Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau des Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität, Gießen

Preisträger

1. Preis: MEURER GENERALPLANER GMBH, Frankfurt, mit a+a, architecture et aménagement s.a., Luxembourg

€ 22.000

Prof. Tom Meurer, Hermann Esslinger
Mitarbeit: Kristina Meurer, Kathrin Bösl, Carsten Henschel, Patrick Halsdorf, Natalie Thoesen
Fachberater: TransSolar Energietechnik GmbH, Christian Oberdorf, München

2. Preis: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten GbR, Berlin

€ 17.000

Christian Pelzeter
Mitarbeit: Jan Giesen, Daan Derden
Fachberater: Rentschler und Riedesser Ingenieurgesellschaft mbH für Technik im Bau, Jürgen Trautwein, Berlin

Anerkennung: AV 1 Architekten GmbH, Berlin

€ 9.000

Prof. Michael Schanné
Mitarbeit: Maryse Trautsch, Sascha Pawlik

Anerkennung: Gareth Hoskins Architects Ltd., Zweigniederlassung Berlin

€ 9.000

Thomas Bernatzky
Mitarbeit: Gabriele Bernatzky, Sarah Mooney, Adam Jones, Sophie Bril
Fachberater: Transsolar Stuttgart, Matthias Rammig, Stuttgart
Schmöller Brandschutz, Marco Schmöller, Leipzig

Anerkennung: IPROconsult GmbH, Dresden

€ 9.000

Danyel Pfingsten
Fachberater: Büro Delia Bassin, Dresden
IPROconsult GmbH, Dresden (Brandschutz, Tragwerksplanung, Energiekonzept)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, hochbaulicher Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Ideenteil
Preisgerichtssitzung 02.03.2016
Ort Gießen
Auslober Land Hessen
Betreuung büro luchterhandt, stadtplanung.stadtforschung.stadtreisen, Hamburg
Preisrichter Prof. Dörte Gatermann (Vorsitz), Julia Tophof, Prof. Dirk Metzger, Prof. Gernot Schulz, Ulrike Berendsen-Manderscheid, Prof. Pablo Molestina, Reinhard-Gabriel Bouley, Prof. Dr. Wolfgang Hallet, Thomas Platte, Guido Brennert, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Thorsten Schmidt, Susanne Kraus/Gerda Weigel-Greilich

Räumliche Vielfalt trotz großer Kompaktheit

Neubau des Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität in Gießen

Die Justus-Liebig-Universität Gießen plant am Campus Kultur- und Geisteswissenschaften einen Neubau für das Graduiertenzentrum der Kulturwissenschaften mit Desksharing-Arbeitsplätzen für rund 200 Personen sowie Projekt- und Seminarräumen. Für die Planung hatte das Land Hessen einen Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Gefordert war ein innovatives Raumkonzept, das vielfältige Atmosphären zum individuellen und kooperativen Arbeiten schafft. Es wurde eine Raumstruktur erwartet, „die Maßstäbe für kollaboratives Arbeiten setzt“, formellen und informellen Austausch fördert, aber auch hinreichend Rückzugsangebote bietet. Die Meeting- und Projekträume sollten möglichst gleichmäßig im Gebäude verteilt liegen und von den Arbeitsplätzen aus auf kurzem Wege erreichbar sein.

Für das Gebäude ist ein Baufeld am Rande des Campus vorgesehen. Langfristig ist auf diesem noch ein weiteres Institutsgebäude mit vergleichbarem Volumen geplant, das im Rahmen des städtebaulichen Ideenteils in seiner Kubatur mitgedacht werden sollte.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dörte Gatermann beschloss einstimmig, einen ersten und zweiten Preis sowie drei Anerkennungen zu vergeben.

