Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Bebauung Baufeld 4.2. - Lincoln-Siedlung, Darmstadt

Preisträger

1. Preis: Pielok Marquardt Architekten Planungsgesellschaft mbH, Offenbach

€ 78.000

Hans-Martin Marquardt
Landschaftsarchitekt: Ute Wittich Gartenarchitektur, Ute Wittich, Frankfurt/Main
Tragwerksplaner: ISG Gesellschaft für Ingenieurbau und Systementwicklung mbH Beratende Ingenieure, Prof. Alexander Vogel, Darmstadt
Haustechnikplaner: BML Ingenieurgesellschaft mbH, Herbert Bischoff, Offenbach
Mitarbeit: Gerold Menzel, Michael Maas; Fachplaner: Christian Siegert; Modellbau: Atelier Jörg Kallmeyer

2. Preis: BLFP Frielinghaus Architekten Planungs GmbH, Friedberg

€ 45.000

Michael Frielinghaus
Landschaftsarchitekt: Hendrikx Landschaftsarchitekten, Franz-Josef Hendrikx, Heuchelheim
Tragwerksplaner: Bernhardt Ingenieure GmbH, Gerold Bernhardt, Darmstadt
Haustechnikplaner: IB Freudl & Ruth GmbH & Co. KG, Bernhard Ruth, Bruchköbel
Mitarbeit: Bettina Dobschal, Ladislav Dolezal, Aylin Gürbüz, Florencia Hierrezuelo, Yves Langsdorf, Sebastian Lulay, Julia Mörschel, Claudia Moser, Michael Reus, Birger Rohrbach, Stefan Rose, Natalija Soborka, Cornelia Steirer, Benjamin v. Zehmen; Fachplaner: Phikon Ingenieurbüro für Bauphysik,  Georg Bauer, Simmerath; Modellbau: Sabine Michalke-Vieler

3. Preis: Kuhn und Lehmann Architekten PartG, Freiburg

€ 25.000

Prof. Christoph Kuhn, Thomas Lehmann
Landschaftsarchitekt: AG Freiraum, Jochen Dittus, Andreas Böhringer, Freiburg
Tragwerksplaner: Ingenieurbüro Lachenmann GmbH, Uwe Setzer, Vaihingen
Haustechnikplaner: solares bauen GmbH, Martin Ufheil,Freiburg
Mitarbeit: Fabian Schmidt, David Streck, Sandra Garscha

Anerkennung: Baumhauer Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

€ 15.000

Philipp Baumhauer
Landschaftsarchitekt: ARGE Lavaland GmbH + Treibhaus, Laura Vahl, Deniz Dizici, Berlin
Tragwerksplaner: ifb frohloff staffa kühl ecker, Henning Ecker, Berlin
Haustechnikplaner: Building Applications Ingenieure Kasche Lußky, Dr. Kühne, Berlin
Mitarbeit: Kevin Driscoll, Parthena Sachanidou, Julian Sauer, Julia Schüler, Natalia Zhukova; Modellbau: Monath + Menzel GmbH

Anerkennung: ARGE Michael Becker, Stuttgart, mit Marina del Marmol Peces + Mauro Bravo, Madrid

€ 15.000

Michael Becker, Marina del Marmol Peces, Mauro Bravo
Landschaftsarchitekt: Planungsgruppe Stahlecker, Hannes Stahlecker, Stuttgart
Tragwerksplaner: Ingenieurgemeinschaft Gökel IGG, Hubert Kunz, Stuttgart
Haustechnikplaner: EFG Ingenieurgesellschaft mbH, Armin Jäger, Stuttgart
Elektroplaner: IB Hafner, Lars Hafner, Stuttgart

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Interdisziplinäre Wettbewerbe
Wettbewerbsform Nichtoffener interdisziplinärer Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 10.06.2016
Ort Darmstadt
Auslober bauverein AG, Darmstadt
Betreuung BÄUMLE Architekten I Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Michael Mann (Vorsitz), Conelia Zuschke, Jutta Hermann-Burkart, Hans Baumgartner, Harald Müller, Sybille Wegerich, Armin Niedenthal, Thomas Lemmermeyer, Stefan Backmund, Felix Leonhardt

Zukunftsorientiertes Wohnen in Darmstadt

Baufeld 4.2. Lincoln-Siedlung Darmstadt – nichtoffener, interdisziplinärer Wettbewerb

Die Lincoln-Siedlung in Darmstadt ist eine ehemalige Wohnsiedlung der US-Streitkräfte. Auf dem insgesamt 24,4 Hektar großen Areal soll nun ein modernes und urbanes Quartier mit innovativem Energie- und Mobilitätskonzept für rund 3.000 Menschen entstehen. Neben der Aufstockung und dem Umbau bestehender Wohnblocks sollen auch neue Wohnungen gebaut werden, darunter im sogenannten Baufeld 4.2. Hier sind rund 150 Mietwohnungen, eine Mobilitätszentrale sowie eine Tiefgarage mit Stellplätze auch für die angrenzenden Baufelder geplant.

Den hierfür von der bauverein AG Darmstadt ausgelobten, nichtoffenen, interdisziplinären Realisierungswettbewerb hatte das Büro Bäumle Architekten l Stadtplaner, Darmstadt, betreut. Das gut ein Hektar große, dreieckige Wettbewerbsareal liegt in der Mitte der Lincoln-Siedlung, südlich der neu geplanten Quartiersmitte mit Schule, Kita und Quartierspark. Im Osten bilden die Heidelberger Straße, im Westen die Franklinstraße die Grundstücksgrenze. Zwischen beiden Straßen liegt ein Gefälle von sechs Metern, das die Wettbewerbsteilnehmer bei ihrer Planung berücksichtigen mussten.

Das Preisgericht, das auch schon für das Baufeld 3.2 die Preisträger gekürt hatte und dem der Erfurter Architekt Prof. Michael Mann vorsaß, vergab unter den eingereichten Entwürfen drei Preise sowie zwei Anerkennungen. Auf den ersten Platz wählten die Preisrichter den Entwurf der Offenbacher Pielok Marquard Architekten Planungsgesellschaft mbH. Platz zwei ging an die Friedberger BLFP Frielinghaus Architekten Planungs GmbH. Auf den dritten Platz schaffte es die Kuhn und Lehmann Architekten PartGmbB aus Freiburg. Jeweils eine Anerkennung erhielten Baumhauer Gesellschaft von Architekten mbH aus Berlin sowie die Arbeitsgemeinschaft des Stuttgarter Architekten Michael Becker mit den Architekten Marina del Marmol Peces + Mauro Bravo aus Madrid.

Die erstplatzierte Arbeit zeichnet sich durch eine "konsequente Anpassung an die vorhandene Topografie" aus, so das Urteil des Preisgerichts. Die Verfasser planen die Tiefgarage mit einem dem Geländeverlauf folgenden Gefälle. Darüber ordnen sie sechs unterschiedlich lange, entsprechend der Topografie in der Höhe gestaffelte Wohnbauten mit jeweils vier Geschossen plus Staffelgeschoss an. Fünf der Neubauten sind Ost-West-orientiert und parallel, aber versetzt zueinander platziert. Das sechste, Nord-Süd-orientierte Gebäude liegt im Norden parallel zur Einsteinstraße, die das Quartier erschließt. Durch die Anordnung der Gebäude entstehen nach Ansicht der Preisrichter "vielfältige Blickbeziehungen ins Grüne" und "lebendige Aufenthaltsräume mit unterschiedlichem Charakter". Die Fassadengestaltung bezeichneten sie als "pragmatisch", hinsichtlich ihrer Erwartungen an einen zukunftsorientierten Wohnungsbau jedoch als noch "entwicklungsfähig".

Der zweitplatzierte Vorschlag präsentiert eine jeweils an den Ecken offene Blockrandbebauung. Diese umschreibt "mit einer klaren städtebaulichen Struktur die Form des Baugrundstücks", heißt es in der Urteilsbegründung. Die Preisrichter lobten die "sehr gute und großzügig dimensionierte" Freifläche im Innenbereich. Dass die zweigeschossige Tiefgarage diese komplett unterbaue, schränke den Einsatz größerer Bäume jedoch stark ein. Der "pragmatische und selbstverständliche" Entwurf bietet nach Ansicht des Preisgerichts einen guten Übergang zur geplanten Quartiersmitte im Norden. Die Fassadengestaltung soll über horizontale, die Geschosse trennenden Bänder, unterschiedlich breite, geschosshohe Fenster und Fassadenteile sowie eine leicht changierende Farbgebung erfolgen.

Die Verfasser der mit dem dritten Preis gewürdigten Arbeit schlagen vier identische Wohnhöfe sowie einen fünften modifizierten Wohnhof vor. Sie wenden sich, so die Preisrichter, "gegenüber den Großstrukturen des Bestandsquartiers bewusst einer Einzelhof-Bebauung mit aufgelösten, teppichartigen städtebaulichen Formen zu, die als Aufbruch in ein neues Verständnis von künftigem Wohnen gewertet werden können". Das Preisgericht lobte die mit dem Gesamtquartier verbindende Nord-Süd-Achse und die "sehr qualitätsvollen und effizienten" Grundrisse.

Die Preisrichter empfahlen, den ersten Preisträger mit der weiteren Planung zu beauftragen. Im Jahr 2020 soll die Lincoln-Siedlung statt der ursprünglich knapp 600 Wohnungen durch Sanierung, Aufstockung und Neubau rund 1.600 Wohnungen haben und Dank der geplanten vielfältigen Wohnungsangebote, einer identitätsstiftenden Quartiersmitte sowie qualitätvollen Freiräumen ein attraktiver Wohnstandort für alle Alters- und Einkommensklassen sein.

Katja Klenz