Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Rathaus Stockstadt

Preisträger

1. Preis: Markus Fiegl, mit Marek Jahnke, Berlin

€ 15.000

2. Preis: umarchitekt, mit JOMA Landschaftsarchitektur, Bamberg

€ 9.000

Ulrich Manz. Paul Böhmer
Mitarbeit: X. Schippert, S. Manz, B. Hähnel
Hauck Modelle

Anerkennung: AG 5 Architekten, Darmstadt, mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 2.000

Joachim Klie, Martin Schaper
Mitarbeit: Andres Krause, Christoph Kornmeyer, Jochen Silbermann

Anerkennung: hks Jochen König Architekten + Gesamtplaner GmbH & Co.KG, Bad Neuenahr-Ahrweiler, mit plandrei Landschaftsarchitektur GmbH, Erfurt

€ 2.000

Jochen König, Stefan Dittrich
Mitarbeit: Thomas Croon, Verena Hake, Anna Serralta, Sungyun Lee
Anikó Krén (Modellbau)

Anerkennung: pape + pape Architekten, Kassel

€ 2.000

Tore Pape, Ulrike Pape
Mitarbeit: Victor Tuschik
Fachberater: GTL Landschaftsarchitekten, Kassel
Reitz + Pristl, Kassel (Tragwerksplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
Preisgerichtssitzung 16.10.2015
Ort Stockstadt
Auslober Gemeinde Stockstadt
Betreuung BÄUMLE Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Susanne Wartzeck (Vorsitz), Corinna Endreß, Reiner Lenz, Stefan Schneberger, Heinz Wionski, Thomas Raschel, Daniela Schnitzer, Petra Pfeffer, Kurt Knöbel-Wehner

Eine Hofreite für die Gemeinde

Neues Rathaus mit integrierten Bestandsgebäuden in Stockstadt am Rhein

Das Rathaus in Stockstadt stammt aus den 1960er-Jahren; es ist marode und soll durch ein neues ersetzt werden. Für die Planung hatte die Gemeinde einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Ideenteil ausgelobt. Die Teilnehmerzahl war auf 16 begrenzt, fünf Büros hatte die Gemeinde vorab benannt. Nun ist der Wettbewerb entschieden. Das ausgewählte Grundstück liegt zentral im Ortskern. Zwei Gebäude stehen bereits darauf: ein 1907 errichtetes Fachwerkhaus, das 2005 saniert und erweitert wurde, an der nördlichen Grenze und im Süden ein Schulgebäude aus dem Jahr 1841. Das Fachwerkhaus ist denkmalgeschützt und soll in die neue Bebauung integriert werden. In seinem Erdgeschoss wünscht sich die Gemeinde eine kleine gastronomische Nutzung, beispielsweise ein Bistro oder eine Weinstube. Das ehemalige Schulhaus ist aus Sicht der Denkmalpflege „als Teil der Ortsgeschichte“ ebenfalls erhaltenswert; die Gemeinde schloss den Abriss jedoch nicht grundsätzlich aus.

Mit dem neuen Rathaus will die Gemeinde zugleich einen identitätsstiftenden Ortsmittelpunkt schaffen und möglichst Impulse für weitere private Investitionen anstoßen. Im städtebaulichen Ideenteil des Wettbewerbs waren daher Ideen für die Umgestaltung der angrenzenden Straßenräume sowie ein Bebauungsvorschlag für einen Teil des südlich angrenzenden Grundstücks gefordert.

Den ersten Preis vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Susanne Wartzeck an Architekt Markus Fiegl und Landschaftsarchitekt Marek Jahnke aus Berlin. Ihr Entwurf erhält die beiden Bestandsgebäude und verbindet diese durch einen zweigeschossigen Winkelbau, der im Osten an das Fachwerkgebäude anschließt und im Süden das ehemalige Schulhaus integriert. In der Mitte entsteht ein dreiseitig umschlossener Hof. Den Architekten gelinge es, „auf eine selbstverständliche Weise, die beiden Bestandgebäude zu einem funktionierenden Verwaltungsgebäude zusammenzubinden“ sowie städtebaulich „das Thema ‚Hofreite’ aufzunehmen und modern zu interpretieren“, betonte das Preisgericht. Es entstehe ein baulicher Rahmen, der einen gut proportionierten und multifunktional nutzbaren Bürgerplatz schaffe. Auch die Fassade aus vertikalen Holzlamellen fand die Zustimmung des Preisgerichts: Der Neubau „nehme sich vornehm zurück und lasse den Bestandsgebäuden, insbesondere dem denkmalgeschützten, seinen Auftritt“. Auf dem Nachbargrundstück schlugen die Architekten ein Wohn- und Geschäftshaus vor. Diesem bestätigten die Preisrichter ebenfalls, dass es „selbstverständlich gesetzt“ sei. Insgesamt schaffe der Entwurf „eine unverwechselbare Identität“, so das Fazit des Preisgerichts.

Auch umarchitekt und JOMA Landschaftsarchitektur aus Bamberg folgten dem Motiv einer Hofreite und schlugen einen ergänzenden Winkelbau im Osten und Süden des Grundstücks vor. Sie reißen dafür jedoch das ehemalige Schulgebäude ab. Die Preisrichter hoben hervor, dass sich der Neubau „maßstäblich“ und „auf selbstverständliche Weise in das Ortsbild integriert“ und eine „fein austarierte, gleichwohl zeitgemäße Lösung“ – mit seinen asymmetrisch verschnittenen Satteldächern und der „Holzfassade mit geschossweise rhythmisierten Fenstern“ – biete. Die innere Organisation verspreche zudem „eine kommunikative Arbeitsatmosphäre“ und trotz der „hohen Erschließungsqualität“ sei die Bruttogrundfläche im Vergleich zu den anderen Arbeiten „gering“. Die Freiraumgestaltung habe ebenfalls „eine hohe gestalterische Qualität“: Sie biete neben einem „geschützten Biergarten unter den Bestandsbäumen einen gut proportionierten Zugangsraum zum Rathaus“ und durch den Erhalt der Hofmauer zur angrenzenden Straße behalte der Rathausplatz den Charakter einer Hofreite, so das Preisgericht, das den Entwurf mit dem zweiten Preis auszeichnete.

Zusätzlich zu den beiden Preisen vergab die Jury drei Anerkennungen. Diese gingen an

- AG 5 Architekten aus Darmstadt zusammen mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH aus Frankfurt/Main,
- hks Jochen König Architekten + Generalplaner GmbH & Co. KG aus Aachen zusammen mit plandrei Landschaftsarchitektur GmbH aus Erfurt,
- pape + pape, architekten aus Kassel.
Betreut wurde der Wettbewerb von BÄUMLE Architekten I Stadtplaner aus Darmstadt.

Kerstin Mindermann