Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Umgestaltung des öffentlichen Raumes „Stadthof“ in Offenbach am Main

Preisträger

1. Preis: Gisela Marta Stötzer Landschaftsarchitektin, Freiburg

€ 10.000

Mitarbeit: Alexander Wachter

Fachberater: Vogt & Partner Lichtgestaltende Ingenieure, (Fachplanung Licht), Winterthur (CH)

2. Preis: Ernst + Partner, Landschaftsarchitekten mit Michael R. Schwarz, Trier

€ 5.000

Helmut Ernst, Michael R. Schwarz

Mitarbeit: Christina Kirchhöfer

3. Preis: Hans-Peter Rohler, Michael Herz (foundation5+ landschaftsarchitektur), Kassel

€ 3.000

Mitarbeit: Katrin Böhling, Mark Weingart, Felicia Fölsch

Fachberater: Jochen Lochner (Lichtplaner)

Anerkennung: Martin Schedlbauer, faktorgrün, Freiburg

€ 900

Mitarbeit: Markus Rötzer, Marius Weisshaupt, Sonja Blaser, Angela Soler

Fachberater: Lux Visuals, Claude Wantz, Düsseldorf (Visualisierung)

Anerkennung: Rita Mettler, Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin

€ 900

StadthofSSMitarbeit: Marek Langner, Helge Kickert, Marcela Garcia, Marine Billet, Johanna Rustad, Katharina Wittchen

Fachberater: Studio C, Nicole Zahner, Berlin (Statik)

Conceptlicht at, Manfred Draxl, Innsbruck

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerbsverfahren in zwei Stufen
Preisgerichtssitzung 04.11.2011
Ort Offenbach/Main
Auslober Magistrat der Stadt Offenbach
Betreuung a:dk Architekten Datz Kullmann
Preisrichter Karl Bauer, Hanne Münster-Voswinkel, Prof. Ariane Röntz, Prof. Albert Speer (Vorsitz), Michael Triebswetter, Lucia Gerharz, Oliver Stirbök, Dominik Mangelmann, Ulla Peppler

Mehr Flair und Ästhetik
Ideen- und Realisierungswettbewerb Umgestaltung „Stadthof“ in Offenbach am Main
Am Rathaus der Stadt Offenbach am Main, erbaut 1971, scheiden sich die Geister. Vielen Bürgern missfällt das gut 70 Meter hohe Gebäude, obwohl dieses als gelungenes Beispiel von Sichtbetonarchitektur gilt und in der Hessischen Denkmalschutzliste steht. Der zeitgleich errichtete, zum Stadtzentrum weisende Vorplatz des Rathauses, der „Stadthof“ mit den beiden Pavillons, die ein Café und die Polizeiberatungsstelle beherbergen, ist hingegen ein bei der Bevölkerung beliebter Treffpunkt. Der Platz soll nun neu gestaltet werden. Hierfür hatte die Stadt einen zweistufigen freiraumplanerischen Ideenwettbewerb ausgerufen und sich jeweils vorab und zwischen den Stufen in Workshops die Meinung der Offenbacher Bürger zur Gestaltung eingeholt.
In der ersten Stufe waren die Wettbewerbsteilnehmer aufgefordert worden, jeweils zwei Vorschläge einzureichen. In einer Version sollten die beiden bestehenden Pavillons erhalten bleiben, in der zweiten Version auf sie verzichtet werden. Aus den von 18 Büros eingereichten Entwürfen waren jeweils fünf für jedes Szenario prämiert worden. Diese zehn Arbeiten waren in der zweiten Stufe des Verfahrens von den Verfassern überarbeitet worden. Die geänderte Vorgabe lautete hier jedoch –  aufgrund finanzieller Aspekte –, die bestehenden Pavillons auf jeden Fall zu erhalten. An den vorbereitenden Gesprächen zum Wettbewerb war die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen mit Gesine Ludwig und Martin Schaper vertreten, die Stadt Offenbach mit Projektleiterin Astrid Tschann. Das Verfahren betreute das Mainzer Büro a:dk Architekten Datz Kullmann.
Das Preisgericht, dessen Vorsitz Prof. Alber Speer, Architekt und Stadtplaner aus Frankfurt am Main übernommen hatte, prämierte die Arbeit der Freiburger Landschaftsarchitektin Gisela Marta Stötzer für ihre „Klarheit, Eindeutigkeit und Stringenz“ mit dem ersten Preis. Ein einheitlicher Belag aus beige-grauen Mainschieferplatten, gegliedert durch helle, schmale Streifen soll die Platzbereiche zusammenfassen. Als Gestaltungselemente setzen die Verfasser vor allem Wasser und Lichtbänder ein. „Wassertische“ mit wahlweise quellendem, in Fontänen sprudelndem oder als Sprühnebel zerstäubtem Wasser sind vor dem Rathaus angeordnet. Schriftbänder, die sowohl Information als auch Schriftkunst zeigen, verweisen auf die Offenbacher Schriftkunst-Tradition. Ein Glaskubus dient als Überdachung zur Tiefgarageneinfahrt, zusätzliche Bäume sowie zahlreiche Sitzgelegenheiten sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen.
Einen „besonders überzeugenden Umgang mit dem Bestand“ attestierte das Preisgericht dem mit dem zweiten Preis ausgezeichneten Entwurf von Ernst + Partner Landschaftsarchitekten gemeinsam mit Michael R. Schwarz, beide aus Trier. Die Arbeit interpretiere die Pavillons als Elemente auf einer ruhigen, zusammenhängenden Platzfläche, die durch weitere Elemente ergänzt und zu einer Gesamtkomposition vervollständigt werden. Auch hier wurde ein – allerdings bodengleiches – Wasserspiel angedacht. Eine Baumreihe soll die südliche Platzkante definieren, ein Holzplateau mit unterschiedlichen Höhenniveaus und integriertem Klangfeld den Spielplatz ersetzen.
Hans-Peter Rohler und Michael Herz (foundation 5+ landschaftsarchitektur) aus Kassel überzeugten das Preisgericht mit dem „gelungenen Versuch, die Heterogenität des Ortes nicht auszugleichen, sondern bewusst zu inszenieren und zu überhöhen.“ Holz, Stein und Wasser sind die prägenden Materialien. Unterschiedliche Höhenniveaus sollen den Platz gliedern und verschiedene Pflasterbeläge die abgesenkten und erhöhten Bereiche farblich differenzieren. Die Verfasser schlagen zudem ein Holzpodest mit Wassertrog vor, das sie zwischen dem Rathaus und dem Pavillon der Polizeiberatungsstelle anordnen. 
Für die Neugestaltung des 6.000 Quadratmeter großen Platzes sind knapp 2,4 Millionen Euro vorgesehen, von denen ein Großteil aus dem Konjunkturprogramm beglichen werden sollen. Im Zuge der Neugestaltung wird zudem die längst überfällige Sanierung der Tiefgarage unterhalb des Rathauses erfolgen.
Noch sind alle drei Preisträger im Rennen und haben die Gelegenheit, ihre Vorschläge erneut zu überarbeiten und zu detaillieren. Anfang 2012 will der Magistrat entscheiden, welches Büro zum Zuge kommen wird. Für den Sommer ist die Aufnahme der Arbeiten – zunächst an der Tiefgarage und im Anschluss auf dem Platz – angestrebt. Ab 2013 soll der neue „Stadthof“ mit mehr Flair und Ästhetik wieder zum Verweilen einladen.