Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Gefahrenabwehrzentrum, Gießen

Preisträger

1. Preis: ARGE TRU Architekten, Berlin, mit Holzwarth Landschaftsarchitektur, Berlin Pichler Ingenieure GmbH, Berlin, mit ArGe Kirchner Gebäudetechnik GmbH, mit Minden/Schlegel & Reußwig GmbH, Lage

€ 29.000

Henning v. Wedemeyer, Tim Bauerfeind, Gerd Holzwarth, Franz Stieglmeier, Joachim Römmert
Mitarbeit: Rosanna Just

2. Preis: ARGE gildehaus.partner architekten, Weimar, mit DANE Landschaftsarchitekten, Weimar, mit IBK Ingenieurbüro Dr. Krämer GmbH, Weimar, mit Ingenieurbüro Hirsch, Erfurt

€ 18.000

Bernd Gildehaus, Michael Dane, Thomas Jecke, Thomas Hirsch
Mitarbeit: Anne Tunkel, Dr. Antje Dill, Rene Textor, Werner Bartels
Modellbau: Unikat, Karsten Hentrich, Weimar

3. Preis: ARGE Struhk Architekten Planungsgesellschaft mbH, Braunschweig, mit NSP Landschaftsarchitekten, Hannover, mit Drewes und Speth Ingenieure, Hannover, mit Dröge Baade Drescher, Salzgitter

€ 11.000

Prof. Hans Stuhk, Christoph Schonhoff, Helmut Drewes, Christian Katzinger
Mitarbeit: Joechen Goede, Julian Hartwig, Ann-Kristin Seck

Anerkennung: ARGE Osterwold Schmidt EXP!ANDER Architekten, Weimar, mit plandrei Landschaftsarchitektur GmbH, Erfurt, mit Ingenieurbüro Fankhänel & Müller, Leipzig, mit MN Mörbitz Nordhorn Ingenieure GmbH, Leipzig

€ 7.250

Antje Osterwold, Matthias Schmidt, Stefan Dittrich, Uwe Fankhänel, Peter Mörbitz
Mitarbeit: Marko Schneider, Claudia Wiegand

Anerkennung: ARGE pbr Planungsbüro Rohling AG, Braunschweig, mit wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum, mit pbr Planungsbüro Rohling AG, Magdeburg, mit pbr Planungsbüro Rohling AG, Osnabrück

€ 7.250

Heinrich Eustrup, Christine Wolf
Mitarbeit: Natalie Baranik, Bianca Golla, Martin Labitzke
Modellbau: Mark Blume, Braunschweig
Visualisierung: Mischa Lötzsch, Braunschweig
Fachberater: SHP Ingenieure GbR, Hannover (Verkehrsplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Interdisziplinäre Wettbewerbe
Wettbewerbsform Nichtoffener, interdisziplinärer Realisierungswettbewerb. Dem Wettbewerb wird ein qualifiziertes Bewerbungs- und Auswahlverfahren vorgeschaltet.
Preisgerichtssitzung 29.04.2016
Ort Gießen
Auslober Magistrat der Universitätsstadt Gießen und der Landkreis Gießen
Betreuung Bäumle Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Dr. Eckhard Rosenberger (Vorsitz), Prof. Susanne Gross, Andreas Kopp, Tobias Mann, Prof. Matthias Pfeifer, Prof. Kai Haag, Tanja Kuckert, Olaf Grube, Dietlind Grabe-Bolz, Anita Schneider, Martina Klee, Mario Binsch, Hans Horst, Hartmut Klee

