Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Opernplatz 2, Frankfurt/Main

Preisträger

2. Preis: Prof. Gerd Jäger, Berlin

€ 35.000

Mitarbeit: Javier Garcia, Anders Beyer, Tchavdar Todorov, Daniel Sebastian Pape, Simon Kolbe
Fachberater: CRP Bauingenieure GmbH, Anke Schäcke, Berlin (Brandschutz)

2. Preis: Staab Architekten GmbH, Berlin

€ 35.000

Prof. Volker Staab
Mitarbeit: Petra Wäldle, Simon Banakar, Sönke Retaike, Roberto Zitelli, Jannis Petereit
Fachberater: Levin Mosigny Landschaftsarchitekten GmbH, Nicolai Levin, Berlin

3. Preis: Markus Allmann, Amandus Sattler, Ludwig Wappner, München

€ 20.000

Mitarbeit: Alexandra Wagner (Leitung Wettbewerbe), Pavel Shcherbakov (Projektleitung), Simon Kochhan, Gabrijela Mijic, David Selje, Taimur El Khorazary, Hristina Mladenova
Fachberater: MAN MADE LAND Bohne Lundquist Mellier GbR, Berlin (Landschaft)
KNIPPERS HELBIG Advanced Engineering, Stuttgart (Tragwerk)
TRANSSOLAR ENERGIETECHNIK GmbH, München (Gebäudetechnik)
ArtefactoryLAP, Paris (Visualisierung)

Anerkennung: Ferdinand Heide, Frankfurt/Main

€ 10.000

Mitarbeit: Sandrina Schliemann
Fachberater: Hilla Sachverständigenbüro für vorbeugenden Brandschutz, Frankfurt/Main

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 14.01.2016
Ort Frankfurt/Main
Auslober Allianz Real Estate Germany GmbH, Frankfurt/Main
Betreuung ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Prof. Fritz Auer, Helmut Erzgräber-Lamm, Olaf Cunitz, Martin Hunscher, Sabine Kühne-Manner, Annette Kröger, Dieter von Lüpke, Jórunn Ragnarsdóttir, Lothar Scharpe, Nils Schalk

Schwierige Bedingungen

Realisierungswettbewerb „Opernplatz 2, Frankfurt am Main“

Rund um die Alte Oper in Frankfurt wird seit Jahren gebaut. Nun plant auch die Allianz Lebensversicherungs AG, ihr direkt am Opernplatz gelegenes Bürogebäude aus den 1950er Jahren abzureißen und durch ein neues Büro- und Geschäftshaus zu ersetzen. Der dafür ausgelobte Planungswettbewerb mit zehn eingeladenen Architekturbüros zeigte, dass das Neubauvorhaben eine durchaus komplexe Aufgabe darstellt. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali verzichtete einstimmig auf die Vergabe eines ersten Preises und zeichnete stattdessen die Entwürfe von be Berlin und Staab Architekten, ebenfalls aus Berlin, beide mit einem zweiten Preis aus. Einen dritten Preis erhielten Allmann Sattler Wappner aus München und eine Anerkennung Ferdinand Heide aus Frankfurt am Main. Der Ausloberin empfahlen die Preisrichter, die Verfasser der beiden zweiten Preise mit der Überarbeitung ihrer Entwürfe zu beauftragen, wobei die in der Beurteilung genannten Kritikpunkte sowie weitere Anforderungen vonseiten des Auslobers berücksichtigt werden sollten.

Das Wettbewerbsgrundstück liegt am westlichen Rand der Frankfurter City zwischen der viel befahrenen „Neuen Mainzer Straße“ und den Grünflächen der Taunusanlage und grenzt im Norden an den Opernplatz. Neben diesen unterschiedlichen städtebaulichen Situationen erfordert die Lage, dass sowohl die Büroeingänge und Schaufenster, aber auch die Auto- und Lieferzufahrten an der Front zur „Neuen Mainzer Straße“ liegen müssen.

