Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

zur Detailseite

Neubau Dahlmannschule, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Birk und Heilmeyer Architekten, Stuttgart

22.100 €

Sabine Birk, Liza Heilmeyer
Mitarbeit: Felix Fritz, Timo Sprengel (Modellbau)

2. Preis: barkowsky wahrer Architekten GbR, Köln

14.800 €

Jens Barkowsky, Kerstin Wahrer

3. Preis: Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten, Nürnberg

11.100 €

Friedrich Bär, Bernd Stadelmann, Rainer Stöcker
Mitarbeit: Michael Brand
Fachplaner: ver.de landschaftsarchitektur GbR, Jochen Rümpelein, Freising

4. Preis: Friedrich Poerschke Zwink Architekten und Stadtplaner, München

7.400 €

Klaus Friedrich, Dr. Ute Poerschke, Stefan Zwink

Anerkennung: bof architekten, Hamburg

6.200 €

B. Bücking, P. Ostrop, O. Flemming
Mitarbeit: Simon Kipke, Jannes Wurps
Fachberater: Drewes & Speth, Hannover (Tragwerksplanung)
Ebök Planung und Entwicklung Gesellschaft mbh, Tübingen (TGA- & Energiekonzept)
greenbox Landschaftsarchitekten, Köln
roomservice 3d, Berlin (Visualisierung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren.
Preisgerichtssitzung 14.04.2011
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt am Main
Betreuung BSMF GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Jörg Friedrich (Vorsitz), Prof. Hartmut Fuchs, Prof. Myriam Gautschi, Prof. Michael Schumacher, Martin Müller-Bialon, Dr. Hans Jürgen Pritzl, Ute Sauer

Körper und Geist
Neubau einer Grundschule mit Turnhalle und Schwimmbad

„In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“, so ein oft zitiertes Sprichwort. Das Original aus dem 2. Jhd. n. Chr. lautete etwas anders und war vom Urheber, dem römischen Dichter Juvenal, wohl auch eher ironisch gemeint. Für die Schüler der Dahlmannschule im Frankfurter Stadtviertel Ostend mag es wohl dennoch zutreffen, denn lernen und bewegen gehören an dieser Schule eng zusammen. Sie ist Schulsport-Nebenzentrum, hat Sport als Schwerpunkt im Angebot und gehört zu den wenigen Grundschulen in Hessen, die über ein kleines Schwimmbad mit Lehrschwimmbecken verfügen. Die Schüler erhalten dort von der ersten bis zur vierten Klasse neben zwei Stunden Sport auch noch eine Stunde Schwimmunterricht.

Doch die Qualität der Bausubstanz der Schule, ein in den 1960er Jahren errichtetes Gebäude, ist – wie bei vielen Nachkriegsbauten jener Zeit – nicht besonders hoch. Für die maximal 400 Schüler soll daher ein Neubau her – mit Allem drum und dran. Neben dem Schulgebäude mit Unterrichtsräumen und einem Verwaltungsbereich sollen für den Schulsport eine Zweifeldsporthalle, eine Schwimmhalle, Laufbahnen im Freigelände sowie eine Ganztagsbetreuung für 100 Kinder geplant werden.

Ausgelobt nach einem Beratungsgespräch durch Gesine Ludwig, Referentin Vergabe und Architektenwettbewerbe der AKH und Felix Jourdan vom Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss hatte die Stadt Frankfurt am Main dafür einen nichtoffenen Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren. Dieser wurde betreut von der Frankfurter Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung BSMF GmbH. 27 Arbeiten lagen dem Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Jörg Friedrich aus Hamburg zur Beurteilung vor. Die Preisrichter vergaben jeweils einen ersten, zweiten, dritten und vierten Preis.

Birk und Heilmeyer Architekten aus Stuttgart erhielten den ersten Preis für die „herausragende Qualität“ ihres Entwurfes und den „unspektakulären Umgang mit den funktionalen und gestalterischen Anforderungen“. Zudem spiegele ihre Arbeit, so die Preisrichter, die „Qualitäten einer Grundschule im städtischen Kontext wider“. Die Architekten schlagen Baukörper mit umlaufenden Laubengängen vor, die Schwimmhalle ordnen sie im Untergeschoss an, die Turnhalle im Erdgeschoss. Letzteres unterstütze nach Ansicht der Preisrichter das Profil der Schule. Der Charakter der Fassade im Erdgeschoss sei einladend, bei der Gestaltung des Eingangsbereichs herrsche Optimierungsbedarf ebenso bei den Glasflächen hinsichtlich des geforderten Passivhausstandards.

Offenheit und klare räumliche Gliederung attestierte das Gremium der Arbeit von barkowsky wahrer architekten und sprach dem Kölner Büro den zweiten Peis zu. Städtebaulich vorbildlich füge sich der Baukörper ein, wichtige Sichtachsen blieben erhalten und der Schulhof vergrößere durch seine Orientierung den innerstädtischen Freiraum. Ebenfalls Anklang fanden die inneren Raumqualitäten und das Spiel mit offenen und geschlossenen Fassadenflächen. Die Preisrichter hinterfragten jedoch das Brandschutz- und das Energiekonzept.

Platz drei ging an die Nürnberger Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten für ihren Entwurf eines windmühlenartigen, dreigeschossigen Baukörpers. Dessen Form und die entsprechende Anordnung der Freiflächen bilde eine „klosterähnliche Anlage“, so das Preisgericht. Es würdigte die klare architektonische Haltung, die sich auch in der Fassadenstruktur widerspiegele, bewertete jedoch die Anordnung der Sportstätten im ersten und zweiten Untergeschoss sowie der Verwaltung im ersten Obergeschoss ebenso kritisch wie das Brandschutzkonzept.

Friedrich Poerschke Zwink Architekten und Stadtplaner, die Viertplatzierten aus München schlugen ebenfalls einen dreigeschossigen Baukörper vor, formten diesen jedoch monolithisch aus. Die Arbeit zeichne ein klares architektonisches Konzept und „innerer räumlicher Reichtum“ aus. Diese Klarheit vermissten die Preisrichter bei der Ausgestaltung des Schulbaus und bei dessen Einbindung in den Stadtteil. Hinsichtlich der Barrierefreiheit und des Erreichens des Passivhausstandards äußerten sie Bedenken.

Die Dahlmannschule soll 2013 komplett abgerissen werden. Für den Neubau, der 2015 fertig sein soll, empfahl das Preisgericht die erstplatzierte Arbeit von Birk und Heilmeyer Architekten. In den beiden neuen Schwimmbecken können dann auch wieder die Schüler der Dahlmannschule und anderer Frankfurter Schulen schwimmen lernen und Schwimmvereine ihre Kurse anbieten.