Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Schwedlerbrücke, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt/Main, mit B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt/Main

€ 35.000

Prof. Christoph Mäckler, Prof. Manfred Grohmann
Mitarbeit: Elena Cuntz, Ulrike Klotz, Andreas Frank, Henry Hess, Horst Peseke, Max Wittich
Fachberater: Ingenieurbüro Dipl.-Ing. H. Vössing GmbH, Jörg Wagner, Frankfurt/Main

2. Preis: sbp GmbH, Stuttgart, mit Marx Krontal GmbH, Hannover, mit gmp International GmbH, Berlin, mit Prof. Dr. Lorenz & Co. Bauingenieure GmbH, Stuttgart

€ 25.000

Andreas Keil, Ludolf Krontal, Hubert Nienhoff, Prof. Dr. Werner Lorenz
Mitarbeit: Philipp Wenger, Jochen Schmied, Tobias Steigerwald, Raul Beltran, Benjamin Moore, Annett Anacker, Markus Pfisterer, Monika Kwiatkowski, Helge Lezius, Dr.-Ing. Michael Fischer

3. Preis: BERNARD Ingenieure ZT GmbH, Hall in Tirol, mit Explorations Architecture, Paris

€ 16.000

Mitarbeit: Lukas Praxmarer, Christian Wollinger, Patrick Schatz, Nicholas Elliott, Benoît Le Thierry d'Ennequin, Sylvia Bauer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Interdisziplinäre Wettbewerbe
Wettbewerbsform Nichtoffener, interdisziplinärer Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 15.02.2016
Ort Frankfurt
Auslober Amt für Straßenbau und Erschließung der Stadt Frankfurt/Main
Betreuung ANP - Architektur und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Stephan Engelsmann (Vorsitz), Hans Beier, Gerrit Heidenfelder, Michaela Kraft, Andreas Krawczyk, Stefan Majer, Dr. Wolfgang Vogel, Dr. Klaus Vornhusen, Prof. Ludwig Wappner

Gut funktionierendes Gleichgewicht zwischen Alt und Neu

Sanierung und Teilneubau Schwedlerbrücke, Frankfurt/Main

Die Schwedlerbrücke ist eine der wichtigsten Fußwegeverbindungen im Osten von Frankfurt. Sie verbindet über Bahnflächen und einen Containerterminal hinweg den Ostpark mit der Hanauer Landstraße. Zwischen 1910 und 1913 wurde sie errichtet, im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und 2010 als Technisches Kulturdenkmal anerkannt. Seit 2011 ist sie wegen Bauschäden gesperrt.

Für ihre Sanierung hatte das Amt für Straßenbau und Erschließung der Stadt Frankfurt am Main einen interdisziplinären Wettbewerb ausgelobt: Die drei historischen südlichen Brückenfelder sollen denkmalgerecht saniert sowie instand gesetzt und die drei nördlichen Brückenfelder – die im Krieg zerstört und in den 1950er Jahren neu errichtetet wurden – durch einen Neubau ersetzt werden. Konzeptabhängig war zudem zu prüfen, ob das vierte, nördlichste der historischen Brückenfelder erhalten werden kann oder ebenfalls ersetzt werden muss. Darüber hinaus soll die Brücke an aktuelle Sicherheits- und Komfortanforderungen angepasst und barrierefrei umgebaut werden.

