Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

AfE Areal, Frankfurt/Main

Preisträger

Ein Preis: cyrus moser architekten, Frankfurt/Main

€ 31.000

Oliver Cyrus, Andreas Moser
Mitarbeit: Stefan Strigl, Christin Kramer, Margarida Amial, Marian Cichewicz, Yvonne Hubbertz, Boris Kaster, Lidija Kljakovic
Fachberater: Arup Deutschland GmbH, Burkhardt Miehe, Christian Wedi, Francesco Pizzutilo, Frankfurt/Main (TGA/Statik/Fassade/Environmental)
KuBuS freiraumplanung GbR, Ralph Witte, Rudolf Kaufmann, Wetzlar (Landschaftsplaner)

Ein Preis: Büro Ole Scheeren Global Ltd, Wanchai, Hong Kong

€ 31.000

Ole Scheeren
Mitarbeit: Eric Chang, Dan Cheong, Claudia Hertrich, Christine Sohar, Matteo Vergano, Danny Zhang, Chen Shao, Yanyadech Phornphong, Chiara Storino, Chris Yuan, Mehdi Mkinsi, Quentin Yiu, Leonardo Xian
Fachberater: Transsolar Energietechnik GmbH, Stefan Holst, München (Nachhaltigkeit/Klima)
BPK Brandschutzplanung Klingsch GmbH, Prof. Dr. Wolfram Klingsch, Andreas Adams, Frankfurt/Main (Brandschutz)
Grabner + Huber Landschaftsarchitekten, Doris Grabner, Jürgen Huber, Felix Ziegler, Freising (Landschaftsarchitektur)

Ein Preis: Langhof ®, Berlin

€ 31.000

Prof. Christoph Langhof
Mitarbeit: Claudia Quester, Martin Lukac, Lewin Lemke, Fabio Sebastianutti, Tobias Hörning
Fachberater: sbp Schlaich Bergermann Partner, Mike Schlaich, Boris Reyher, Berlin (Tragwerksplanung)
DS-Plan, Martin Lutz, Ralf Buchholz, Stuttgart (Advanced Building Technologies)
KOKULINSKY.HOLSTE.Landschaftsarchitektur, Thore Kokulinsky, Berlin (Landschaftsplanung)

Anerkennung: Coop Himmelb(l)au Wolf D. Prix & Partner ZT GmbH, Wien (A)

€ 10.000

Mitarbeit: Karolin Schmidbaur, Benjamin Schmidt, Shima Roshanzamir, Morteza Farhadian Dehkordi, Jan Rancke, Win Man

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungs- und Ideenwettbewerb im kooperativen Verfahren
Preisgerichtssitzung 28.01.2016
Ort Frankfurt/Main
Auslober T-Rex Grundstücksentwicklungs GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main, mit ABG Frankfurt Holding, Frankfurt/Main, und G & P Therapoda Grundstücksentwicklungs GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Betreuung ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Olaf Cunitz, Martin Hunscher, Prof. Anett-Maud Joppien, Frank Junker, Robert Bambach, Jürgen Groß, Prof. Karl-Heinz Petzinka

„Interessantes Wechselspiel aus offenen und geschlossenen Bereichen“

Neues Gebäudeensemble auf dem „Kulturcampus“ in Frankfurt/Main

Der Campus Bockenheim der Goethe Universität Frankfurt zieht um. Frei wird dadurch ein 16,5 Hektar großes innerstädtisches Gelände, auf dem der sogenannte Kulturcampus – eine Mischung aus Büros, Wohnungen und Kultureinrichtungen – entsteht. Teil davon ist auch ein rund 9.500 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem bis 2014 der AfE-Turm mit den Räumen der Fachbereiche Gesellschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften und Psychologie stand. Nach seiner Sprengung soll das Grundstück nun mit einem 140 Meter hohen Hybridhochhaus, einem weiteren 100 Meter hohen Hochhaus, einem sechsgeschossigen Bürogebäude und einer Kindertagesstätte bebaut werden. Der dafür ausgelobte Wettbewerb bestand aus zwei Realisierungsteilen plus einem Ideenteil und wurde mit zehn eingeladenen Architekturbüros als kooperatives Verfahren durchgeführt.

