Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau, Umbau und Sanierung der ehemaligen Mühle Heyl, Fulda

Preisträger

1. Preis: ATELIER 30 Architekten GmbH, Kassel

€ 51.000

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeit: Gani Ilijazi, Yonus Coskun, Lena Klotzsche
Fachberater: GTL Landschaftsplanung GbR, Kassel

2. Preis: AV1 Architekten GmbH, Kaiserslautern

€ 33.000

Michael Schanné
Mitarbeit: Miriam Sachweh, Maryse Parr, Sachsa Pawlik

3. Preis: Andreas Ferstl Architekten, München mit Hess Talhof Kusmierz Architekten und Stadtplaner, München

€ 25.000

Andreas Ferstl, Johannes Talhof
Mitarbeit: Felix Lowin, Andreas Demharter, Lauriane Marty, Julius Bohne
Fachberater: Ingenieure Süd GmbH Akustik und Bauphysik, Georg Stetter, München

4. Preis: keyler.koblitz. letzel.freivogel.architekten, Berlin

€ 20.000

Alexander Koblitz
Mitarbeit: Philipp Posth, Stefan Schreck

5. Preis: sturm und wartzeck gmbh, Dipperz

€ 14.000

Jörg Sturm
Mitarbeit: Ana Conesa, Steffen Schultheis, Franziska Witzel, Sebastian Fell, Maurice Medler, Josephine Steller
Fachberater: Landschaftsarchitektur, Gunther Fischer, Bonn
Ingenieurbüro Kleinbrahm, Fachplaner HLS, Benjamin Schnitzler, Lauterbach
assel brandschutz, Silke Assel, Hilders

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren.
Preisgerichtssitzung 21.06.2016
Ort Fulda
Auslober Land Hessen
Betreuung hbm, Regionalniederlassung Nord, Fulda
Preisrichter Prof. Dr. Franz Pesch (Vorsitz), Prof. Dr. Michael Koch, Prof. Alexander Reichel, Dr. Eckart Rosenberger, Ulrike Berendsen-Manderscheid, Sebastian Burger, Manfred Balg, Guido Brennert, Daniel Schreiner, Prof. Dr. Karim Khakzar, Thomas Platte

Campuserweiterung der Hochschule Fulda

Neuer Standort Fachbereich Pflege und Gesundheit sowie Hochschulsport auf dem Gelände der ehemaligen Mühle Heyl – nichtoffener Realisierungswettbewerb

Die Hochschule Fulda, gegründet 1974 als fünfte staatliche Fachhochschule, gehört zu den jüngeren und mit aktuell gut 8.000 Studierenden auch zu den kleineren Hochschulen in Hessen. Der Hochschulcampus liegt am Rande des Zentrums der Stadt Fulda. Die Hochschule Fulda nutzt unter anderem noch erhaltene Gebäude einer Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Kasernenanlage. In den vergangenen Jahren hat die Hochschule eine rasante Entwicklung vollzogen und bietet derzeit mehr als 50 Studiengänge an. Laut Selbsteinschätzung der Hochschule sind die Wege dennoch kurz und die Atmosphäre persönlich. Um die Lehrbedingungen für die bereits aufgenommen, aber auch die zukünftig noch erwarteten zusätzlichen Studierenden zu verbessern, soll nun der Campus erweitert werden. Hierfür war das Areal der ehemaligen Mühle Heyl gekauft worden, das direkt im Osten an das Hochschulgelände anschließt. Hier soll nach Abriss des größten Teils des Baubestands ein neuer Standort für den momentan über den Campus verteilten Fachbereich Pflege und Gesundheit sowie für den Hochschulsport entstehen.

