Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau DFB-Leistungszentrum und Akademie, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: kadawittfeldarchitektur GmbH, Aachen

€ 38.000

Gerhard Wittfeld, Kilian Kada
Mitarbeit: Yusra Salman, Tim Witte, Gustav Ibing, Sascha Thomas, Andreas Blatschke, Vera Huhn, Markus Schöbs, Tobias Kleinschmidt, Jonas, David Tarek Amir
Landschaftsarchitekten: greenbox Landschaftarchitekten, Köln
Fachberater: Ingenieurbüro Hausladen GmbH, Kirchheim (TGA)
hhpberlin- Ingenieure im Brandschutz GmbH, Braunschweig
WSK Ingenieure GmbH, Berlin (Statik)

 

 

2. Preis: MGF Architekten Mahler Günster Fuchs, mit Jetter Landschaftarchitekten, Stuttgart

€ 28.000

Armin Günster, Hartmut Fuchs, Jan Kliebe, Josef Hämmerl, Frank Jetter
Mitarbeit: Andreea Porosnicu, Tim Fügmann, Lukas Pauw, Ege Baki, Jonas Faber

3. Preis: Schulz & Schulz Architekten GmbH, