Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau der Feuer- und Rettungswache Wiesbaden-Igstadt

Preisträger

1. Preis: Bayer & Strobel Architekten, Kaiserslautern

€ 20.000

Gunther Bayer, Peter Strobel
Mitarbeit: Artur Schäfer, Max Gottschalk

2. Preis: Tiemann-Petri und Partner, Stuttgart

€ 13.000

Astrid Tiemann-Petri
Mitarbeit: Martina Dietrich, Niobe Filiadou

3. Preis: Schulz und Schulz Architekten GmbH, Leipzig

€ 9.000

Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz
Mitarbeit: Hannes Pohlmann, Fabian Josef Kaesler

4. Preis: Drei Architekten, Stuttgart

€ 6.000

Prof. Kai Haag
Mitarbeit: Felix Haas, Sebastian Weckert

Anerkennung: Schaltraum, Hamburg

€ 6.000

Christian Dahle, Christian Dirumdam, Timo Heise
Mitarbeit: Kay Fischer, Jonas Käckenmester
Architekturmodelle Schmidt (Modellbau)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 01.06.2016
Ort Wiesbaden-Igstadt
Auslober Landeshauptstadt Wiesbaden
Betreuung THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN, Darmstadt
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Prof. Reinhard Ries, Peter Maurer, Ferdinand Heide, Prof. Roland Burgard, Prof. Anett-Maud Joppien, Sven Gerich, Sigrid Möricke, Harald Müller, Hans-Martin Kessler, Stefan Preuer

Wie kann eine Feuerwache in eine dörfliche Wohnstruktur integriert werden?

Neubau der Feuer- und Rettungswache Wiesbaden-Igstadt

In Wiesbaden gibt es drei Berufsfeuerwehren. Von ihren aktuellen Standorten aus können sie jedoch nicht alle östlichen Vororte in zehn Minuten erreichen, weshalb die Stadt plant, die Feuerwehr aus Bierstadt nach Igstadt zu verlegen. Für den Neubau steht ein Grundstück am Ortsrand zur Verfügung. Von Nordost nach Südwest fällt es um ca. 2,5 Meter ab, erschlossen wird es von der im Norden angrenzenden Nordenstadter Straße aus. Im Westen und Süden liegen derzeit landwirtschaftlich genutzte Flächen, die perspektivisch aber mit Wohnhäusern bebaut werden sollen. Der Lärmschutz hat daher eine besondere Bedeutung bei dem Neubauvorhaben. Gen Osten wird das Grundstück auch zukünftig den Ortsrand bilden.

Neben der Berufsfeuerwehr sollen in den Neubau die Freiwillige Feuerwehr von Igstadt und ein Rettungsdienst einziehen. Die drei Nutzungen sind eigenständige Einheiten, Synergieeffekte sind aber bei der Aus- und Fortbildung gewünscht.

Die Stadt möchte einen hoch energieeffizienten Neubau realisieren, der möglichst den Passivhausstandard erfüllt. Für die Planung hatte sie einen nicht offenen Realisierungswettbewerb ausgelobt und dazu sieben Architekturbüros eingeladen. Mit der Betreuung waren THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN aus Darmstadt beauftragt.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali vergab einstimmig vier Preise und drei Anerkennungen. Schwerpunkte der Beurteilung waren u.a. die städtebauliche und landschaftsräumliche Einbindung, die funktionalen Abläufe, insbesondere bei Einsätzen, die gestalterischen und räumlichen Qualitäten sowie die Wirtschaftlichkeit.

Den ersten Preis erhielten Bayer & Strobel Architekten aus Kaiserslautern. Sie entwarfen einen winkelförmigen Baukörper, der die lärmintensiven Nutzungen, wie Alarm- und Übungshof, Parkplätze und Anlieferung, von der Wohnbebauung abschirmt. Als Fassadenmaterial sowie für die Einfriedung ist roter Klinker vorgesehen. Die Fahrzeughallen und die ihnen unmittelbar zugeordneten Nutzungen liegen im Erdgeschoss, in den Obergeschossen befinden sich die Verwaltung sowie die Aufenthalts- und Sportbereiche. Den Pausen- und Ruheräumen sind Loggien vorgelagert. Das Projekt zeichne sich durch eine „prägnante wie zurückhaltende städtebauliche Geste innerhalb der kleinteiligen Dorfstruktur am Ortseingang aus“, lobte das Preisgericht. „Die gestalterische Komposition orientiere sich sehr sensibel an den Rahmenbedingungen.“ Zudem gelinge den Architekten „eine feine und räumlich variantenreiche Gliederung der Funktionsbereiche“. Der Entwurf erfülle „für alle Bereiche die Anforderungen an die Funktionalität und Arbeitsabläufe, sowohl im Tagdienst als auch im Alarmfall“, und überzeuge „durch eine eigenständige, hohe städtebauliche Setzung und baukünstlerisch gestalterische Qualitäten“, so das Fazit der Preisrichter.