Gefordert waren individuelle, markante Gebäude – insbesondere die Hochhäuser sollen Wahrzeichen der Frankfurter Skyline werden. Gleichzeitig sollen alle vier Gebäude zusammen ein Ensemble bilden. Die unteren 16 Geschosse des Hybridhochhauses wird ein Hotel nutzen, darüber sind Businessflats und Apartments in unterschiedlichen Größen geplant. Die Grundrisse des Hotels waren bereits vorgegeben und für die oberen Etagen existierten fixe Positionen für die Erschließungskerne, Schächte und Stützen.

Das sechsgeschossige Bürogebäude soll flexibel unterschiedliche Nutzungen ermöglichen – Zellenbüros ebenso wie Teamstrukturen, die Vermietung an einen Nutzer ebenso wie an mehrere – und sich ohne großen baulichen Aufwand an veränderte Anforderungen anpassen lassen. Die bereits vorliegende Tiefgaragenplanung für das Gesamtgelände gab auch hier das Stützenraster sowie die Kernerschließungen aus der Tiefgarage vor. Beide Gebäude waren Bestandteil des ersten Realisierungsteils und sollten mindestens den LEED-Gold-Standard erfüllen.

Die Kindertagesstätte war Gegenstand des zweiten Realisierungsteils. Das Gebäude und seine Außenanlagen müssen eine autarke Einheit bilden, die über eine eigene Erschließung verfügt und nicht unkontrolliert von Dritten betreten werden kann. Die Kindertagesstätte für acht Gruppen ist der kleinste der vier neuen Bauten, dennoch soll sie ein selbstverständliches Mitglied des Ensembles werden und sich gestalterisch überzeugend integrieren.

Der Ideenteil beinhaltete das zweite Hochhaus, in dem innovative Büroflächen angedacht sind. Die städtebaulichen Spielräume sollten überprüft und Vorschläge zu einer gegliederten Fassade mit Balkonen und Loggien, die einen passiven Sonnenschutz bieten, gemacht werden.

Das Preisgericht, unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali, beurteilte die Entwürfe in ihrer Gesamtheit, prüfte die einzelnen Gebäude aber auch daraufhin, ob sie zusammen mit Teilen der anderen Entwürfe „einen Beitrag leisten können“. Abschließend entschied es, keine Aufteilung der Preissumme auf die einzelnen Realisierungsteile sowie den Ideenteil vorzunehmen, sondern jeweils das Gesamtkonzept auszuzeichnen.

Die Preisrichter beschlossen einstimmig, die drei Arbeiten von cyrus moser architekten aus Frankfurt/Main, von Langhof aus Berlin und vom Büro Ole Scheeren Global Ltd. aus Wanchai/Hong Kong mit gleichrangigen Preisen auszuzeichnen. Sie hielten fest, dass alle drei Arbeiten „je spezifische Stärken sowie auch Schwächen aufweisen und nicht abschließend zu klären ist, wie ggfs. verschiedene Verfasser in den unterschiedlichen Teilbereichen mit der Umsetzung der Aufgabe betraut werden könnten“. Die Preisrichter empfahlen daher einstimmig, die drei Büros zu einer Überarbeitung ihrer Entwürfe in einem gemeinsamen Workshop aufzufordern. Dabei sollten die, in der Beurteilung genannten Kritikpunkte sowie weitere Anforderungen vonseiten der Auslober berücksichtigt werden. Ziel der Überarbeitung sollte zudem sein, die Potenziale einer eventuellen Kooperation bei der Umsetzung auszuloten.

Die Preisrichter entschieden einstimmig, den Wettbewerb abzuschließen. Die endgültige Entscheidung über die Umsetzung sollte von den Auslobern unter Einbeziehung der Stadt Frankfurt und unter beratender Mitwirkung von Preisrichtern und Sachverständigen getroffen werden.