Den Entwurf von Prof. Gerd Jäger lobten die Preisrichter insbesondere für seine „ausdrucksstarke Wirkung“, den „eigenständigen, unverwechselbaren Auftritt“ sowie die „behutsame Einfügung in das sensible bauliche Umfeld der Alten Oper“. Die „räumlich differenzierten Vor- und Rücksprünge“ führten zu einer „städtebaulich guten Einbindung, die auf die Körnigkeit der Umgebung reagiert“. Der Baukörper bilde „eine Skulptur, die eine gewisse Bescheidenheit ausstrahlt“ und deren Fassade aus hellem Sandstein „an dieser Stelle gut vorstellbar“ sei. Die Erdgeschossnutzungen auf der Nord- und Südseite seien darüber hinaus „funktional sehr wohltuend und stadtraumbezogen organisiert“, die leicht geschwungene Fassade an der Ecke Goethe-/Neue Mainzer Straße verleihe dem Gebäude „eine zusätzliche Dynamik“ und der zentrale Eingang an der Mainzer Landstraße verfüge über eine „attraktive Lobby“, wie die Preisrichter betonten. Auch die Grundrisse überzeugten sie: Die Bürogeschosse seien über die beiden Erschließungskerne „gut organisierbar“ und die Dachterrassen „äußerst attraktiv und richtig angeordnet“, zudem ergänzten diese die Büronutzung im Staffelgeschoss um „ein hochwertiges Angebot“.

Staab Architekten schlugen einen zur „Neuen Mainzer Straße“ sechsgeschossigen und zur Wallanlage achtgeschossigen Baukörper vor. Durch die Höhenstaffelung gelinge ihnen „eine überraschend einfache Gebäudefigur“, die allseitig „auf die unterschiedlichen städtebaulichen Situationen positiv“ reagiere, führten die Preisrichter aus. Zudem lobten sie den „klar gegliederten Baukörper“ und die „elegant und lebendig“ erscheinende Fassade. Die „robuste Außenhaut“ verschmelze mit „der zarten Umrahmung der Fensterelemente“ und schaffe dadurch „eine hohe Plastizität sowie ein interessantes, zeitloses Erscheinungsbild“. Die Grundrisse seien „mit großer Sorgfalt durchgearbeitet“, die Büroerschließung „logisch“ und die „Flexibilität der Büroebenen mit einer Aufteilung bis zu vier Einheiten gegeben“. Insgesamt zeichne sich der Entwurf durch seine „hohe städtebauliche und architektonische Qualität“ aus. Er sei „dem Ort angemessen und präzise in die Stadt eingefügt, ohne in Konkurrenz zur herausragenden Lage der Alten Oper zu treten“, so das Fazit der Preisrichter.

Allmann Sattler Wappner schlugen eine allseitig offene Skelettstruktur vor, hinter der der eigentliche, transparente Raumabschluss zurücktritt. „Daraus resultiert ein Erscheinungsbild, das sich weniger auf die steinerne Stadt im Westen bezieht, sondern Teil des Grünraums der Wallanlage sein will und in keinerlei Konkurrenz zu den Bauten im umgebenden Stadtraum tritt“, urteilte das Preisgericht. Das in den Obergeschossen angelegte Organisationskonzept biete mit seinem „konzentrierten inneren Erschließungskern“ die Möglichkeit, die Gesamtfläche in vier gleichwertige Bürobereiche aufzuteilen. Insgesamt handle es sich um „einen gelungenen, qualitätvollen Beitrag, der durch sein offenes und einladendes Erscheinungsbild überrascht“, so die Preisrichter.

Das Preisgericht beschloss einstimmig, den Wettbewerb abzuschließen, die Anonymität aufzuheben und die Überarbeitungsphase im Dialog mit den Verfassern durchzuführen. Für die Überarbeitungsphase empfahl es, das städtebauliche Potenzial für eine Verlängerung der Baukörper nach Süden, bis in die Flucht der “Neue Rothoffstraße“, zu prüfen. Auf eine Verlängerung nach Norden sollte verzichtet werden. Die endgültige Entscheidung, welcher der beiden Entwürfe zur Umsetzung kommt, wird der Auslober in Abstimmung mit der Stadt Frankfurt und unter Einbeziehung der Beratung durch den Preisgerichtsvorsitzenden sowie ggf. weiterer Fachpreisrichter, nach Abschluss der Überarbeitungsphase vornehmen. Betreut wurde der Wettbewerb von ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel.

Kerstin Mindermann