Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Pflegeeinrichtung für behinderte Menschen, Fulda

Preisträger

1. Preis: Sichau + Walter Architekten GmbH, Fulda

€ 16.000

Hartmut Walter
Mitarbeit: Christine Brons, Daniela Kaminski, Katharina Traupe

3. Preis: Kissler + Effgen Architekten, Wiesbaden

€ 11.000

Hans-Peter Kissler, Roland Effgen
Mitarbeit: Christine Sattler

4. Preis: Herbert Architekten, Petersberg

€ 8.000

Timo Schütrumpf, Wolgang Herbert

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 15.04.2015
Ort Fulda
Auslober Caritasverband für die Diözese Fulda
Betreuung Bauabteilung Bischöfliches Generalvikariat, Fulda
Preisrichter Michael Frielinghaus (Vorsitz), Prof. Thomas Meurer, Dr. Burghard Preusler, Elmar Gurk, Ansgar Erb

Gemeinsam im Alter

Nichtoffener Realisierungswettbewerb „Neubau einer spezialisierten Pflegeeinrichtung für behinderte Menschen in Fulda, St. Vinzenz-Straße“

Die Deutschen sind eine alternde Gesellschaft, dies ist hinlänglich bekannt, und landauf, landab werden neue „Seniorenresidenzen“ gebaut. Kaum welche sind jedoch auch für ältere Menschen mit Behinderung geeignet. Der ‚Caritasverband für die Diözese Fulda e.V.’ will in Fulda eine solche Pflegeeinrichtung bauen, die sowohl für ältere Menschen als auch für Demenzkranke sowie für Menschen mit Behinderung, insbesondere für Blinde und Taube, geeignet ist. Geplant ist ein Neubau für zunächst 32 Bewohner, der später noch einmal für 32 Bewohner erweitert werden soll. Einen entsprechenden nichtoffenen Realisierungswettbewerb hatte der Caritasverband im Dezember 2014 ausgelobt.

Damit die Bewohner auch in der Pflegeeinrichtung einen familienähnlichen Alltag haben, an dem sie aktiv teilnehmen können, sind Wohngemeinschaften mit jeweils acht Bewohnern vorgesehen. Neben den privaten Zimmern gehören zu diesen ein gemeinschaftlicher Wohn- und Essbereich sowie eine Küche, die sich jeweils zwei Wohngemeinschaften teilen. Diese müssen ausreichend groß sein, da in ihnen auch die Mahlzeiten der Bewohner zubereitet werden; eine Zentralküche ist nicht vorgesehen. Darüber hinaus werden im Haus ein Pflegebad, ein Andachtsraum, eine Bibliothek, ein kleiner Friseursalon, ein großer Mehrzweckraum sowie Räume für das Pflegepersonal benötigt.

Für den Neubau steht eine Freifläche südlich einer bereits existierenden Behindertenwerkstatt des Caritasverbandes zur Verfügung. In unmittelbarer Nähe befinden sich zudem Wohnheime für behinderte Menschen des Caritasverbandes sowie zahlreiche weitere Sozialeinrichtungen des St. Antoniusheims Fulda, ein heilpädagogisches Zentrum für Menschen mit einer Lern- und / oder geistigen Behinderung, so dass vielfältige Synergien erzielt werden können.

Den ersten Preis vergab das Preisgericht an Sichau & Walter Architekten aus Fulda. Diese schlugen einen zweigeschossigen, leicht von der Straße zurückgesetzten Baukörper vor, der „die abgetreppte Reihung von großzügigen Einzelbauten schließt“ und „mit seinem Funktionsflügel im Norden einen internen Straßenraum zum Werkstattgebäude bildet“, so das Preisgericht. Dieses städtebauliche Konzept sei schlüssig und halte die südwestliche Gartenfläche, auch nach einer evtl. Erweiterung, weitgehend frei. Auch die Grundrisse überzeugten die Preisrichter: Diese seien „funktional bestens gelöst“ und böten „eine Vielfalt an Raumerfahrungen – vom gerahmten Vorplatz über die zweigeschossige Eingangshalle, die Kapelle mit Vorbereich, bis zu erfreulich kurzen Fluren“. Der Vorschlag zur baulichen Erweiterung sei ebenfalls „funktional und wirtschaftlich überzeugend“. Die Preisrichter merkten jedoch an, dass die asymmetrische Form des 1. Bauabschnitts „sympathischer“ sei, als die Achsensymmetrie nach der vorgeschlagenen Erweiterung.

Einen 2. Preis vergab das Preisgericht nicht; den 3. Preis erhielten Kissler + Effgen Architekten aus Wiesbaden. Insbesondere ihre städtebauliche Lösung hob das Preisgericht hervor: Durch die Platzierung des dreigeschossigen Hauses am östlichen Grundstücksrand entstünde ein „gut strukturierter, weitläufiger westlicher Grundstücksteil“, der zunächst als Freiraum und später als Bauplatz für die Erweiterung genutzt werden könne. Die Arbeit folge dem „Konzept eines einfachen Hauses“, das „klar gegliedert“ und „betont schlicht“ sei, so die Preisrichter. Die Fassaden wirkten jedoch „sehr zurückhaltend“ und „wenig identitätsstiftend“. Im Inneren sei das kompakte Volumen gut organisiert. Allerdings gelänge der Nachweis der geforderten Flächen nur durch eine Mehrfachnutzung von Räumen, so das Fazit der Preisrichter.

Der 4. Preis ging an Herbert Architekten aus Petersberg. Sie entwarfen einen dreigeschossigen Gebäuderiegel, der im Norden den Erschließungsweg vor den Werkstätten fasst und im Süden einen begrünten Platz schafft. Kritisch sah das Preisgericht die Überschneidung der geplanten Parkplätze mit diesem Grünbereich und „die fast vollständige Verschattung“ des Werkstattgebäudes durch den Neubau. Dagegen überzeugten die Grundrisse. Diese versprächen eine gute Orientierung, „eine offene, einladende Raumwirkung“ sowie eine „sehr angenehme Atmosphäre“, so die Preisrichter.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Architekt Michael Frielinghaus empfahl dem Auslober, den Verfasser des ersten Preises auf der Grundlage seines Wettbewerbsentwurfs zu betrauen. Dabei sollten Alternativen für die Fassadengestaltung entwickelt und die Anmerkungen des Preisgerichts berücksichtigt werden.

Kerstin Mindermann