Klare Struktur

Wettbewerb Gefahrenabwehrzentrum Gießen

Die Hauptfeuerwache der Stadt Gießen entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen und das derzeitige Grundstück bietet keine Erweiterungsmöglichkeiten. Da die Stadt bereits in vielen Bereichen der Gefahrenabwehr mit dem Landkreis Gießen kooperiert, soll nun ein gemeinsames Gefahrenabwehrzentrum errichtet werden, in dem die Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr Gießen, der Fachdienst Gefahrenabwehr mit Leitstelle des Landkreises Gießen und das Feuerwehrtechnische Zentrum des Landkreises, mit Werkstätten und Ausbildungsstätten für alle Feuerwehren des Landkreises zusammengefasst werden. Synergieeffekte sollen insbesondere durch die gemeinsame Nutzung von Lehrsälen, Übungsflächen, haustechnischen Anlagen, teuren Wartungs- und Werkstatteinrichtungen sowie dadurch entstehen, dass das Feuerwehrtechnische Zentrum mit Personal der Berufsfeuerwehr und des Landkreises betrieben werden kann.

Ein rund zwei Hektar großes Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen US-Depots „Am alten Flughafen“ im Nordosten der Stadt steht für den Neubau zur Verfügung. Bis 2003 befand sich hier das größte Nachschub-Depot der amerikanischen Streitkräfte in Europa. Vor allem Zivilgüter für die Angehörigen der amerikanischen Stationierungsstreitkräfte wurden von hier aus in die Läden der US-Armee verteilt. Aktuell ist das Gebiet durch asphaltierte und betonierte Verkehrsflächen, Lagerhallen, leer stehende Gebäude und untergenutzte Flächen geprägt. Rund um das Wettbewerbsgrundstück soll ein Gewerbestandort entstehen, südlich angrenzend ist ein Mischgebiet geplant und etwas entfernt befindet sich die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

Nach einem Beratungsgespräch durch Ruth Möller vom Landeswettbewerbsausschuss (LWA) und Gesine Ludwig, Referentin für Vergabe und Wettbewerbe der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, hatten Stadt und Landkreis für den Neubau des Gefahrenzentrums einen interdisziplinären Realisierungswettbewerb ausgelobt. Teilnahmeberechtigt waren Generalplaner oder Bewerbergemeinschaften aus Architekten (federführend), Landschaftsarchitekten, Haustechnik- und Tragwerksplanern. Betreut wurde der Wettbewerb durch BÄUMLE Architekten I Stadtplaner, Darmstadt. Da die drei Nutzer unterschiedliche Förderungen erhalten und eine Vermögenstrennung zwischen Stadt und Landkreis möglich sein muss, war trotz der gewünschten Synergieeffekte eine Gliederung in drei bauliche Einheiten mit eindeutigen Schnittstellen gefordert. Darüber hinaus wurde ein freiraumplanerisches Grünkonzept erwartet.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Dr. Eckart Rosenberger vergab drei Preise und zwei Anerkennungen. Der erste Preis ging an die ARGE TRU Architekten, Berlin, mit Holzwarth Landschaftsarchitektur, Berlin, Pichler Ingenieure GmbH, Berlin, ArGe Kirchner Gebäudetechnik GmbH, Minden / Schlegel & Reußwig GmbH, Lage. Sie schlugen ein U-förmiges Gebäude mit einer Fassade aus roten und rotbraunen Platten und einer horizontalen Gliederung durch vorspringende, anthrazitfarbene Metallprofile vor. Wie alle Preisträger ordneten sie die Fahrzeughalle im östlichen Gebäudeflügel an. Davor liegt, entlang der östlichen Grundstücksgrenze die Alarmausfahrt, die im Süden auf die Straße mündet. Über der Fahrzeughalle befinden sich die Büros und Ruhebereiche der Feuerwehr, gegenüber im westlichen Flügel sind die Werkstätten und im Süden, zur Straße, die Schulungsräume und das Foyer, das alle drei Nutzungsbereiche erschließt, untergebracht. „Sowohl städtebaulich als auch architektonisch weist die Arbeit ein sicheres Gespür auf, nicht nur in funktionaler, sondern auch in gestalterischer Hinsicht“, lobte das Preisgericht. „Die Art, wie hier trotz der Ausdehnung des Baukörpers durch gezielte Einschnitte in das Volumen eine Pointierung geschaffen wird, ist vorbildlich“. Die Fassadengestaltung in Holzrahmenbauweise und mit ihrer horizontalen Akzentuierung vermittle „den Eindruck von Leichtigkeit und Transparenz“ und die Kenndaten in Verbindung mit dem Fassadenkonzept ließen „einen besonders wirtschaftlichen Entwurf erwarten“. „Es entsteht der Eindruck einer idealen Balance zwischen einer klaren Positionierung im städtischen Raum und einer vornehmen Zurückhaltung in der architektonischen Gesamterscheinung. Der Entwurf hat das Potenzial, ein ideales Start-up-Gebäude für die gesamte städtebauliche Entwicklung zu werden“, so das Fazit der Preisrichter.