Die Arbeitsgemeinschaft MEURER GENERALPLANER GMBH aus Frankfurt und a+a; architecture et aménagement s.a. aus Luxemburg schlug abweichend vom städtebaulichen Rahmenplan ein quer zum „Alten Steinbacher Weg“ und in der Flucht der geplanten Bibliothek stehendes Gebäude vor. Dadurch entstehe „schon in der ersten Ausbaustufe eine schlüssige städtebauliche Lösung, die durch die mögliche zweite Ausbaustufe noch gestärkt wird“, so das Preisgericht, das die Arbeit mit dem ersten Preis auszeichnete. Die Erschließung des Gebäudes von den Längsseiten, mit einem durchgesteckten Foyer, binde das Gebäude ideal in seine Umgebung ein. Die Anordnung der öffentlichen Funktionen im Erdgeschoss sei „folgerichtig“ und die flexible Einbindung der Seminar- und Konferenzräume funktioniere ausgezeichnet. Das Foyer im Erdgeschoss, die zentrale Treppe und die in den Obergeschossen zentral angeordneten Multifunktions- und Besprechungsräume bildeten eine kommunikative Mitte. Trotz großer Kompaktheit weise der Entwurf eine „räumliche Vielfalt auf“. Das Raum- und Funktionsprogramm überzeugte aus Nutzersicht „vollkommen“: „Die hervorragenden Lösungen in der Raumkonzeption“ ermöglichten „eine vertikale und horizontale Durchlässigkeit und Kommunikation“, der Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss biete „herausragende räumliche und funktionale Nutzungsmöglichkeiten“ und trotz der Vielfalt an differenzierten Arbeitsmöglichkeiten und Funktionen“, sei „eine sehr gute Orientierung gegeben“. Das Energiekonzept sei zudem „schlüssig“ und die hessischen Vorgaben zur Energieeffizienz würden eingehalten. Insgesamt stelle der Entwurf „sowohl aus städtebaulicher als auch aus funktionaler Sicht einen sehr überzeugenden Beitrag dar, der sowohl der Entwicklung des Campus, als auch der exzellenten Nutzung in besonderem Maße gerecht wird“, so das Fazit des Preisgerichts.

Auch die Zweitplatzierten, Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten GbR aus Berlin, stellten das Gebäude quer zum „Alten Steinbacher Weg“. Dadurch werde „eine Raumkante zum geplanten Freiraum gebildet und eine klare Orientierung zu den noch folgenden Bausteinen des Masterplans geschaffen“, führte das Preisgericht aus. „Die Klarheit des Gebäudevolumens“ setze sich in der Gebäude- und Grundrissstruktur fort. Der Grundriss gliedert sich von der Mitte aus in zwei Bereiche: Im Osten konzentrieren sich auf allen Ebenen die Gemeinschaftsflächen und kommunikativen Zonen um einen offenen Erschließungsbereich, der westliche Bereich ist dagegen als Dreibund geplant. Diese Gliederung in offene und geschlossene Bereiche verspreche „abwechslungsreiche Raumsequenzen und qualitätsvolle Räume“, urteilten die Preisrichter. Das Raum- und Funktionsprogramm besteche zudem „durch eine optimale Umsetzung der Nutzererwartungen“: Alle Einzel- und Kombibüros haben direkte Anbindung an Multifunktions- und Kommunikationszonen, der Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss biete „herausragende räumliche und funktionale Nutzungsmöglichkeiten“ und trotz „der Vielfalt an differenzierten und abwechslungsreichen Arbeitsmöglichkeiten und Funktionen“ sei eine besonders gute Orientierung gegeben. Die hessischen Vorgaben zur Energieeffizienz würden eingehalten und das Energiekonzept sei schlüssig. Der Beitrag sei „sowohl aus städtebaulicher als auch aus funktionaler Sicht überzeugend“, so das Fazit der Preisrichter.

Die drei Anerkennungen gingen an AV1 Architekten GmbH aus Kaiserslautern, IPROconsult GmbH aus Dresden und an Gareth Hoskins Architects Ltd. aus Berlin.

Das Preisgericht empfahl der Ausloberin einstimmig, den ersten Preis unter Berücksichtigung der Anregungen der schriftlichen Beurteilung und der im Vorprüfbericht aufgeführten Hinweise zur Grundlage der weiteren Planungen zu machen sowie im Rahmen der weiteren Bearbeitung die Fassade im Hinblick auf die Einhaltung der Gestaltleitlinien des Masterplans überprüfen zu lassen. Darüber hinaus empfahl es, im anschließenden VOF-Verhandlungsverfahren Fachpreisrichter aus dem Kreise des Preisgerichts beratend hinzuzuziehen.

Betreut wurde der Wettbewerb vom büro luchterhandt, stadtplanung.stadtforschung.stadtreisen aus Hamburg.

Kerstin Mindermann