Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Bettenhaus Kreisklinik, Groß-Umstadt

Preisträger

1. Preis: Angela Fritsch, Michael Lube, Thomas Schoppa, Ulrich Krampitz-Mangold, Seeheim-Jugenheim / Darmstadt

€ 94.000

Mitarbeit: Tabea Huth, Andreas Pilot, Frank Scholl, Sebastian Timmermann
Fachberater: ZWP Ingenieure-AG, Wiesbaden (Haustechnik)
TSB Ingenieurgesellschaft mbH, Darmstadt (Brandschutz)

2. Preis: wörner traxler richter Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main

€ 60.000

Petra Wörner, Stefan Traxler, Martin Richter
Mitarbeit: Stephanie Lorey, Björn Bischoff, Martyna Rencia, Markus Hubl
Fachberater: club L94 Landschaftsarchitekten GmbH,
Frank Flor, Jörg Homann, Götz Klose, Burkhard Wegener, Köln

3. Preis: h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 36.000

Albrecht Randecker, Martin Gessert
Mitarbeit: Nicolas Henn, JiaBei He, Khoa Tran, Johannes Krüger, Felix Halder, Mathias Aiple, Lucas Ziegler, Julian Bollinger, Jana Mauser, Carina Paul
Fachberater: Potthoff GmbH, Georg Potthoff, Erkrath (TGA)
silands, Roberto Kaiser, Ulm (Freianlagen)

4. Preis: HDR TMK Planungsgesellschaft, Düsseldorf

€ 20.000

Guido Meßthaler
Mitarbeit: Christine Beilstein, Manfred Hövel, Sebastian Dewerenda, Keyvan Tat
Fachberater: Freianlagenplanung Strauchwerk Landschaftsarchitekten, Düsseldorf

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren.
Preisgerichtssitzung 28.04.2015
Ort Groß-Umstadt
Auslober Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg, Groß-Umstadt
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Jo Eisele (Vorsitz), Andreas Baum, Prof. Thomas Bieling, Prof. Gesche Grabenhorst, Prof. Jean Heemskerk, Dr. Dietrich Kappler, Dr. Michael Ludes, Prof. Rolf Neddermann, Marvin Nieuwenhuis, Prof. Hellmut Raff, Hans Rittmannsperger, Oliver Sorg, Arno Grieger, Dr. Mathias GöbelKlaus-Jürgen Hoffie, Christian Keller, Lutz Köhler, Jens Müller-Laupert, Karl-Heinz Prochaska, Klaus Peter Schellhaas, Dr. Martin Schunck, Marianne Streicher-Eickhoff, Silke Tomini

Schritt für Schritt zum neuen Krankenhaus

Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren „Neubau Bettenhaus Kreisklinik“ Groß-Umstadt

Die Kreisklinik Groß-Umstadt ist in die Jahre gekommen. Das zehnstöckige Haupthaus mit einem angegliederten Erweiterungsbau wurde bereits 1968 in Betrieb genommen. 1997 kam ein weiterer, über eine Brücke angebundener OP-Trakt hinzu, der 2012/2013 nochmals für die Geriatrie aufgestockt wurde. Nach 45 Jahren Krankenhausbetrieb ist der Sanierungsaufwand des Haupthauses inzwischen so erheblich, dass der Landkreis Darmstadt-Dieburg beschloss, die Kreisklinik in Abschnitten an ihrem jetzigen Standort nach und nach neu zu errichten. Für die Entwicklung eines entsprechenden Gesamtkonzepts in drei Bauabschnitten und den Entwurf des ersten Bauabschnittes lobte der Kreis einen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil aus.

Als erster Bauabschnitt ist ein Neubau mit einer Nutzfläche von rund 9.000 Quadratmetern vorgesehen. Aufnehmen soll er die Pflegestationen, Notaufnahme, Teile des Untersuchungs- und Behandlungsbereichs, eine Intensivstation, zwei Kreißsäle und die Küche. Zudem soll er ausreichend Fläche für die komplette Haustechnik der Liegenschaft in den Untergeschossen bieten und eine Hubschrauberlandeplattform auf dem Dach erhalten. Im zweiten Bauabschnitt ist der Rückbau und die Sanierung von Bestandsgebäuden geplant, bevor im dritten Bauabschnitt ein weiterer Neubau mit rund 3.500 Quadratmeter Brutto-Grundfläche entstehen soll.