Den zweiten Preis erhielt die ARGE gildehaus.partner architekten BDA, Weimar, mit DANE Landschaftsarchitekten, Weimar, IBK Ingenieurbüro Dr. Krämer GmbH, Weimar und Ingenieurbüro Hirsch, Erfurt. Ihr Entwurf zeigt ebenfalls ein U-förmiges, nach Norden geöffnetes Gebäude. Als Fassadenmaterial wählten sie eine vorgehängte Ziegelfassade. Die Einsatzfahrzeuge stehen zweireihig, in der Mitte befindet sich ein Kern mit den Umkleiden. Der erste Abmarsch erfolgt ebenfalls entlang der östlichen Grundstücksgrenze, der zweite über den Übungshof und eine zentrale Durchfahrt im Süden. Die Preisrichter lobten den „klar strukturierten, kompakten Baukörper“. An seiner Südseite bilde er „eine städtebauliche Kante“, der Haupteingang mit der Feuerwehreinsatzzentrale sei an der südöstlichen Gebäudeecke „richtig platziert“, aber die Fahrzeughalle, das Lager und die Werkstätten seien klar voneinander getrennt und dennoch auf kurzem Weg erreichbar. Insgesamt besteche der Entwurf durch seine „klare Struktur sowohl in den Baukörpern als auch in der Organisation der Außenflächen. Diese Klarheit setzt sich in den Funktionsabläufen fort“, so das Fazit der Preisrichter.

Der drittplatzierte Entwurf zeigt einen lang gestreckten Hoftypus mit einer Hofeinfahrt im Westen. Die Einsatzfahrzeuge sind wiederum zweireihig im östlichen Gebäudeteil angeordnet. Der zweite Abmarsch erfolgt über den Hof, die Hofeinfahrt und die allgemeine Zu- und Ausfahrt auf der westlichen Grundstücksseite. Das Preisgericht lobte den „klaren Baukörper“ als „angemessenen Auftakt für die städtebauliche Entwicklung“, den „einladend gestalteten“ Vorplatz, die „klare Zonierung“ sowie die „gut abgebildeten inneren Abläufe der Berufsfeuerwehr“. Die Bandfassade aus Aluminiumblechen vermittle zudem eine „der Aufgabe angemessene Anmutung“ und verorte den Baukörper „schlüssig“ im entstehenden Gewerbegebiet. Entwurfsverfasser war die ARGE Struhk Architekten Planungsgesellschaft mbH, Braunschweig, mit NSP Landschaftsarchitekten, Hannover, Drewes und Speth Ingenieure, Hannover, und Dröge Baade Drescher, Salzgitter.

Die beiden Anerkennungen gingen an:

  • ARGE Osterwold Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA, Weimar, mit plandrei Landschaftsarchitektur GmbH, Erfurt, Ingenieurbüro Fankhänel & Müller, Leipzig, MN MörbitzINordhorn Ingenieure GmbH, Leipzig, und
  • ARGE pbr Planungsbüro Rohling AG, Braunschweig, mit wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum, pbr Planungsbüro Rohling AG, Magdeburg, pbr Planungsbüro Rohling AG, Osnabrück.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit der weiteren Planung zu beauftragen und dabei die Kritikpunkte aus der schriftlichen Beurteilung zu berücksichtigen.

Kerstin Mindermann