Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau einer Kindertagesstätte in Wettenberg

Preisträger

1. Preis: ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel

€ 5.200

Michael Bergholter, Barbara Ettinger-Brinckmann
Mitarbeit: Johannes Wettengel (Dipl. Ing. Architekt), Vanessa Kleinert (Dipl. Ing. Architektur), Martin Schmittdiel
(Dipl. Ing. Architekt), Anna Hampel (M.Sc. Architektur), Fabian Schäfer (Dipl. Ing. Stadtplaner), Stephan
Wagner (Dipl. Ing. Stadtplaner), Markus Staedt (Dipl. Ing. Architekt)

2. Preis: Archidee Drommershausen & Böhme, Gießen

€ 3.900

Ingo Drommershausen, Christian Böhme
Mitarbeit: Nadine Garcia Manoz
Fachberater: Volker Kröck, Heuchelheim (Brandschutz/Statik)
pit Planungsteam GmbH, Andreas Piechota, Fernwald (HLS)

3. Preis: Studioaw. GmbH, Gießen

€ 2.600

Lars Wilhelm
Mitarbeit: Sascha Erb, Thomas Gado, Linda Weselek

Anerkennung: ebert-kiel-architekten, Hünfeld

€ 1.300

Erich E. Ebert, Christoph Kiel
Mitarbeit: Christian Hodes (Dipl. Ing.), Judith Fladung

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 22.04.2015
Ort Wettenberg
Auslober Gemeindevorstand der Gemeinde Wettenberg
Betreuung Dipl.-Ing., Architektin Elisabeth Schade, Pohlheim
Preisrichter Susanne Wartzeck (Vorsitz), Peter Diehl, Jürgen Juli, Prof. Nikolaus Zieske, Thomas Brunner, Jürgen Quurck, Heide Simonis

Leicht geknickt und unverwechselbar

Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb Neubau einer Kindertagesstätte in Wettenberg – Wißmar

Die Kindertagesstätte in Wißmar, einem Ort am nördlichen Stadtrand von Gießen, wurde bereits 1972 errichtet. Heute ist die Holzkonstruktion durch Feuchtigkeit stark geschädigt, eine Sanierung laut Gutachten wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll, weshalb sich der Vorstand der zuständigen Gemeinde Wettenberg – nach einem Beratungsgespräch des Bürgermeisters und des Hochbauamtes mit Gesine Ludwig, Referentin für Vergabe und Wettbewerbe bei der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, und Erich Ebert, Mitglied des Landeswettbewerbs- und Vergabeausschusses der Kammer – dazu entschied, einen Realisierungswettbewerb für einen Neubau auszuloben. Dieser soll auf einem anderen, bisher als Spielplatz genutzten, leicht nach Süden abfallenden Grundstück in einem Wohngebiet am nord-westlichen Ortsrand entstehen. Gefordert sind vier Gruppenräume mit Differenzierungs- und Sanitärräumen sowie eigenem Zugang zum Außengelände – einer dieser Bereiche auch für Kinder im Krippenalter geeignet. Zudem werden ein Schlafraum, ein Personalraum, ein Leitungsbüro, zwei Teeküchen sowie ein Mehrzweckraum und ein Speiseraum, die sich zu einem Versammlungsraum verbinden lassen, benötigt.

