Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Fachbereich Maschinenbau und Energietechnik der THM, Gießen

Preisträger

1. Preis: studioH2K Architekten Hübener Kespohl Kleinke GbR, Hamburg, mit Drees & Sommer Advanced Building Technologies GmbH, Hamburg

€ 27.000

Niels Kespohl, Enrico Kleinke, Jan Hübener, Dr.-Ing. Torsten Warner
Fachberater: panta ingenieure GmbH, Dr.-Ing. Christian Böttcher, Hamburg (Statik)
Wolfgang Sorge IB für Bauphysik GmbH & Co. KG, Wilfried Wieland, Nürnberg (Bauphysik)
HHP® West Beratende Ingenieure GmbH, Heiko Zies (Brandschutz)

2. Preis: ARGE Ferdinand Heide, Frankfurt/Main, mit Alhäuser und König Ingenieurbüro GmbH, Hachenburg

€ 18.000

Ferdinand Heide, Nils Alhäuser
Mitarbeit: Claudia Zimmermann, Frank Dünschmann

3. Preis: Rüdiger Baumann Generalplanung GmbH, Berlin, mit bähr ingenieure GmbH, Berlin

€ 11.000

Rüdiger Baumann, Christian Bähr
Mitarbeit: Marcel Bergmann, Antje Heymann

Anerkennung: netzwerkarchitekten GmbH, Darmstadt, mit inovis GmbH, Frankfurt/Main

€ 7.000

Th. Höhne, K. Scharabi, Ph. Schiffer, J. Schuh, M. Schwieger, O. Witan, Dieter Leipoldt
Fachberater: Dr. Kreutz + Partner, Dr.-Ing. A. Hentschel, u.a. Nürnberg (Tragwerksplanung)
Transsolar Klimaengineering, Prof. Th. Auer, Suttgart

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Offener, interdisziplinärer Realisierungswettbewerb in zwei Phasen für Architekten, sowie in Phase II zudem für Ingenieure für Technische Ausrüstung.
Preisgerichtssitzung 28.01.2016
Ort Gießen
Auslober Land Hessen
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Dr. Franz Pesch (Vorsitz), Prof. Gesche Grabenhorst, Volker Giezek, Inge Laste, Ulrike Berendsen-Manderscheid, Wilhelmina Katzschmann, Thorsten Schmid, Guido Brennert, Prof. Dr. Günther Grabatin, Thomas Platte, Peter Eichler

Erster Baustein

Neubau des Fachbereichs Maschinenbau und Energietechnik am Campus Wiesenstraße, Technische Hochschule Mittelhessen in Gießen

Im Rahmen des Hochschulbauinvestitionsprogramms HEUREKA (Hochschul-Entwicklungs- und Umbauprogramm: Rund-Erneuerung, Konzentration und Ausbau von Forschung und Lehre in Hessen) soll auch der Hochschulstandort in Gießen umgebaut und neu strukturiert werden. Der bereits vorliegende Masterplan von schneider + schumacher sieht eine Vernetzung der Campusbereiche sowie eine Verflechtung der Hochschule mit der städtischen Umgebung vor. Erreicht werden soll dies durch frei zugängliche Außenräume, die den Campus mit unterschiedlichen Platzfolgen durchziehen, sowie eine kleinteilige Bebauungsstruktur.

Den Auftakt für die Entwicklung des Campusbereichs Wiesenstraße machen zwei Neubauten, für die Fachbereiche Maschinenbau und Energietechnik. Eine besondere Herausforderung liegt darin, dass diese sowohl während des ersten Umsetzungsschrittes als auch in der weiteren Umsetzung des Masterplans städtebaulich sowie architektonisch funktionieren müssen. Die Neubauten sollen zudem konsequent auf eine multivariable, vielfältige Nutzung ausgelegt sein und damit eine maximale Flexibilität und Offenheit in der Nutzung und Umnutzung des Gebäudes oder der Gebäude bieten.

Für die Planung hatte das Land Hessen einen von der Stadtbauplan GmbH betreuten, zweiphasigen Wettbewerb ausgelobt. In der ersten Phase waren grundsätzliche Lösungsansätze für die städtebauliche Gesamtsituation (Lage und Dimension der Baukörper, Außenräume, Erschließung) sowie die prinzipielle Verteilung der Nutzungen gefordert, in der zweiten die weitere Bearbeitung der Institutsgebäude inkl. Konzept der technischen Ausrüstung im Maßstab 1:200. Fachplaner für die technische Gebäudeausrüstung waren in der zweiten Phase entsprechend zu beteiligen. 56 Büros nahmen an der ersten Phase teil, 13 schafften es in die zweite, die nun entschieden ist.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dr. Franz Pesch vergab drei Preise und eine Anerkennung. Der erste Preis ging an studioH2K Architekten Hübener Kespohl Kleinke GbR und Drees & Sommer Advanced Building Technologies GmbH aus Hamburg, den zweiten Preis erhielten Architekt Ferdinand Heide aus Frankfurt zusammen mit Alhäuser und König Ingenieurbüro GmbH aus Hachenburg und der dritte Preis ging an Rüdiger Baumann Generalplanung GmbH zusammen mit bähr ingenieure GmbH aus Berlin. Die Anerkennung erhielten netzwerkarchitekten GmbH aus Darmstadt zusammen mit der inovis GmbH aus Frankfurt.