Die Arbeit von cyrus moser architekten lobten die Preisrichter für ihre „hohe städtebauliche und gestalterische Qualität“. Die „modulare Haltung des Konzeptes“ stärke die „beabsichtigte Ensemblewirkung“ ebenso wie „die funktionale Differenzierung“ und führe zu einer „vielfältigen Vernetzung mit dem städtischen Kontext“. Die zu erwartende Scharnierwirkung trage zudem „mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Belebung des Quartiers bei“. Die Fassaden wirkten „solide durchgearbeitet“ und zeigten „ein interessantes Wechselspiel aus offenen und geschlossenen Bereichen“, und das Bürogebäude sei „funktional gut organisiert“, so die Preisrichter weiter. Die Sockelzonen des Hybridhochhauses und der Kindertagesstätte würden zwar verschmelzen, den Verfassern gelinge es jedoch, „den eigenen Charakter der Tagesstätte erkennbar zu machen“. „Die Setzung des kleineren Hochhauses mit seiner Adressierung und gleichzeitigen Durchlässigkeit“ sei zudem „insgesamt überzeugend“. Die Arbeit leiste „in ihrer Gesamtheit und in ihren einzelnen Teilen einen wertvollen Beitrag für die gestellte Aufgabe“, so das Fazit des Preisgerichts.

Auf die „positive städtebauliche Grunddisposition“ wies das Preisgericht beim Entwurf des Büros Ole Scheeren hin. Diese erreiche „eine gute Vernetzung des neuen Ensembles mit dem benachbarten Quartier“ und das Erscheinungsbild des Ensembles schaffe „einen unverwechselbaren Ort“. Die skulpturale Erscheinung der einzelnen Gebäude sei zudem „sehr wertvoll bei der Diskussion über die zukünftige Entwicklung des Gebietes“. Der Entwurf zeige eine deutliche Auseinandersetzung mit dem städtischen Kontext und schaffe „einen eigenen Genius Loci sowie eine eindeutige Adressierung“, betonten die Preisrichter. Besonders die sich an allen Gebäudeteilen wiederholenden Schrägen trügen „zur Zeichenhaftigkeit“ bei, ebenso wie die „stark perforierten Fassaden“. Die Skybar sei als architektonisches Element „markant“ und gebe dem Ensemble „eine hohe Signifikanz“. Auch die separate Kindertagesstätte sei „gelungen“ und die Konstruktion in Massiv- und Holzbauweise „nachvollziehbar“. Insgesamt habe der Entwurf „Kraft und Stärke“ und könne sich „im Umfeld des städtischen Raums sowohl als Ganzes behaupten, als auch in Teilen überzeugend einfügen“, so das Fazit der Preisrichter.

Die Arbeit von Langhof zeige eine „Vielfalt in der Einheit, was dem Ensemblecharakter und dem Wunsch nach eigener Identität der Akteure ausdrücklich Rechnung trägt“, so das Preisgericht. „Die Einheiten sind differenziert ausformuliert und klar ablesbar“ und „die Taillierung des zweiten Hochhauses aus Windgesichtspunkten nachvollziehbar“. Das Außenanlagenkonzept besitze „eine städtische Anmutung mit einem ausgewogenen Maß an Grün“ und das Shared Space-Konzept biete „einen interessanten Ansatz“, betonten die Preisrichter. Die Grundrisse der Businessflats seien „gut durchgearbeitet“ und versprächen aus Nutzersicht „eine individuelle Aufenthaltsqualität“ und Flexibilität. Die Balkone und Loggien wirkten „nicht zuletzt aus windgutachterlicher Perspektive positiv, sowohl auf den Windkomfort im öffentlichen Bereich des Erdgeschosses als auch auf den Balkonen und Loggien selbst“. Die Arbeit leiste „in ihrer Gesamtheit und in ihren einzelnen Teilen einen wertvollen Beitrag für die gestellte Aufgabe“, so das Resümee des Preisgerichts. 

Nach Beendigung des Überarbeitungsworkshops wurde der Entwurf von cyrus moser architekten mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das Büro Ole Scheeren erhielt den zweiten Preis und Langhof den dritten. Zudem hatte das Preisgericht in seiner Sitzung bereits die Arbeit von COOP HIMMELB(L)AU Wolf D. Prix & Partner ZT GmbH aus Wien mit einer Anerkennung ausgezeichnet.

Ausgelobt wurde der Wettbewerb von der T-Rex Grundstücksentwicklungs GmbH & Co. KG, der ABG FRANKFURT HOLDING und der G & P Therapoda Grundstücksentwicklungs GmbH & Co. KG. Betreut hat das Verfahren ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel.

Kerstin Mindermann