Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Deutsche Bank Areal Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: UNStudio, Amsterdam (NL)

Bearbeitungshonorar € 10.000

Prof. Ben van Berkel, Christian Veddeler
Mitarbeit: Philip Meise, Jesse Zweers

2. Preis: Max Dudler, Berlin

Bearbeitungshonorar € 10.000

Max Dudler
Mitarbeit: Anete Bajrami, Ayshin Soydan, Greta Egle, Hanns Malte Meyer
Fachberater: Atelier Loidl, Berlin (Landschaftsplanung)
LAP Ingenieure, Leonhardt Andrä & Partner, Berlin (Tragwerksplanung)
Mitarbeit: Herr Scheidtmann

Anerkennung: raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbh, Frankfurt/Main

Bearbeitungshonorar € 10.000

Thorsten Wagner, Jon Prengel, Sonja Moers
Mitarbeit: Christoph Packhieser, Benedikt Schneemann, Yui Ohtsuka, Hien Quy Huynh
Fachberater: Man Made Land, Alexandre Mellier, Christian Bohne, Berlin (Landschaftsplaner)
Sonderfachleute: Ifes Köln, Bastian Stahra, Köln (Windkomfort)
gs-Shopping Center Consulting + Design, Gisela Simon, Hamburg (Retail)

Anerkennung: 3XN A / S, Kopenhagen (DK)

Bearbeitungshonorar € 10.000

Jan Ammundsen, Jeanette Hansen, Kim Herforth Nielsen
Mitarbeit: Maria Tkacova, Andrea Baresi, Sang Yeun Lee, Rebekah Tien, Lola Rieger

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger, städtebaulicher Ideenwettbewerb im kooperativen Verfahren
Preisgerichtssitzung 09.03.2016
Ort Frankfurt/Main
Auslober Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Dörte Gatermann (Vorsitz), Olaf Cunitz, Jürgen Engel, Jürgen Groß, Martin Hunscher, Kaspar Kraemer, Peter Matteo, Prof. Karl-Heinz Petzinka

Holländische Leichtigkeit und klassische Orthogonalität

Wettbewerb Deutsche Bank-Areal in Frankfurt

Das ehemalige Areal der Deutschen Bank in Frankfurt soll mit einem Nutzungsmix aus Wohnungen, Hotel, Büros, Einzelhandel, Gastronomie und einer Kindertagesstätte neu bebaut werden. Das rund 16.000 Quadratmeter große Gebiet liegt im Bankenviertel an der Grenze zum Einzelhandelsbereich der Innenstadt. Eine Machbarkeitsstudie hatte ergeben, dass eine Bebauung mit bis zu vier Hochhäusern möglich ist. Aufgabe des ausgelobten städtebaulichen Ideenwettbewerbs war es, dies zu konkretisieren und zu überprüfen, ob eine Erhöhung der derzeit vorgesehenen Geschossfläche von 155.000 Quadratmeter um rund 60.000 Quadratmeter möglich ist. Das neue Quartier soll durch neue Passagen und Querungen geöffnet und durch publikumsintensive Erdgeschossnutzungen belebt werden. Das Ergebnis des Wettbewerbs wird die Grundlage für eine entsprechende anschließende Änderung des Bebauungsplanes bilden.

Derzeit stehen auf dem Areal sieben Gebäude, von denen vier abgerissen werden können. Die restlichen drei entlang der Junghofstraße sind denkmalgeschützt: Das Eckgebäude aus dem Jahr 1904 wird die Deutsche Bank auch in Zukunft weiter nutzen, bei den beiden anderen müssen insbesondere die Fassaden und das Foyer aus den 1950er Jahren erhalten werden. Zum Wettbewerb eingeladen waren zehn Architekturbüros, betreut wurde er von ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dörte Gatermann vergab einen ersten Preis an UNStudio aus Amsterdam, einen zweiten Preis an Max Dudler aus Berlin und zwei Anerkennungen an raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH aus Frankfurt/Main und 3XN A/S aus Kopenhagen.

