Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Entwicklungsneubau Universitätsbibliothek und Universitätsarchiv der Justus-Liebig-Universität, Gießen, Campus Kultur- und Geisteswissenschaften

Preisträger

1. Preis: Max Dudler, Berlin

€ 75.000

Max Dudler
Mitarbeit: Jochen Soydan, Björn Werner, Marina Goncalves, Miguel De Castro, Greta Egle
Fachberater: ZWP Ingenieur-AG, Niederlassung Berlin (Haustechnik)
HHP Berlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (Brandschutz)
Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG, Niederlassung Berlin (Tragwerk)

2. Preis: h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 60.000

Martin Gessert, Albrecht Randecker
Mitarbeit: Thortsen Ruppe, Lucas Ziegler, Khea Trau, Jia Bei He, Felix Halder, Mathias Aiple
Fachberater: Schreiber Ingenieure Gebäudetechnik GmbH, Ulm

3. Preis: Piero Bruno (Bruno Fioretti Marquez Architekten), Berlin

€ 35.000

Piero Bruno
Mitarbeit: Lion Schreiber
Fachberater: ifb frohloff staffa kühl ecker, Henning Ecker, Berlin (Tragwerkplanung)
Büro Stanek, Peter Stanek, Berlin (Brandschutz)

4. Preis: ATELIER 30 Architekten GmbH, Kassel

€ 25.000

Thomas Fischer, Ole Creutzig

5. Preis: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Dresden

€ 16.000

Thomas Heinle
Mitarbeit: Elke Szczesny, Eduard Luque, Marc Ulrich, Florian Langer, Peter Zschornak
Fachberater: Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG, Dresden
INNIUS DÖ GmbH, Dresden
Bauphysik@integrierte Planung, Kai Rentrop, Dresden
Ingenieurbüro Heilmann, Pirna (Brandschutz)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener hochbaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 23.03.2016
Ort Gießen
Auslober Land Hessen
Betreuung büro luchterhandt, stadtplanung.stadtforschung.stadtreisen, Hamburg
Preisrichter Jórunn Ragnarsdóttir (Vorsitz), Prof. Dr. Michael Koch, Prof. Marcel Meili, Prof. Meinrad Morger, Susanne Wartzeck, Reinhard-Gabriel Bouley, Raphael Kückmann, Thorsten Schmidt, Guido Brennert, Dr. Peter Reuter, Susanne Kraus, Thomas Platte, Gerda Weigl-Greilich

Neue Zentralbibliothek in zwei Schritten

Neubau der Zentralbibliothek der Justus-Liebig-Universität in Gießen

An der Justus-Liebig-Universität Gießen sollen die derzeit auf zwei Areale verteilten Einrichtungen der kultur- und geisteswissenschaftlichen Fächer zusammengefasst werden. Ferdinand Heide Architekt und TOPOS Landschaftsplanung haben dafür einen städtebaulichen Masterplan entwickelt, der in den kommenden Jahren sukzessive während des laufenden Betriebs umgesetzt werden soll. Einer der ersten großen Bausteine wird die neue Zentralbibliothek direkt am neuen, zentralen Campusplatz sein. Für die Hochbauplanung hatte das Land Hessen einen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt, betreut wurde er von dem büro luchterhandt stadtplaner architekten landschaftsarchitekten aus Hamburg.

Geplant ist, die neue Zentralbibliothek in zwei Bauabschnitten zu realisieren: Im ersten soll ein Neubau die sieben derzeit auf dem Campus verteilten Fach- und Zweigbibliotheken an einem Ort zusammenführen und das Studentenwerk mit angeschlossenem Café aufnehmen. In einigen Jahren soll dann ein Ergänzungsbau die derzeitige Bibliothek ersetzen. Aufgabe des Wettbewerbs war es, darzustellen, wie die Arbeits- und Nutzungsbereiche in den zwei Bauabschnitten organisiert werden können, damit in jedem Abschnitt ein funktionaler und komfortabler Bibliotheksbetrieb möglich ist.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Jórunn Ragnarsdóttir vergab fünf Preise und zwei Anerkennungen. Der erste Preis ging an Max Dudler aus Berlin. Dem Gewinner gelang es nach Auffassung des Preisgerichts „hervorragend, die hohen Anforderungen an einen zukunftsweisenden Bibliotheksbau in eine einzigartige Architektur zu übersetzen“. Das innere Gefüge der Bibliothek mit seinen öffentlichen, kontrolliert-öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereichen sei „herausragend durchgearbeitet“ und es werde „eine klare wie elegante Adresswirkung am neuen Campusplatz geschaffen“. Das Konzept sieht einen gerasterten Grundriss vor, der von einem System unterschiedlich genutzter Kerne gegliedert wird. Diese „intelligente Struktur“ schaffe „Ordnung und Orientierung“, sie ermögliche zudem eine „langfristige, flexible Veränderbarkeit“ und es entstünden „unverwechselbare Lernorte mit hoher Identifikation“, lobten die Preisrichter. Die Treppe leite die Nutzer ausgehend vom „lichtdurchfluteten Foyer“ kaskadenartig durch das Gebäude. Der Verbindungsgang zur Bestandsbibliothek sei „geschickt“ gelegt und eine „reibungslose Realisierung“ des zweiten Bauabschnitts gegeben. Der Beitrag zeige „eine sichere, feine baukünstlerische Handschrift“ und habe „die Kraft, dem Ort eine unverwechselbare Aura zu verleihen“, so das Fazit der Preisrichter.

