani (Vorsitz), Martin Hunscher, Prof. Joachim Joedicke, Christian Logemann, Ulrike Gaube, Frank Junker, Günther Kühnlein, Bernd Wagenbach

Wohnhochhaus mit vertikalen Gärten
Neubau eines Wohnhochhauses

Seit 2005 wächst in Frankfurt auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs das neue Europaviertel. Bis 2019 soll das rund 90 Hektar große, innenstadtnahe Areal bebaut sein und in der Skyline einen weiteren Hochhauscluster bilden. Die ersten Gebäude sind bereits fertiggestellt. Für ein 13.700 Quadratmeter großes Grundstück am Eingang zum Viertel, in unmittelbarer Nähe zur Messe, zum Bankenviertel und Hauptbahnhof, wurde Anfang des Jahres ein weiterer Wettbewerb ausgelobt. Der private Investor plant ein 90 Meter hohes Wohnhochhaus, zudem sollen auf dem Grundstück ein weiteres Hochhaus, das nicht Gegenstand des Wettbewerbs war, und eine siebengeschossige Blockrandbebauung mit Mietwohnungen und Einzelhandel, die die städtische Wohnungsbau- und Beteiligungsgesellschaft ABG realisieren will, entstehen.

Im Hochhaus sollen flexible Wohnungstypologien mit ein bis fünf Zimmern für den mittleren bis gehobenen Anspruch entstehen. Der Investor legt besonderen Wert auf ein imageprägendes Erscheinungsbild mit einer innovativen Fassade sowie eine hervorragende gestalterische und technische Qualität bei gleichzeitig „wirtschaftlich tragfähigen Kosten“, wie es in der Auslobung hieß. Die Blockrandbebauung war als Ideenteil in den Wettbewerb integriert; sie soll beidseitig an das Wohnhochhaus anschließen. Für die Blockrandbebauung waren Grundrissvorschläge gefordert, die sinnvolle und praktikable Lösungen aufzeigen, wie insbesondere die schwierige Belichtungssituation an den Anschlusspunkten gelöst werden kann. Eingeladen waren zum Wettbewerb acht Architekturbüros, betreut wurde dieser von Niemann + Steege Gesellschaft für Stadtentwicklung Stadtplanung Städtebau Städtebaurecht mbH aus Düsseldorf.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Hadi Teherani beschloss einstimmig, für den Ideenteil keine Preisträger zu benennen und das dafür vorgesehene Preisgeld dem ersten Preisträger des Realisierungsteils zusätzlich zuzuerkennen. Ebenfalls einstimmig beschloss es, für den Realisierungsteil einen ersten Preis an Jahn aus Chicago zusammen mit Magnus Kaminiarz & Cie. Architekturgesellschaft aus Frankfurt am Main und zwei dritte Preise an KSP Jürgen Engel Architekten GmbH und Ferdinand Heide Architekt BDA, beide aus Frankfurt/Main, zu vergeben.

Jahn und Magnus Kaminiarz & Cie. entschieden sich gegen die Schließung des Blockrandes; zwischen Hochhaus und Blockrandbebauung bleiben Freiräume, wodurch das Hochhaus stärker als solches wahrnehmbar ist. Die Fassaden sind mit vertikalen, begrünten Pflanzsystemen versehen. Durch diese gelinge den Architekten „ein Gebäude mit hohem Wiedererkennungswert“, das „gleichzeitig größtmögliche Individualität und Privatheit der Wohneinheiten und ihrer Außenbereiche bietet“, lobte das Preisgericht. Städtebaulich entstehe zwischen der achtgeschossigen, straßenbegleitenden Bebauung und dem von der Straßenflucht zurückgestellten Hochhaus „ein interessanter, dreiecksförmiger Platz von hoher stadträumlicher Qualität“. Die Grundrisse seien „funktional und klar gegliedert“ und jeder Wohneinheit „eine gut nutzbare Außenfläche vorgelagert, die von den benachbarten Wohnungen nicht einsehbar ist“. Die raumhoch verglasten Fassaden seien durch die auskragenden Balkone vor Sonne sowie ausreichend vor Einsicht geschützt, die umlaufenden Balkone ermöglichten eine „unproblematische Reinigung“ aller Fassaden und das „einfach und klar strukturierte konstruktive System“ lasse sich „wirtschaftlich realisieren“. Durch tragende Wohnungstrennwände würden kurze Spannweiten erreicht und „schalltechnisch optimale Voraussetzungen geschaffen, wenngleich die Flexibilität und Veränderbarkeit der Grundrisse damit eingeschränkt wird“. Für die Blockrandbebauung sind die gleichen vertikalen Pflanzsysteme vorgesehen, sodass eine „einheitliche, positiv wahrnehmbare Fassadengestaltung“ sowie „eine ästhetische Einheit" entstehen, so das Preisgericht.

KSP Jürgen Engel Architekten beziehen sich mit ihrem Hochhaus auf die Verläufe der Europa-Allee und der Mainzer Landstraße und drehen die auskragenden Ebenen abwechselnd in die beiden Straßenachsen. Durch die Verdrehung, die umlaufenden, stark auskragenden Balkonebenen und die deutlich zurückversetzte Lochfassade ergebe sich ein „spannungsreiches architektonisches Bild“, urteilten die Preisrichter. Auch bei diesem Entwurf schließt die Blockrandbebauung nicht direkt an das Hochhaus an. Über die östliche Fuge werde „das Hochhaus adressiert“, zugleich dient sie der Erschließung des Blockinnenbereichs, in dem eine öffentliche Nutzung vorgesehen ist. Die „reduzierte Tragstruktur des Hochhauses“ lasse „unterschiedliche und flexible Grundrisslösungen“ zu und die Blockrandbebauung sei überwiegend als Dreispänner „mit gut funktionierenden Wohnungsgrundrissen“ organisiert, so die Preisrichter.

Ferdinand Heide Architekt entwarf ein Hochhaus mit annähernd rechteckigem Grundriss und leicht nach innen geknickten Fassaden, das in der Flucht der Blockrandbebauung steht. „Die Positionierung funktioniert städtebaulich gut“ und die „charakteristische Eckbetonung“ lasse den Wohnturm aus dem Blockrand hervortreten, so das Preisgericht. Positiv wertete es auch, dass durch „die konsequente Schließung“ des Blockrandes ein gemeinschaftlich nutzbarer und ruhiger Innenbereich entstehe. Die „kolonnadenartige Eingangssituation, über die man in das zweigeschossige, großzügige Foyer gelangt“, reagiere „gut auf die umgebende Struktur“ und die Loggien und auskragenden Balkone lockerten die Fassade auf. „Durch eine modulare Entwicklung der Grundrisse“ entständen „sehr interessante, unterschiedliche Wohnungstypen und Maisonettwohnungen“ und das Erschließungssystem erlaube „eine hohe Flexibilität für die Anordnung der Wohnungen“, führte das Preisgericht aus.

Der Ausloberin empfahlen die Preisrichter, mit dem ersten Preisträger des Realisierungsteils in Verhandlungen zu treten und gemäß der Auslobung die Beauftragung zu erteilen, dabei die in den schriftlichen Beurteilungen gegebenen Hinweise und Empfehlungen zu berücksichtigen.

Kerstin Mindermann