Die Schwierigkeit bestand zum einen darin, eine harmonische Lösung für das Nebeneinander von historischer Bausubstanz und Teilneubau – der als zeitgemäße Architektur erkennbar sein soll – zu finden, zum anderen in der Auseinandersetzung mit den konstruktiven Details der historischen Bausubstanz, deren Zustand noch nicht in Einzelheiten bekannt ist. Zugelassen waren Architekten zusammen mit Bauingenieuren oder Tragwerksplanern. Betreut wurde der Wettbewerb von ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dr. Stephan Engelsmann zeichnete Christoph Mäckler Architekten zusammen mit B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, beide aus Frankfurt am Main, mit dem ersten Preis aus. Ihr Entwurf biete einen „außerordentlich interessanten Beitrag und einen überraschenden Mehrwert“. Es entstehe „nicht nur ein anspruchsvolles Ingenieurbauwerk, sondern zugleich ein Stück Stadt“, betonte das Preisgericht. Der Entwurf sehe vor, die vier historischen Brückenbögen „behutsam“ instand zu setzen. „Herausragend“ sei dabei, wie der Wechsel in das 5. Feld „geradezu gefühlvoll inszeniert“ werde, indem „auf eine historische Bauweise zurückgegriffen, diese jedoch modern interpretiert wird“. Es entstehe „ein gut funktionierendes Gleichgewicht zwischen Alt und Neu“, betonte das Preisgericht. Städtebauliche Relevanz erziele die Arbeit durch die beiden „Laternen“ auf den Brückenköpfen, die „als landmark“ wirkten, sowie durch das „attraktive, zusätzliche Nutzungsangebot“ – einen Ausstellungsraum und ein Café in den beiden Widerlagern. Hieraus könne „ein Impuls für den gesamten Stadtraum entstehen“. Der Entwurf nehme damit den für das Quartier sich anbahnenden Wandel „geradezu vorweg bzw. gebe diesem einen wichtigen Impuls“. Das zusätzliche Nutzungsangebot, die offene Zugänglichkeit des Aufzugs und das Beleuchtungskonzept böten „beste Voraussetzungen, Angsträume zu vermeiden“, so die Preisrichter. Das Tragwerk sei zudem „sinnvoll und logisch gewählt und im Erscheinungsbild beeindruckend“. Die lineare Ausrichtung der Brücke mit nur einem zusätzlichen Element wirke „sehr elegant“. Es entstehe „eine überzeugende Verbindung zwischen Ingenieurbaukunst und Architektur, die sich durch eine hohe Ästhetik auszeichnet“. Insgesamt besteche die Arbeit „durch ihren selbstbewussten, in die Moderne übertragenen Umgang mit einem Bautypus aus dem vergangenen Jahrhundert, ihre eigenständige, städtische Haltung sowie durch ihre Sorgfalt und Präzision“, so das Fazit der Preisrichter.

Der zweite Preis ging an die Arbeitsgemeinschaft Andreas Keil sbp GmbH aus Stuttgart, Ludolf Krontal Marx Krontal GmbH aus Hannover, gmp International GmbH aus Berlin und Prof. Dr. Lorenz & Co. Bauingenieure GmbH aus Berlin. Die Arbeit zeige „einen spannenden, außerordentlich interessanten Ansatz, indem sie auf der einen Seite das Historische behutsam zitiert und auf der anderen Seite mit gänzlich Neuem verblüfft“, lobten die Preisrichter. Die Weiterentwicklung des Brückenbaus werde bei dem Entwurf „sehr gut sichtbar“, er verdeutliche „auf beeindruckende Weise den Wissenssprung von einhundert Jahren, ohne den Bestand zu negieren“. Die Nahtstelle zwischen Alt und Neu sei „sorgfältig ausformuliert“, die Konstruktion der neuen Brücke „innovativ und nahezu atemberaubend filigran“ und die Antritte auf beiden Seiten „gelungen“. Die gespreizte Treppe trete mit dem beabsichtigten Ulmenplatz in Beziehung und die Zugänglichkeit des Aufzugs sei „gut einsehbar und somit nutzerfreundlich“, hob das Preisgericht hervor. Insgesamt handle es sich um „eine Brücke von hoher Qualität und großer Eleganz“. Die Arbeit leiste einen „hervorragenden Beitrag zum Thema Weiterbauen im Bestand“. Die einzelnen Zeitschichten artikulierten sich darin „klar und ohne jegliche Anbiederung“

Der Entwurf von BERNARD Ingenieure ZT GmbH aus Hall in Tirol (Österreich) und Explorations Architecture aus Paris (Frankreich) erhielt den dritten Preis. Er sieht vor, die ersten drei Felder, die den Containerterminal überspannen, denkmalgerecht zu sanieren, den vierten Brückenbogen wegzulassen und den Bereich über der Bahn mit einer Bogenkonstruktion zu überbrücken. Das neue Bauwerk füge sich „elegant in seine Umgebung ein“, betonten die Preisrichter. Die Geometrie des neuen Bogens sei den Proportionen der alten Konstruktion nachempfunden und somit „ein harmonischer Anschluss beider Bauwerke möglich“. Der Entwurf gehe „auf Kosten des Kulturdenkmals einen mutigen Weg, der zu einem spannenden und in der Gestaltung überzeugenden Ergebnis“ führe. Insgesamt sei das Konzept „schlüssig“ und der bautechnische Aufwand „überschaubar“. Es entstehe ein Brückenbauwerk, „bei dem Alt und Neu in einen stimmigen Rhythmus gebracht werden“, so die Preisrichter. Es handle sich um „eine diskrete, gefühlvolle Arbeit, die gut mit Proportionen umgehen kann und relativ unaufgeregt, im positiven Sinne bescheiden, daherkommt“, so das Fazit.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen und dabei die in der Beurteilung genannten Kritikpunkte zu berücksichtigen. Mit den Bauarbeiten soll noch 2016 begonnen werden, mit der Fertigstellung wird 2018 gerechnet.

Kerstin Mindermann