Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Stadtpfarrkirche Fulda

Preisträger

1. Preis: sturm und wartzeck gmbH, Dipperz

€ 3.000

Jörg Sturm
Mitarbeit: Ana Conesa Outeda, Steffen Schultheis, Franziska Witzel

2. Preis: Schönherr + Juli Architekten, Fulda

€ 1.500

Gabriele Schönherr-Juli, Jürgen Juli
Mitarbeit: Kerstin Heim

2. Preis: Planungsbüro Hodes, Fulda

€ 1.500

Michael Hodes
Mitarbeit: Thomas Post

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 15.02.2016
Ort Fulda
Auslober Stadt-Pfarrei St. Simplicis, Faustinus und Beatrix, Fulda
Betreuung Bauabteilung Bischöfliches Generalvikariat, Fulda
Preisrichter Alfred von Soden (Vorsitz), Dr. Burghard Preusler, Stefan Buß

Stadtpfarrkirche wird Citykirche

Umgestaltung des Eingangsbereichs der Stadtpfarrkirche St. Blasius in Fulda

Die Stadtpfarrei St. Blasius in der Fußgängerzone von Fulda soll zu einer „Citykirche“ umgebaut werden. Einer Kirche, die nicht nur Platz für Gottesdienste und Veranstaltungen der Gemeinde bietet, sondern allen Menschen offen steht. Für den erforderlichen Umbau hatte die Stadtpfarrei einen Realisierungswettbewerb mit fünf eingeladenen Architekturbüros ausgelobt. Betreut wurde der Wettbewerb von der Bauabteilung des Bischöflichen Generalvikariats.

Als sichtbares Zeichen für das neue Angebot ist geplant, das Hauptportal der Kirche zukünftig tagsüber zu öffnen. Damit dies nicht die Nutzung einschränkt, soll ein Windfang eingebaut werden, der sich harmonisch in die Kirche einfügt, den Blick auf den Hauptaltar beim Eintreten nicht versperrt und zugleich als Empfangs-, Informations- sowie Begegnungsort dient. Die Anbetung wird vom Hauptraum in die Sakramentskapelle verlegt, um Betenden auch weiterhin ausreichend Ruhe und Abgeschiedenheit zu bieten. Zudem soll ein zusätzlicher Gesprächsraum eingerichtet werden und ein professionelles Beleuchtungssystem die Atmosphäre an die jeweilige Nutzung anpassen. Da die Kirche auch von außen einladender wirken soll, ist geplant, den stark verwitterten Treppenaufgang und das Portal sowie die Türen und Außenbereiche der beiden Seiteneingänge zu restaurieren.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Alfred von Soden, vergab den ersten Preis einstimmig an Sturm und Wartzeck aus Dipperz. Diese schlugen vier quadratische „Aktionsflächen“ vor, die Bezug auf das Kreuzgewölbe des Eingangsbereichs nehmen. Es sollen Kabinette entstehen, die zur Besinnung, zum Lesen und zum gegenseitigen Austausch anregen. Die eigens entworfenen Möbelelemente können je nach Nutzung unterschiedlich platziert werden; das Hauptportal und die Kapelle werden durch halbtransparente Ganzglasanlagen gefasst. Die Preisrichter lobten, dass der Eingangsbereich nicht von der Kirche abgetrennt werde, der Durchblick vom Hauptportal zum Hochaltar gewährleistet und die Bestuhlung variabel sei. Aufeinandergestapelt könne die Bestuhlung zudem als Regal genutzt werden. Auslageflächen seien „ausreichend vorhanden“ und der Gesprächsraum im Turm eingeplant.

Darüber hinaus vergab das Preisgericht, ebenfalls einstimmig, zwei zweite Preise an das Planungsbüro Hodes aus Fulda und die Architekten Schönherr und Juli, ebenfalls aus Fulda. Einen dritten Preis gab es nicht.

Schönherr und Juli schlugen vor, die historische Tür in einem neuen Rahmen, als Bestandteil des Portals, zu installieren. Diese wird nach außen geöffnet, während eine innen liegende Glastür den erforderlichen Witterungsschutz bietet. Der dahinter liegende Eingangsbereich ist zudem vom Kirchenraum und von der Kapelle durch Glasscheiben abgetrennt. Im Eingangsbereich platzierten die Architekten auf beiden Seiten multifunktionale, wandartige Möbel, die Tresen, Vitrine, Stauraum für Tische und Ausstellungssysteme integrieren und vier unterschiedliche Raumszenarien ermöglichen.

Das Planungsbüro Hodes schlug eine fest eingebaute Konche – eine segmentbogenförmig gewölbte Wand – vor, hinter der sich ein neuer Beichtraum als Stahl-Glaskonstruktion befindet. Eine zweite, mobile Konche soll unterschiedliche Raumsituationen – für Versammlungen, Begegnungen, Informationen und Taufen – ermöglichen. Auch in diesem Entwurf wurde die Sakramentskapelle durch eine Glaswand abgetrennt.

Für die weitere Bearbeitung empfahl das Preisgericht, die Verfasser des ersten Preises zu beauftragen.

Kerstin Mindermann