UNStudio schlugen hexagonale Baukörper vor, die wie Windmühlenflügel angeordnet sind. Damit erzeugten sie „eine selbstverständliche Leichtigkeit“ und böten „ein hohes Maß an Belichtung und Blickbeziehungen“, so das Urteil des Preisgerichts. Es sei die einzige Arbeit, die zeige, „dass Sockel und aufgehende Bauwerke unterschiedlich sein können und sich dennoch bedingen“. Lage und Proportionen der Durchgänge seien zudem „qualitätsvoll und präzise ausgearbeitet“, sie nähmen „Bezug auf die Tangenten des städtebaulichen Kontextes“ und auch die weit in die Neue Schlesingergasse zurückgesetzte Hotelvorfahrt sei „ein überzeugendes Alleinstellungsmerkmal, das sicherlich zur Belebung des Straßenraumes beitragen wird“. Der Entwurf weise mit der Staffelung der Gebäude und seiner städtebaulichen Dichte „eine verträgliche Feinjustierung und Weiterentwicklung der Machbarkeitsstudie nach, die robust genug ist, um die städtebauliche Basis für die folgende Konkretisierung zu bilden“, so die Preisrichter. Aus Nutzersicht ermögliche „der ‚footprint’ der Türme“ zudem „gute Raumqualitäten“, insbesondere bei den Büros. Die Arbeit stelle „eine ganzheitliche Lösung dar, die eine robuste städtebauliche Komposition anbietet und in abstrahierter Form mit gewissen Spielräumen eine gute Basis für – durchaus auch unterschiedliche -  Architektur bietet“, so das Fazit des Preisgerichts.

Der Entwurf von Max Dudler besteche dagegen durch „seine klassisch anmutende Zeitlosigkeit, die sich aus der Auseinandersetzung mit dem Baubestand ableitet und in der Orthogonalität der ‚footprints‘ sowie der Fassadengestaltung konsequent fortsetzt, zugleich aber Besonderheiten aufweist“. „Dieses Weiterbauen des Bestandes und das wie selbstverständliche Setzen der einzelnen Bausteine machen guten Städtebau aus“, so das Preisgericht. Die vier Türme ständen „luftig da“, bekämen „an wesentlichen Punkten Bodenanschluss“ und „ihre Setzung ermöglicht eine unproblematische abschnittsweise Realisierung“. Der Entwurf orientiere sich „an Camillo Sittes Prinzip von Enge und Weite“, Sockel und Türme bildeten „eine starke Einheit“, die Verteilung der Nutzungen, ihre Ausrichtungen und Adressierung seien „präzise“ und die zweigeschossigen Arkaden gäben dem öffentlichen Raum „ein großstädtisches Element“. Aus Sicht der Denkmalpflege biete der Entwurf zudem eine „überzeugende Auseinandersetzung mit dem Baubestand“. „Mit seiner präzisen städtebaulichen Setzung stellt der Entwurf einen wertvollen Beitrag zur Diskussion dar“, betonten die Preisrichter.

Einstimmig empfahl das Preisgericht dem Auslober, der Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit zur Grundlage der weiteren Bearbeitung zu machen und gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt dafür zu sorgen, dass die wesentlichen Elemente der städtebaulichen Komposition in abstrakterer, vereinfachter Form im Bebauungsplan ihren Niederschlag finden.

Nach der Anpassung des Bebauungsplans soll für die Hochbauplanung ein Realisierungswettbewerb nach RPW oder eine nach HOAI honorierte Mehrfachbeauftragung erfolgen. Der Auslober beabsichtigt, alle Wettbewerbsteilnehmer des Ideenwettbewerbs dabei einzubeziehen und darüber hinaus bis zu zehn weitere Teilnehmer direkt zu benennen.

Kerstin Mindermann