Der erste Preis ging an ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel. Die große Stärke des Entwurfes sei „die gute topographische Einbindung des Gebäudes in das Gelände“, so das Preisgericht. Aus der notwendigen Geländeabfangung im nördlichen Bereich leiteten die Entwurfsverfasser eine leicht geknickte Fassade ab, „die der Einrichtung eine selbstständige, unverwechselbare Form“ verleihe. Das Gebäude lasse zudem „eine überdurchschnittlich gute Nutzbarkeit auch bei sich eventuell ändernden Rahmenbedingungen in der Zukunft erwarten“, so die Preisrichter weiter. Die Haupterschließung erfolgt auf Höhe des mittleren Geländeniveaus von Westen und teilt das Gebäude im Verhältnis eins zu drei, in einen südlichen zweigeschossigen und einen nördlichen eingeschossigen Gebäudeteil. Im Norden befinden sich die Gruppenräume der älteren Kinder, im südlichen Teil der Krippenbereich. Im Obergeschoss darüber sind die Küche, der Mehrzweckraum und der Speisesaal platziert, so dass eine unabhängige Nutzung dieses Bereichs möglich ist. Alle Räume im Erdgeschoss sind niveaugleich angeordnet, alle Gruppen- und Differenzierungsräume gleichberechtigt nach Osten bzw. Südosten zur Vormittagssonne orientiert und haben einen direkten, barrierefreien Zugang zum Garten. Das Highlight verspricht aber eine Rutsche vom Obergeschoss ins Foyer zu werden – zumindest für die Kinder. Eine solche stand auf ihrer Wunschliste ganz oben.

Der mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Entwurf von Archidee Drommershausen & Böhme aus Gießen entsprach mit seiner zentralen Gemeinschaftszone den Vorstellungen der pädagogischen Leitung der Kindertagesstätte, die sich einen offenen, kommunikativen Kindergarten wünscht. „Der Entwurf kombiniert sehr geschickt Aufenthalts- und Verkehrsflächen, lobte auch das Preisgericht: „Die großzügige Flur-Spielzone trägt zu einer guten Übersichtlichkeit bei und bietet gleichzeitig vielfältige Nutzungsmöglichkeiten im täglichen Betrieb“. Dies war die einzige Arbeit, bei der das Gebäude entlang der natürlichen Höhenlinien, diagonal auf dem Grundstück angeordnet ist, wodurch die Barrierefreiheit in dem eingeschossigen Bau „ohne weitere bauliche oder technische Hilfsmittel gegeben ist“ und sich „wie selbstverständlich zwei Zugangsbereiche sowie zwei größere, zusammenhängende Freiflächen ergeben“, so die Preisrichter, die zudem den Multifunktionsraum mit abtrennbarem Speiseraum und Küche hervorhoben, der „so geschickt angeordnet“ sei, dass „eine separate Nutzung sehr gut möglich erscheint“.

Die Studioaw. GmbH, Lars Wilhelm, aus Gießen schlug einen teilweise zweigeschossigen, kompakten Baukörper in der südlichen Hälfte des Grundstücks vor, der sich gut in die kleinteilige Wohnbebauung der Nachbarschaft einfügt“, die Topografie des Grundstücks „gut ausnutzt“ und „klar zugeordnete, gut nutzbare Außenbereiche schafft“, so das Preisgericht, das die Arbeit mit dem dritten Preis auszeichnete. Das Zentrum des Gebäudes bildet eine zweigeschossige Eingangshalle mit Sitzstufenanlage. Die Räume der Krippenkinder und die der älteren Kinder sind klar getrennt: Die Kleineren werden im Erdgeschoss mit eigenem Außenbereich im Süden betreut, die Älteren spielen im Obergeschoss mit Blick und Außenbereich gen Norden, zur freien Landschaft. Durch die Trennung sei es „gut möglich, bei sich ändernden Anforderungen das Erdgeschoss extern zu nutzen“, so die Preisrichter. „Als schönes, zusätzliches Angebot“ würdigten die Nutzer zudem den teilüberdachten Außenspielplatz im Obergeschoss, der Mehrzweckraum und Speisesaal erweitert.

Neben den drei Preisen vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Susanne Wartzeck eine Anerkennung an ebert-kiel-architekten aus Hünfeld. Dem Auslober empfahlen die Fachpreisrichter die Umsetzung des ersten Preises.

Nach Fertigstellung des Neubaus ist auf dem Grundstück der jetzigen Kindertagesstätte ein Haus für altersgerechtes Wohnen geplant.

Kerstin Mindermann