studioH2K Architekten und Drees & Sommer entwarfen zwei dreigeschossige Gebäude, die mit einem zweigeschossigen Zwischenbau verbunden sind. In diesem befindet sich das beidseitig erschlossene Foyer, das den Campusplatz im Südosten mit dem Fluss Wieseck auf der anderen Seite verbindet. Das Foyer sei „logisch angeordnet“, habe eine „hohe Aufenthaltsqualität“ und biete die Möglichkeit für Ausstellungen, hob das Preisgericht hervor. Die Geschosse seien „sehr gut“ durch notwendige Treppen an beiden Enden erschlossen, wodurch zusätzliche, nicht notwendige Treppen möglich würden, „die im Alltag die vertikale Erschließung erleichtern, leicht auffindbar sind und durch ihre Offenheit zur guten Orientierung beitragen“. Das Technikkonzept bezeichneten die Preisrichter als "schlüssig“ und bestätigten diesem eine „hohe Qualität in der Ausarbeitung“. Das Konzept zur Energieeffizienz sei ebenfalls „überzeugend dargestellt“. Die Fassaden würden „mit ihrer Anmutung der gestellten Aufgabe gerecht“ und setzten als erster Baustein der Campusneuordnung „ein gutes Zeichen für die weiteren Planungen“. Mit dem „selbstbewussten städtebaulichen Auftritt und der sorgfältig detaillierten Architektur gelingt den Verfassern eine angemessene Lösung, die als Maßstab für die weitere bauliche Entwicklung des Campus´ gesehen werden kann“, so das Fazit der Preisrichter.

Der Entwurf von Ferdinand Heide und Alhäuser und König überzeugte die Preisrichter städtebaulich. Er greife „die Intention des Masterplans ­­– eine am Bestand orientierte, maßstäbliche Bebauung – hervorragend auf“. Die Zugänge seien „sinnvoll zur Moltkestraße als auch zu den entstehenden Plätzen orientiert, sodass eine Durchwegung des Gebäudes von allen städtebaulich relevanten Situationen“ möglich sei. Die Eingangssituation reflektiere „in bestmöglicher Weise“ die Campussituation und die innere Struktur des Gebäudes sei „logisch“, so die Preisrichter. Die nördliche Haupterschließung mit ihren Kommunikationsflächen sowie die „gut von außen einsehbaren größeren Laborräume im Erdgeschoss“ führten zu einer „guten Außenwahrnehmung“. Der Nutzer lobte zudem die Aufteilungen der Labore auf das EG und 1. OG sowie die Anbindung an die Arbeitsräume der Mitarbeiter. Auch die „Robustheit der Fassade im Einklang mit der geometrischen Ausbildung des Gesamtbaukörpers“ überzeugte ihn. „Den Verfassern gelingt ein Entwurf, der mit einem kraftvollen Volumen, guter innerer Organisation und urbaner Prägung auf die gestellte Aufgabe antwortet“, so die abschließende Einschätzung des Preisgerichts.

Die von Rüdiger Baumann Generalplanung und bähr ingenieure vorgeschlagene städtebauliche Figur zeige „einen sensiblen Umgang mit dem Masterplan“, urteilte das Preisgericht. Ein durchgehendes Sockelgeschoss löse sich in den Obergeschossen „in zwei wohlproportionierte quadratische Kuben auf, die mit ihrer Ausrichtung am Platz empfangen und zur Wieseck akzentuieren“. Das Gebäude wird durch zwei Foyers erschlossen, die Laborflächen liegen im Erdgeschoss und die Institute sind in den Obergeschossen jeweils um einen Erschließungskern angeordnet. „Ein rotierendes System von Kommunikationszonen öffnet das Gebäude zu den vier Himmelsrichtungen“, wodurch „eine spannende Raumabfolge entsteht, die in der Fassade ablesbar ist“, so die Preisrichter. Die Fassade der Obergeschosse mit bedruckten, beweglichen Glaslamellen, stelle zudem „einen spannenden Beitrag dar“ und die Energieeffizienz sei „überzeugend dargestellt“. Insgesamt biete „die Arbeit einen wertvollen Beitrag – neben der städtebaulichen Arrondierung ist sie in Gestalt und Maßstab dem Standort angemessen und in der Durcharbeitung schlüssig“, so das Fazit der Preisrichter.

Dem Auslober empfahl das Preisgericht einstimmig, im anschließenden VOF-Verfahren mit den Preisträgern die erforderlichen Anpassungen (Flächenvorgaben, Bauvolumen, Höhen und Kostenobergrenze) unter Berücksichtigung der schriftlichen Beurteilung und der im Vorprüfbericht aufgeführten Anmerkungen zu veranlassen.

Kerstin Mindermann