Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau Forschungszentrum Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte und Neubau Seminargebäude der Philipps-Universität Marburg, Campus Firmanei

Preisträger

1. Preis: Raoul Kunz, Berlin, mit STUDIO RW, Berlin

€ 38.000

Raoul Kunz, Heiko Ruddigkeit
Mitarbeit: HL-Technik Engineering GmbH, Klaus Daniels, Fabian Matschinsky, München (Haustechnikkonzept), CRP Bauingenieure GmbH, Anke Schäcke, Berlin (Brandschutzkonzept), Anders Beyer (Visualisierung)

2. Preis: H. Gies Architekt GmbH, Mainz mit Adler & Olesch GmbH, Landschaftsarchitekten, Mainz

€ 31.000

Heribert Gies, Stefan Bitter
Mitarbeit: Sebastian Wenz, Igor Toskovic, Lara Birk, Anne-Kathrin Busche, Ruta Randelovic
Fachberater: HZB-Prüfgesellschaft mbH, Jens Haas, Hochheim am Main

3. Preis: Ackermann + Renner Architekten GmbH, Berlin, mit W+P Landschaften, Berlin

€ 21.000

Georg Ackermann, Cornelia Renner, Hans-Jörg Wöhrle
Mitarbeit: Lucia Odriozola, Ana Stifanic
Fachberater: Ernst² Architekten AG, Markus Ernst, Stuttgart


4. Preis: o5 architekten - raab hafke lang GbR, Frankfurt/Main, mit Planungsbüro STEFAN LAPORT, Battweiler

€ 15.000

Joachim Raab, Stefan Laport

Anerkennung: schmidtploecker planungsgesellschaft mbh, Frankfurt/Main, mit HKK Landschaftsarchitektur GmbH, Frankfurt/Main

€ 5.000

Markus Plöcker, Christian Schmidt, Johannes Cox

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Offener, einphasiger hochbaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb
Preisgerichtssitzung 29.06.2016
Ort Marburg
Auslober Land Hessen
Betreuung büro luchterhand, Hamburg
Preisrichter Prof. Jörg Aldinger (Vorsitz), Prof. Ulrike Lauber, Hans-Hermann Krafft, Holger Zimmer, Friedhelm Dorndorf, Björn Martenson, Guido Brennert, Prof. Dr. Katharina Krause, Hartmut Jegodzinski, Prof. Dr. Hubert Locher, Torsten Schmidt, Dr. Franz Kahle

Höchste architektonische Qualität

Forschungszentrum DDK und Seminargebäude der Philipps-Universität Marburg, Campus Firmanei – offener, einphasiger hochbaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb

Am Fuße der historischen Marburger Oberstadt entsteht mit dem Campus Firmanei derzeit ein neues geistes- und gesellschaftswissenschaftliches Zentrum der Philipps-Universität. Das insgesamt zwölf Hektar große Gelände umfasst ein ehemaliges Klinikviertel mit denkmalgeschützten Gebäuden, den Alten Botanischen Garten sowie das Areal einer ehemaligen Brauerei. Die beiden Neubauten für die zentrale Universitätsbibliothek sowie für das Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas (DSA), über deren Gestaltung jeweils in Wettbewerbsverfahren entschieden worden war, gehören zu den bislang wichtigsten neuen Bausteinen für die Entwicklung des Campus Firmanei.

Nun soll auf dem ehemalige Brauereigelände zwischen Oberstadt und Altem Botanischem Garten ein Neubau für das Forschungszentrum Deut­sches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK) und ein Seminar­gebäude der Philipps-Universität Marburg entstehen. Das DDK gehört zu den weltweit größten und einflussreichsten Zentren der kunsthistorischen Dokumentation und Wissensforschung und ist mit seiner Fokussierung auf die analoge und digitale Fotografie in Deutschland einzigartig. 2015 hatte der Wissenschaftsrat, wichtigstes Beratungsgremium der Bundesregierung und der Landesregierungen zur Wissenschaftspolitik, die Errichtung eines Neubaus für das DDK empfohlen. Das Land Hessen, vertreten durch den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, hatte nun einen offenen, einphasigen hochbaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb ausgelobt, den das büro luchterhandt stadtplaner architekten landschaftsarchitekten aus Hamburg betreut hatte. Auf dem Wettbewerbsareal befindet sich bereits das neue DSA, das die Wettbewerbsteilnehmer in ihre Planungen einbeziehen sollten. Ebenfalls berücksichtigen mussten sie einen Vorentwurf des Architekten Ferdinand Heide, Frankfurt/Main, für das DDK.