Über den ersten Preis im ausgelobten Wettbewerb konnte sich die Arbeitsgemeinschaft Angela Fritsch, Michael Lube, Thomas Schoppa, Ulrich Krampitz-Mangold aus Seeheim-Jugenheim und Darmstadt freuen. Sie entwarf zwei sich verschneidende Hofbaukörper, die auf einer zweigeschossigen Sockelebene liegen. Mit dieser „kompakten Gesamtfigur gelingt ihnen ein sensibler Städtebau“ und durch die beiden Innenhöfe entstünden „lichtdurchflutete Räume“, lobte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Jo Eisele. Die Fassade gliedert sich in einen zweigeschossigen Sockelbereich und den darüber liegenden dreigeschossigen Stationsbereich, in dem auskragende Betondecken die horizontale Schichtung betonen und durch Blechsegel ein Relief entsteht, „das mit Tiefe und Schatten spielt“, so die Preisrichter, die die Arbeit zudem für ihre „sehr gute interne Organisationsstruktur“ lobten. Das Entwurfskonzept beschrieben die Preisrichter mit den Attributen: „Auffindbarkeit“, „Orientierung“ und „kurze Wege“ und hoben zudem „die Selbstverständlichkeit der Konzeption, die auch ohne den dritten Bauabschnitt keine fragmentarische Figur bleibt“ hervor. Darüber hinaus stellten sie anerkennend fest, dass die Arbeit die einzige sei, die auf „vollständiger Breite an den Bestand anschließt, und so die Anbindungsprobleme in vorbildlicher Weise löst“.

Der zweite Preis ging an wörner traxler richter Planungsgesellschaft mbH aus Frankfurt am Main. Diese schlug drei gegeneinander versetzte, viergeschossige Baukörper im ersten Bauabschnitt vor, die durch einen vierten im dritten Bauabschnitt ergänzt werden sollen. „Die Baukörper fügen sich maßstäblich ins Umfeld ein und durch die Gliederung erfährt das Bauvolumen eine angenehme Ablesbarkeit“, lobten die Preisrichter. Zudem hoben sie hervor, dass „nach Fertigstellung des dritten Bauabschnittes und Rückbau der Bestandsgebäude eine große Freifläche zur Verfügung steht, die auch für spätere Entwicklungen Potenzial eröffnet“. Neben den städtebaulichen würdigte das Preisgericht die funktionalen Qualitäten des Entwurfs: „Alle Patientenzimmer werden durch den freien Blick in die Landschaft aufgewertet“, „kurze Wege in den Pflegebereichen gewährleisten einen günstigen Pflegebetrieb“ und „die Anbindung an den Bestand wird mit kurzen Wegen erreicht, wobei Betten- und Besucherverkehr getrennt geführt werden“, so die Preisrichter.

Die mit dem dritten Preis ausgezeichnete Arbeit von h4 Gessert + Randecker Generalplaner GmbH aus Stuttgart besteche „durch die Schaffung eines zentralen, verkehrsberuhigten Klinikcampus´“, der von solitären Gebäuden gefasst werde, wodurch „eine Neustrukturierung des Klinikareals mit einer parkähnlichen stadträumlichen Aufwertung gelingt“. Der Neubau des ersten Bauabschnittes ist im südlichen Teil des Grundstücks positioniert. Durch seine geknickte Form „formuliert er eine klare Ausrichtung zur Erschließungsachse des Areals“, erläuterten die Preisrichter, und die, von der Zimmerstraße zurückgesetzte Anordnung ermögliche „eine zurückhaltende Einbindung in die umgebende Bebauung“. Neben der „hohen städtebaulichen Qualität“ hoben die Preisrichter „die qualitätsvolle Durcharbeitung der Fassade“ hervor.

Am Entwurf der HDR TMK Planungsgesellschaft aus Düsseldorf überzeugte das Preisgericht die städtebauliche Einbindung und die Gestaltung der Pflegebereiche. Die Planer schlugen für den ersten Bauabschnitt zwei neue, versetzt angeordnete Baukörper im Süden des Klinikgeländes vor, die „die Raumkanten der Bestandsbauten aufnehmen“, „sich am Maßstab der Bebauung südlich der Zimmerstraße orientieren“ und im Süden „einen Abschluss bilden“, so das Preisgericht. Die Gestaltung der Krankenzimmer entspreche der Qualität von Hotelzimmern. Die Preisrichter zeichneten die Arbeit mit dem vierten Preis aus.

Kerstin Mindermann