Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Erweiterung der Burgwaldschule in Wetter

Preisträger

1. Preis: LSK-Architekten Lube | Schoppa | Krampitz-Mangold PartGmbB, Darmstadt

€ 12.400

Michael Lube
Mitarbeit: Maria Stasi
Fachberater: Graner Ingenieure GmbH, Leipzig (Akustik, Bauphysik, Energiedesign)

2. Preis: fehlig moshfeghi architekten GbR, Hamburg

€ 9.300

Niels-Arne Fehlig, Mehdi Moshfeghi
Mitarbeit: Jacopo Puccio, Sameh Jarrar, Aurel Amzai

3. Preis: walter huber architekten, Stuttgart

€ 6.200

Walter Huber
Mitarbeit: Katharina Dippon, Ruofan Wang, Anja Gassmann, Marion Junginger
Fachberater: merz kley partner, Dornbirn (Tragwerksplanung)

Anerkennung: hinrichs wilkening architekten & jan wiese architekten, Berlin

€ 3.100

Ralf Wilkening, Jan Wiese
Mitarbeit: Kristina Wiese, Sven Hinrichs
Fachberater: Frank Dröse (Tragwerksplanung), Katrin Helmbold, Modellbau

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Innenarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 13.10.2016
Ort Wetter
Auslober Kreisausschuss des Landkreises Marburg-Biedenkopf
Betreuung PlanES, Elisabeth Schade, Gießen
Preisrichter Prof. Jürgen Hauck (Vorsitz), Manfred Lenhart, Jürgen Juli, Susanne Wartzeck, Kirsten Fründt, Marian Zachow

Zukunftsfähiges pädagogisches Konzept ermöglicht

Schulerweiterung in Wetter

Die Burgwaldschule in Wetter hat zwei Außenstellen, beide sollen geschlossen werden. Um dann alle Schüler am Hauptstandort unterrichten zu können, muss die Burgwaldschule – ein dreigeschossiges Hauptgebäude inkl. Souterrain aus den 1960er Jahren und ein eingeschossiger, rechtwinkliger Anbau aus den 1980er Jahren – erweitert werden. Es fehlen fünf Klassenzimmer, vier Betreuungsräume, neue Verwaltungsräume, ein Lehrerzimmer sowie eine Küche mit angeschlossener Mensa. Für die Baumaßnahme, die den Passivhausstandard erfüllen soll, steht ein Budget von max. 4,3 Mio. Euro brutto, inkl. Außenanlagen und Inneneinrichtung (KG 200-600), zur Verfügung. Einen entsprechenden Wettbewerb hatte der Kreisausschuss des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgelobt, betreut wurde er von PlanES aus Gießen.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Jürgen Hauck legte bei der Bewertung der eingereichten Entwürfe den Fokus auf Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und räumliche sowie pädagogische Qualität. Den ersten Preis vergab es an LSK-Architekten Lube I Schoppa I Krampitz-Mangold Part GmbB aus Darmstadt. Diese schlugen vor, das Hauptgebäude abzureißen und durch einen zweigeschossigen Neubau mit Atrium zu ersetzen. Der Anbau aus den 1980er Jahren bleibt erhalten und wird mit einem neuen Zwischenbau an den Neubau angeschlossen. Der Neubau füge sich „sehr gut“ in die dörfliche Umgebung ein, lobten die Preisrichter, und auch die „zeitgenössische, klare Formensprache“, die „robuste Klinkerfassade“, die „gute Belichtung“ und die „klare und übersichtliche Orientierung“ überzeugte sie. Alle Sonderfunktionen, wie der Essbereich, eine offene Mehrzweckfläche, die auch als Musikraum genutzt werden kann, die Verwaltung mit Lehrerzimmer sowie der Betreuungsbereich, befinden sich im Erdgeschoss des Neubaus. Im Obergeschoss und im bestehenden Anbau sind die Unterrichtsräume untergebracht. Die Struktur funktioniere „reibungslos“ und der Entwurf lasse „ein zukunftsfähiges pädagogisches Konzept zu, das auch flexibel auf Veränderungen reagieren könne“, so die Preisrichter.

Fehlig moshfeghi Architekten aus Hamburg erhalten in ihrem Entwurf beide Bestandsgebäude und ergänzen diese durch einen zusätzlichen, dreigeschossigen Anbau im Südwesten. Östlich davon liegt der neue Pausenhof, den eine Pergola zur Straße begrenzt. Die neue Erschließung erfolgt ebenfalls über den Pausenhof: Gleich zwei Eingänge, auf beiden Seiten der zentral platzierten Mensa, führen ins Gebäude. Neben dem Essbereich sind im Erdgeschoss des Neubaus die Verwaltung und das Lehrerzimmer untergebracht, die Klassenzimmer befinden sich in den Obergeschossen sowie im bestehenden Anbau auf der Nordseite. Die Preisrichter zeichneten den Entwurf mit dem zweiten Preis aus. Sie überzeugte „die maßstäbliche Einbindung ins Ortsbild und die vertraute giebelständige Putzfassade“. Die Baukörper seien in ihren Funktionen „klar und deutlich abgegrenzt“, die Struktur auch für junge Schüler „leicht zu erfassen“ und die Pergola schaffe „ein Ineinandergreifen von schulischem und öffentlichem Raum“. Ebenfalls überzeugen konnte die „kompakte Anordnung der Baukörper“ und die dreigeschossige Bauweise des Neubaus, „wodurch ein Großteil der Grundstücksfreifläche als Spielfläche erhalten bleibt“.

Walter Huber Architekten aus Stuttgart erhielten für ihren Entwurf den dritten Preis. Dieser sieht vor, den bestehenden Anbau auf die Breite des Haupthauses zu erweitern und die Satteldächer in ein Flachdach umzuwandeln. Im Zentrum entsteht ein Innenhof, der die Flurzonen belichtet. Zwischen Haupthaus und Erweiterung wird zudem eine neue, zweigeschossige Halle als Verbindung und zentraler Aufenthaltsort eingefügt. Der Eingang befindet sich im Souterrain des Altbaus, neben der Mensa – der Außenraum ist an dieser Stelle entsprechend abgetreppt. Die Klassenzimmer sind im Obergeschoss des Haupthauses und im umgebauten Anbau untergebracht. Positiv wertete das Preisgericht die „einladende Eingangssituation“, den Standort der Mensa mit Anbindung nach draußen und den „pädagogisch sinnvollen Grundriss mit offenen Lernzonen, Begegnungsflächen und Jahrgangsbereichen“.

Eine Anerkennung erhielten Hinrichs Wilkening Architekten & Jan Wiese aus Berlin. Dem Auslober empfahl das Preisgericht, mit allen Preisträgern in die Verhandlungen zu gehen.

Kerstin Mindermann