Das Preisgericht, dessen Vorsitz der Stuttgarter Architekt Prof. Jörg Aldinger innehatte, vergab unter den 22 eingereichten Entwürfen vier Preise und zwei Anerkennungen. Den ersten Preis erhielt die Arbeitsgemeinschaft Raoul Kunz mit STUDIO RW Landschaftsarchitektur, beide Berlin. Den zweiten Preis sicherten sich die H. Gies Architekt GmbH mit der Adler und Olesch | Landschaftsarchitekten GmbH, Mainz. Mit der Ackermann + Renner Architekten GmbH und w+p Landschaften landete ein weiteres Berliner Team auf dem dritten Platz. Der vierte Preis ging an die o5 architekten - raab hafke lang GbR, Frankfurt/Main, mit dem Planungsbüro Stefan Laport, Battweiler. Anerkennungen erhielten Simon Breth (brethdelacalle & Partner GmbH), mit Mettler Landschaftsarchi­tektur, Berlin, sowie die schmidtploecker planungsgesellschaft mbh mit der HKK Landschaftsarchitektur GmbH, Frankfurt/Main.

Die Preisrichter lobten die erstplatzierte Arbeit für ihre "hohe funktionale und höchste architektonische Qualität", die "attraktiven Außenraumbezüge" sowie die "sehr guten Belichtungsverhältnisse in allen Gebäudebereichen". Die Entwurfsverfasser positionieren das Seminargebäude an der nördlichen Grundstücksgrenze und somit am südlichen Rand des Alten Botanischen Gartens. Gemeinsam mit dem südlich anschließenden, v-förmigen Neubau des DDK bildet der Seminarbau einen geschützten, markant getreppten Innenhof. Die beiden Forschungszentren DSA und DDK erhalten einen gemeinsamen Vorplatz. Die Preisrichter zeigten sich beeindruckt von der "präzisen Fassadenausbildung des Seminargebäudes – Mauerwerk als Hülle, Sicht- und Sonnenschutz". Das DDK definiere sich "durch nahezu flächenbündige, ehrliche Fassaden mit schmalen, raumhohen Fenstern". Beide Forschungszentren und das Seminargebäude erhalten jeweils einen eigenständigen Ausdruck, bilden aber dennoch ein stimmiges Ensemble, so das Preisgericht.

Eine "überraschend neue Lösung der Baukörperkonzeption" bietet laut Preisgerichtsbeurteilung die mit dem zweiten Preis prämierte Arbeit. Die Verfasser platzieren das DDK als Riegel entlang der westlichen Grundstücksgrenze, davon etwas abgerückt orientiert sich das Seminargebäude klar zum Botanischen Garten hin. Eine für Marburg typische enge "Gasse" soll beide Gebäude in Nord-Südrichtung trennen. Vier kleinere Plätze mit jeweils unterschiedlichem Charakter bilden nach Ansicht des Preisgerichts einen zusammenhängenden Campus. Den vorgeschlagenen Fassaden aus Betonfertigteilen mit Metallfenstern attestierten die Preisrichter eine "gute Positionierung der geöffneten und geschlossenen Flächen" sowie einen "klaren, eher strengen Gesamteindruck".

Der drittplatzierte Entwurf präsentiert zwei viergeschossige Gebäude mit jeweils gleicher, geschossweise variierender, "kraftvoll gefalteter, massiv ausgeführter Fassade". Das Konzept des Vorentwurfs für das DDK wird grundsätzlich übernommen und schlüssig optimiert, so die Preisrichter. Die beiden Bauten bildeten eine "klare Geometrie" sowie ein "selbstverständliches Ensemble".

Die Verfasser der viertplatzierten Arbeit schlagen ein viergeschossiges Seminargebäude im Südwesten des Wettbewerbsareals vor sowie einen nach Norden hin anschließenden, dreigeschossigen Forschungsbau. Beide Gebäude bilden nach Westen hin eine "klare städtebauliche Kante" und sollen Bandfassaden mit Einzelfenstern sowie geschlossene Fassaden aus Ziegelmauerwerk erhalten.

Das Preisgericht empfahl dem Auslober einstimmig, den mit dem ersten Preis prämierten Entwurf den weiteren Planungen zugrunde zu legen.

Katja Klenz