Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Sanierung Kreishaus Landkreis Darmstadt - Dieburg

Preisträger

1. Preis: Bolwin Wulf Architekten Partnerschaft, Berlin

€ 16.500

Thomas Bolwin, Hans-Peter Wulf

Mitarbeit: André Rische, Astrid Skog

Fachberater: BWE Ingenieurgesellschaft mhb, Mittenwalde bei Berlin (Haustechnik)

Bauphysik@Integrierte Planung (Bauphysik)

Ökotec Sachverständige (Brandschutz)

3. Preis: hms Architekten, Ludwigsburg

€ 8.500

Anita Hidvégi, Alexander Mayer-Steudte

Mitarbeit: Nelly Jeske

Fachberater: Energieberatung Th. Baumgartner + Partner AG, Dübendorf (CH)

3. Preis: Dierks Blume Nasedy Architekten, Darmstadt

€ 8.500

Christian Nasedy, Jörg Blume

Mitarbeit: Verena Henne, Xiaoying Hu, Aylin Güllüoglu, Henning Munzel

Anerkennung: Hoechstetter und Partner Architekten, Darmstadt

€ 4.000

Prof. Rolf Hoechstetter, Rainer Siegel

Mitarbeit: Jörg Deffner, Bruno Johannbroer

Anerkennung: Ramona Buxbaum, Darmstadt

€ 4.000

Mitarbeit: Nadine Ressel, Melanie Urstöger, Jens Beck, Lena Henschel

Fachberater: Götte Landschaftsarchitekten GmbH, Rald Habermann, Frankfurt am Main

Mitarbeit: Jan Lohde

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 10.01.2012
Ort Dieburg
Auslober Da-Di-Werk Gebäudemanagement, Darmstadt
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Anett-Maud Joppien (Vorsitz), Prof. Jürgen Werner Braun, Prof. Zvonko Turkali, Holger Gehbauer, Klaus Peter Schellhaas, Dr. Werner Thomas, Herr Grimm

„Raffinierte Lösungen“

Sanierung des Kreishauses Dieburg
Das Kreishaus Dieburg ist neben dem Standort Darmstadt-Kranichstein der zweite Sitz der Kreisverwaltung Darmstadt-Dieburg. Der Gebäudekomplex liegt zentral in der Nähe des Marktplatzes und des Schlosses Fechenbach und besteht aus vier Gebäudeteilen, die 1908, 1960 sowie 1985 errichtet wurden. Der nun durchgeführte Wettbewerb bezog sich vor allem auf das in der 1960 Jahren errichtete sechsgeschossige Verwaltungsgebäude und den ebenso alten Verbindungsbau. Hauptaugenmerk lag auf der Sanierung der Fassaden, gefordert waren aber auch Vorschläge zur Neuorganisation des Haupteingangs und des Dachgeschosses. Weiterhin erwartete der auslobende Landkreis Darmstadt-Dieburg prinzipielle Lösungsvorschläge zur Organisation der Grundrisse der Bürogeschosse sowie ein grundsätzliches Energiekonzept. Den nicht-offenen europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb betreute die Darmstädter Stadt.Bau.Plan GmbH.
Der erste Preis ging einstimmig an die Berliner Bolwin Wulf Architekten Partnerschaft. Diese überzeugte das Preisgericht durch eine „einfache und ruhige Architektur“ sowie „einfache und gleichermaßen raffinierte Lösungen“. Die Preisrichter lobten die „transparente Gestaltung“ und „einladende Geste“ des Eingangs, die eine „eindeutige Adresse im Außenraum“ definierten. Ein über die gesamte Breite auskragendes Dach im zweiten Obergeschoss des Verbindungsbaus nimmt die Bauflucht des historischen Amtsgebäudes auf. Positiv bewerteten die Preisrichter die Öffnung in Richtung des Schlossinnenhofes sowie die „architektonische Haltung“ in der Gestaltung der Fassade, die von Offenheit und Transparenz geprägt sei und konsequent in der inneren Organisation des Hauses umgesetzt werde. Die publikumsintensiven Bereiche seien übersichtlich angeordnet und die geringfügige Erweiterung im Erdgeschoss ermögliche eine sinnvolle Trennung zwischen öffentlich intensiver genutzten Bereichen und den Büros. In der Fassade übernehmen Bolwin Wulf Architekten die horizontale Gestaltung des Bestandes, reduzieren dabei die bestehende Brüstungshöhe in den Büroräumen und optimieren so die Tageslichtausnutzung.
Einen der beiden dritten Preise vergab das Preisgericht an Dierks Blume Nasedy Architekten aus Darmstadt. Diese lösen den Zwischenbau zugunsten einer transparenten Fassade nahezu auf, ein neuer Aufzugsturm soll die vertikale Erschließung gewährleisten. Der Entwurf konzentriert alle öffentlichen Bereiche auf das Verwaltungsgebäude. Die Preisrichter würdigten hier die „klaren Strukturen“ und das „hohe Maß an Flexibilität der Bürogeschosse“. Natursteinlaibungen heben die Fensterbänder leicht hervor. Unter den drei Preisträgern nähme der Entwurf am ehesten die vorhandene Fassadenstruktur auf, so das Preisgericht. Insgesamt sei der Umgang mit den Bestandsbauten sensibel, jedoch fehle eine „gewisse Frische“ und „zeitgemäße Artikulierung“. Zudem bewerteten die Preisrichter den Verzicht auf den nördlichen Eingang ebenso kritisch wie die entstehende Konkurrenz zwischen dem neuen Aufzugsturm und der bestehenden historischen Turmanlage.
Ebenfalls einen dritten Preis erhielten die Ludwigsburger hms Architekten, die mit einer „konsequenten Schaffung eines ebenen, breiten neuen Zugangs aus dem Straßenraum“ heraus „überraschten“. Eine langsam ansteigende Geländerampe führt von Süden her in das Emporengeschoss des neuen Verbindungsgebäudes. Die Preisrichter lobten die so erreichte „hohe Innenraumqualität des zweigeschossigen Foyers auf sparsamer Gebäudefläche“. Die Architekten legen auf der Ostseite des Verwaltungsgebäudes das Untergeschoss frei und wiederholen hier die Fassadengestaltung aus den Obergeschossen. Die so mögliche, räumliche innere Erweiterung bewertete das Preisgericht positiv. Die fehlende gestalterische Ausprägung als Sockelgeschoss und das so entstehende siebengeschossige Erscheinungsbild des Gebäudes wurde aus denkmalpflegerischer Sicht jedoch problematisch gesehen. Die neue Fassade aus umgekehrten L-Profilen, zu horizontalen Bändern zusammengefasst und aufgelockert mit alternierenden senkrechten Stelen, führe zu einer „neuen, frischen Erscheinung“, so das Preisgericht.
Mit der Vergabe eines ersten Preises sowie zweier dritter Preise, gab das Preisgericht unter dem Vorsitz von Professor Annett-Maud Joppien (Frankfurt am Main) ein eindeutiges Votum für ihren Favoriten ab. Aber erst das anschließende Verhandlungsverfahren wird klären, welcher der Preisträger den Zuschlag für die Realisierung erhält.

Katja Klenz