Tiemann-Petri und Partner Freie Architekten BDA aus Stuttgart schlugen ein gegliedertes Ensemble vor, das die Funktionsteilung sichtbar macht und sich um einen Hof gruppiert. Die Fahrzeughallen der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr werden vom Innenhof aus erschlossen und die Garagen des Rettungsdienstes liegen direkt an der Nordenstadter Straße. So gewährleisten die Architekten den Schallschutz. „Die städtebauliche Setzung ist durch Klarheit und Sensibilität gleichermaßen geprägt“, urteilte das Preisgericht, und der Nutzer bezeichnete die Funktionalität als „sehr gut“. Alle dienenden Räume seien „stimmig im ringförmigen Obergeschoss organisiert“ und die Wege der Einsatzfahrzeuge „logisch getrennt“. „Der kompakte Baukörper, seine klare Grundrissstruktur und das einfache konstruktive Gefüge“ versprächen eine wirtschaftliche Umsetzung und die Fassadenmaterialien – rau geschalter Sichtbeton und Holzlamellen – entsprächen sowohl dem Ort als auch der Bauaufgabe. Insgesamt sei die Arbeit „städtebaulich und typologisch ein gelungener Beitrag für die komplexe Bauaufgabe“, so das Fazit der Preisrichter, die den Entwurf mit dem zweiten Preis auszeichneten.

Die Drittplatzierten, Schulz und Schulz Architekten aus Leipzig, planten ebenfalls eine Hofbebauung und wählten als Fassadenmaterial rötlich eloxiertes Metall. Der Neubau füge sich „gut in die städtebauliche Situation des Ortes“ ein, er bilde zur Straße eine „attraktive Raumkante“ und der Turm setze in Verbindung mit den Übungsflächen „eine gute Landmarke“, so das Urteil der Preisrichter. Der Hof biete Lärmschutz, die Zu- und Abfahrt zur Feuerwache sei „problemlos möglich“, die Zuordnung der Funktionen sowie die Betriebsabläufe seien „weitgehend gut umgesetzt“ und die Wege der Einsatzkräfte zu den Fahrzeugen „kurz und übersichtlich“. Zudem hob das Preisgericht hervor, dass sich die Wege der Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr nicht überschneiden.

Mit dem vierten Preis wurde der Entwurf von Drei Architekten aus Stuttgart ausgezeichnet. Sie schlugen einen U-förmigen Baukörper mit einer Ziegelfassade vor, der sich zur Nordenstadter Straße öffnet und so ebenfalls den Lärm von der benachbarten Bebauung abschirmt. Zur Straße wird das Gebäude durch einen zwei- und einen dreigeschossigen Kopfbau betont. Die Topografie nutzen die Architekten für eine Parkgarage. Die so gewonnenen Freiflächen werden dem Schulungs- und dem Sportbereich zugeordnet. Die drei Nutzungen seien „weitgehend optimal umgesetzt“ und im Inneren gäbe es „spannungsreiche Blickbezüge zwischen den einzelnen Geschossebenen“, betonte das Preisgericht, das insbesondere „die kurzen Alarmwege“ und die Organisation der Sozial- und Verwaltungsbereiche hervorhob.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die weitere Planung auf Grundlage des ersten Preisträgers vorzunehmen und dabei die im Protokoll aufgeführten Kritikpunkte zu berücksichtigen.

Die zudem vergebenen drei Anerkennungen gingen an Schaltraum Partnerschaft von Architekten aus Hamburg, Zaeske und Partner Architekten aus Wiesbaden und rüdenauer-architektur aus Stuttgart.

Kerstin Mindermann