Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Nordbad, Darmstadt

Preisträger

2. Preis: pbr Planungsbüro Rohling AG, Braunschweig, mit Club L94, Köln

€ 18.000

Heinrich Eustrup, Frank Flor
Mitarbeit: Natalie Baranik, Martin Labitzke, Anna Mäurer
Fachberater: Mark Blume, Braunschweig (Modellbau)

2. Preis: Sacker Architekten, mit Henne Korn Landschaftsarchitekten, Freiburg i. Brsg.

€ 18.000

Detlef Sacker, Christian Korn
Mitarbeiter: Christopher Höfler, Maximilian Matscheko, Yazeed balqar, Cathrine Oehler
Fachberater: TGA Planungsgruppe, Christian Schmidt, Freiburg i. Brsg. (Haus- und Schwimmbadtechnik)
Stahl und Weiß, Büro für Sonnenenergie, Volker Weiß, Freiburg i. Brsg. (Energetisches Konzept)
Mohnke Höss Bauingenieure, Sabine Ott, Freiburg i. Brsg. (Statik)

3. Preis: ArGe 4a Architekten, Stuttgart, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover

€ 14.000

Ernst-Ullrich Tillmanns, Christoph Schonhoff
Mitarbeit: Torsten Buck, Valentin Mayer

4. Preis: Behnisch Architekten, Stuttgart

€ 10.000

Stefan Behnisch, Stefan Rappold, Andreas Peyker
Mitarbeit: François Servera, Stefan Pralow, Saori Yamane, Heba Mostafa, Annika Sieblitz, Nadine Waldmann (Landschaftsarchitektur)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil und vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 21.07.2015
Ort Darmstadt
Auslober Wissenschaftsstadt Darmstadt, Sportamt, Eigenbetrieb Bäder
Betreuung BÄUMLE Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Johann Eisele (Vorsitz), Kai Bierich, Roland Oberli, Susanne Wartzeck, Rebekka Junge, Rafael Reißer, Cornelia Zuschke, Bernd Neis, Torsten Rasch

Schwierige Randbedingungen

Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil für den Neubau des Nordbades in Darmstadt

Das Nordbad in Darmstadt ist mit seinem 50-Meter-Becken das Hallenbad der Stadt für Sportvereine und ambitionierte Schwimmer; inzwischen ist es jedoch in die Jahre gekommen und muss ersetzt werden. Der Magistrat der Stadt hat dafür rund 17 Mio. Euro brutto (KG 200-700) zur Verfügung gestellt. Herzstück des neuen Nordbades soll, wie bisher auch, ein wettkampftaugliches 50-Meter Becken sein. Darüber hinaus sind ein Nichtschwimmer-, ein Trainingsbecken mit Sprungturm, ein Plansch- sowie ein Bewegungsbecken für therapeutische Zwecke gefordert. Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, dass das existierende Bad während der Bauzeit weiter genutzt werden soll.

An das Hallenbad schließt ein Freibad an, das ebenfalls erneuert und in das neue Gestaltungskonzept mit einbezogen werden soll: Zur Disposition stehen die Freianlagen und Bestandsbauten, die noch gut erhaltenen Außenbecken sollen dagegen erhalten bleiben. Die Stadt erhofft sich durch die Neugestaltung zudem Synergieeffekte für beide Bäder. Entstehen kann die neue Bebauung aus planungsrechtlichen Gründen nur auf einem rund 100 Meter breiten Streifen entlang der westlichen Grundstückgrenze.

Die Stadt entschied sich für die Auslobung eines nichtoffenen Realisierungswettbewerbs mit integriertem Ideenteil. Inhalt des Ideenteils waren Vorschläge für die zukünftige Gestaltung des städtebaulichen Umfeldes und die Einbindung des Bades in den umgebenden Bürgerpark Nord. Betreut wurde das Wettbewerbsverfahren durch BÄUMLE Architekten I Stadtplaner aus Darmstadt. Zugelassen zum Wettbewerb waren Bewerbergemeinschaften aus Architekten und Landschaftsarchitekten unter Federführung des Architekten, ggfs. zusammen mit einem Stadtplaner.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Johann Eisele vergab keinen ersten Preis. Diese Entscheidung begründete es damit, dass „keiner der Entwürfe die sehr schwierigen Randbedingungen optimal lösen konnte“. Dafür wurden zwei zweite Preise sowie ein dritter und ein vierter Preis vergeben. Der Ausloberin empfahl das Preisgericht, die Entwürfe im Rahmen der Verhandlungsgespräche überarbeiten zu lassen und dabei besonders die Brandschutzmaßnahmen, Barrierefreiheit, einen detaillierten Nachweis der Bauabschnitte, die Gleichgewichtung und den Nachweis von Wirtschaftlichkeit und eigenständiger Atmosphäre sowie die in den Einzelbewertungen genannten Kritikpunkte zu berücksichtigen.