Die Zweitplatzierten, h4a Gessert + Randecker Generalplaner aus Stuttgart, fassten in der Fassadengestaltung das Erd- und 1. Obergeschoss sowie das 2. und 3. Obergeschoss optisch zusammen und verdeckten mit der Attika die Technik im 4. Obergeschoss. Sie erzeugten so „eine unaufgeregte Fassade“. Der zweigeschossige Eingangsbereich sowie die zweigeschossige Loggia vermittelten eine „selbstverständliche Großzügigkeit“, hoben die Preisrichter hervor. Auch das auf der gesamten Breite zum Campusplatz durch den Bibliothekseingang, das Foyer und das Café belebte Erdgeschoss fand ihre Zustimmung. Im Inneren bildet eine Treppenrotunde einen zentralen Lounge- und Arbeitsbereich. Die Preisrichter lobten das „Potenzial“ dieses Bereichs, das „ausbalancierte“ Verhältnis von Regal- zu Frei- bzw. Arbeitsflächen sowie „die klare Struktur und Zonierung des Gebäudes“, die „eine leichte Orientierung ermöglicht“. Auch die „variantenreich und funktional gut verorteten Leseplätze“ und die „großzügig und einladend gestaltete Eingangssituation“ überzeugten.

Der Entwurf von Bruno Fioretti Marquez Architekten aus Berlin wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Ins Zentrum ihrer Bibliothek stellten sie eine Skulptur aus geschlossenen, zueinander verschobenen Holzkörpern, in denen sich die Magazinfunktionen befinden. Die Regale mit den frei zugänglichen Büchern, die Lesebereiche, Gruppenarbeitsplätze und Büros sind entlang der Fassaden – teils auf Galerien, teils in geschlossenen Räumen – angeordnet. Im verbleibenden Luftraum liegt die Treppenanlage, die sich um den hölzernen Kern in die Höhe schiebt. Die Raumtopografie sei „komplex“, der Innenraum „fein kalibriert“, die Funktionsgruppen dennoch „übersichtlich angeordnet“ und die von Holz und Beton geprägte Fassade verleihe dem Bau „eine ruhige Gelassenheit“, urteilte das Preisgericht. Insgesamt handele es sich um eine „weit entwickelte Arbeit, deren (...) räumlicher Aufbau (...) den Reichtum der verschiedenen Gebrauchsformen einer Bibliothek auf inspirierende Art und Weise in ein dreidimensionales Gebilde umwandelt“, so das Fazit der Preisrichter.

Ihr Entwurf orientiere sich „in sehr angemessener Weise zum Campus“, bescheinigte das Preisgericht den Viertplatzierten, Atelier 30 Architekten aus Kassel. Das Foyer und das Café seien „gut proportioniert“ und der Besucher werde „direkt und ganz selbstverständlich“, entlang einer „großzügigen Thekenanlage“ zur zentralen Treppe geführt. Diese bilde den zentralen Treff- und Kommunikationspunkt mit einem Loungebereich am Austritt im 1. Obergeschoss. Um diesen Licht- und Erschließungsraum seien die Funktionsbereiche „übersichtlich und sehr strukturiert“ organisiert, insbesondere die Lern- und Kommunikationsbereiche mit Blick auf den Campus wurden positiv bewertet. Die Anbindung an die Bestandsbibliothek sowie die Verbindungsmöglichkeit mit dem zweiten Bauabschnitt seien ebenfalls „sehr gut“.

Der Entwurf von Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten aus Dresden wurde mit dem fünften Preis ausgezeichnet. Die Fassaden sind in einen Sockel, ein Zwischengeschoss und drei Regelgeschosse gegliedert. Das Zwischengeschoss mit Sondernutzungen (Learning-Center, Magazine) hinter großen, fensterlosen Fassadenabschnitten werde „geschickt durch die Überhangkonstruktion der Regelfassade zurückgenommen“, urteilte das Preisgericht. Über einen Innenhof werden die inneren Bereiche belichtet. Der Entwurf sei „funktional gut strukturiert“ und erlaube „eine übersichtliche Anordnung der Funktionsbereiche in den Obergeschossen“, so das Fazit.

Mit Anerkennungen wurden zudem die Entwürfe von BHBVT Gesellschaft von Architekten mbH aus Berlin und Staab Architekten GmbH, ebenfalls aus Berlin, ausgezeichnet.

Das Preisgericht empfahl der Ausloberin einstimmig, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit unter Beachtung der im Preisgerichtsprotokoll gemachten Anregungen sowie der im Vorprüfbericht aufgeführten Hinweise zur Grundlage der weiteren Planungen zu machen.

Kerstin Mindermann