Im Juli 2015 hatte vonseiten der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen ein beratendes Gespräch mit der Hochschule bezüglich des Wettbewerbsverfahrens stattgefunden. Als Auslober des nichtoffenen Realisierungswettbewerbs fungierte das Land Hessen, vertreten durch den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, Niederlassung Nord. Die Dortmunder scheuvens + wachten GbR sowie die DU Diederichs Projektmanagement AG & Co. KG aus Wuppertal hatten das Verfahren koordiniert. Die Auslobung beinhaltete unter anderem die Vorgabe, zwei bestehende, denkmalgeschützte Gebäude der Kasernenanlage – eine Reithalle und einen Reitstall – durch Umbau und Sanierung in das Gesamtkonzept zu integrieren. 27 Architekturbüros präsentierten ihre Ideen für neue Lehr-, Labor- und Büroräume für den Fachbereich Pflege und Gesundheit sowie Räume für den Hochschulsport. Die Preisrichter, denen Prof. Dr. Franz Pesch vorsaß, vergaben unter diesen fünf Preise sowie drei Anerkennungen.

Den ersten Preis erhielt die ATELIER 30 Architekten GmbH aus Kassel, die bereits einen früheren Wettbewerb für die neue Campusmitte mit Bibliothek und Mensa für sich hatte entscheiden können. Im aktuellen Verfahren überzeugten die Entwurfsverfasser mit einem "bemerkenswerten Beitrag", der sich behutsam mit der historischen Situation auseinandersetzt und die räumliche und gestalterische Qualitäten des neuen Campus fortführt, wie es in der Urteilsbegründung hieß. Der ehemalige Reitstall soll eingeschossig aufgestockt und durch einen zweifach abgewinkelten, viergeschossigen Neubau fortgesetzt werden. Dessen Fassade soll den Rhythmus der historischen Ziegelfassade interpretieren, als Fassadenmaterial schlagen die Architekten recyceltes Material oder auch B-Sortierungen vor, um so zwischen Neubau und Bestand zu vermitteln. Das Preisgericht attestierten den beiden gebildeten Innenhöfen eine "hohe Aufenthaltsqualität". Es lobte die klare Erschließung und gute Orientierbarkeit, das Platz- und Wegesystem sowie die Nutzungsqualität des vorgeschlagenen Konzepts.

Der zweite Preis ging an die AV1 Architekten GmbH aus Kaiserslautern. Diese stellen die Reithalle und den Reitstall frei und schlagen eine verdichtete Bebauung im Inneren des Areals vor. Die Preisrichter würdigten die "klare Haltung zum Bestand" und die Fassadengestaltung "in Analogie zum Bestand in ihrer Kombination aus sichtbaren Konstruktionsgliedern und ausfachenden Elementen".

Den dritten Preis erhielten Andreas Ferstl Architekten mit Hess Talhof Kusmierz Architekten und Stadtplaner, München. Diese präsentieren ein "zweischichtiges Ensemble" und integrieren neben den beiden zu erhaltenden Gebäuden auch den zur Disposition stehenden sogenannten Mittelbau in das Gesamtkonzept. Der Neubau ist als Riegel in der zweiten Reihe angeordnet. Auf dem vierten Platz landeten kleyer.koblitz.letzel.freivogel.architekten aus Berlin. Das Preisgericht bewertete den Vorschlag eines einfachen und klaren Baukörpers als "angenehm unaufgeregt". Zwei Ebenen überlagern den ehemaligen Reitstall und gehen über in einen viergeschossigen Neubau. Dieser bildet im Inneren des Areals einen "großzügigen" Innenhof. Der fünfte Preis ging an die sturm und wartzeck gmbh aus Dipperz für zwei parallele Bauriegel, die über brückenartige Querspangen miteinander verbunden werden sollen. Der zu erhaltende Reitstall sowie der Mittelbau bilden dabei teilweise den Sockel des an der Straße liegenden Gebäuderiegels. Jeweils eine Anerkennung vergab das Preisgericht an die Stuttgarter Büros Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH und wulf architekten gmbh sowie an das Darmstädter Büro sinning architekten in Arbeitsgemeinschaft mit herzig I architekten ingenieure gmbh, ebenfalls aus Darmstadt.

Die Preisrichter empfahlen dem Auslober einstimmig, die Realisierung des mit dem ersten Preis ausgezeichneten Entwurfs anzustreben. Nach derzeitigem Planungsstand sollen die Bauarbeiten 2018 beginnen. Die Fertigstellung des Projektes ist für 2020 geplant.

Katja Klenz