Einer der zweiten Preise ging an pbr Planungsbüro Rohling AG aus Braunschweig zusammen mit Club L94 Landschaftsarchitekten aus Köln. Sie platzierten das neue Hallenbad im Nordwesten des Grundstücks in einer Achse mit den bestehenden Außenbecken. Dazwischen schlugen sie einen Bereich mit Sitz- und Liegestufen, einem Sandstrand und den Sommerumkleiden mit eigenem Eingangsbereich für das Freibad vor. Durch die Positionierung des Neubaus kann das bestehende Nordbad während der Bauzeit weiter betrieben werden. Die Deckenunterseite des Hallenbades ist als unregelmäßig gewölbte „Landschaft“ geplant, was „identitätsstiftend zur Atmosphäre des Bades beiträgt“, so die Preisrichter, die auch die Idee, die Technik in den so entstehenden großen Dachkörper zu integrieren, positiv werteten und den „angenehm dimensionierten Vorplatz“, die „gut auffindbaren Eingänge“ und die „spannungsvollen Ausblicke und Sichtbeziehungen“, die sich durch die erhöhte Anordnung des Hallenbades auf einem Sockel ergeben, hervorhoben. Auch die Gestaltung des Zwischenbereichs mit Sitz- und Liegestufen sowie Sandstrand fand die Zustimmung des Preisgerichts. Es merkte jedoch an, dass die Positionierung der Sommerumkleiden quer zur Achse dazu führe, dass ein „sehr eigenständiger Freibadbereich“ entstehe, was „die Chance eines Miteinanders von beiden Bädern einschränkt“.

Sacker Architekten und Henne Korn Landschaftsarchitekten, beide aus Freiburg, erhielten für ihren Entwurf ebenfalls einen zweiten Preis. Sie schlugen vor, das neue Hallenbad an der Stelle des jetzigen, direkt nördlich des Außenbeckens, zu errichten. Den Neubau gliederten sie in die Schwimmhalle und einen länglichen, seitlich anschließenden Baukörper, der die Umkleiden, die Sommersanitärbereiche und die Kasse beinhaltet, und sich zu einem Dach über dem Vorplatz auflöst. Dies schaffe „eine städtebaulich überzeugende Situation“, so das Preisgericht, das zudem die „insgesamt sehr guten und einfach konzipierten Abläufe sowie die übersichtlich geordnete, einfache Orientierung“ des Entwurfs lobte. Auch „der kompakte Baukörper“ und „die konsequente und sorgfältige Organisation der Gesamtanlage, mit zum Teil knappen aber richtig disponierten Flächen und Höhen, die eine der Bauaufgabe angemessene, wirtschaftliche Realisierung erwarten lasse“, überzeugte die Preisrichter. Für die Umsetzung rechnete das Preisgericht mit drei notwendigen Bauabschnitten, inkl. Abbruch und provisorischen Raumabschlüssen. Das sei „technisch möglich, allerdings nicht ganz einfach bei laufendem Betrieb zu realisieren“, so das Preisgericht.

4a Architekten aus Stuttgart, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner aus Hannover schlugen ein Gebäude aus zwei zueinander versetzten Teilen entlang der westlichen Grundstücksgrenze vor. „Sehr positiv“ wertete das Preisgericht den „perfekt organisierten Eingangsbereich“, mit Blick auf das Kleinkinderspielbecken und die dahinter liegenden Sportbereiche. Die Flächen entlang der Becken würden zudem „äußerst zweckmäßig genutzt“, entlang der Ostfassade entstünde „ein attraktiver Vorbereich vor der Schwimmhalle“ und die Grünflächen würden „durch Aktionsinseln ganz selbstverständlich ergänzt“. Auch das Holzdeck im Freibereich, das „einen angenehmen Übergang von den Rasenflächen zu den befestigten Flächen um die Becken“ biete, überzeugte das Preisgericht. Insgesamt stelle die Arbeit „einen sehr guten, funktionalen Beitrag dar“ und überzeuge „durch ihre sachliche und stringente Gestaltungsauffassung sowie ihre intensive Auseinandersetzung mit den Abläufen in einem Bad“, so das Fazit des Preisgerichts, das den Entwurf mit dem dritten Preis auszeichnete.

Beim 4. Preis lobten die Preisrichter, „wie das große Raumvolumen scheinbar mühelos in die bestehende Landschaft integriert wird und atmosphärisch spannende, gut belichtete Innenräume entstehen, die sich mit dem umgebenden Park verzahnen und das Schwimmen im Sommer wie im Winter zu einem naturnahen Erlebnis werden lassen“. Der von Behnisch Architekten und Landschaftsarchitekt Andreas Peyker, beide aus Stuttgart, stammende Entwurf zeigt eine „freie Formensprache“, die helfe, „die Funktionen optimal anzuordnen“, so die Preisrichter. Durch die Lage nördlich des bestehenden Bades sei zudem ein paralleler Betrieb während der Bauzeit möglich und nach dem Abbruch verbleibe ein “spannender und geschützter Freiraum“ zwischen neuem Nordbad und Außenbecken.

Kerstin Mindermann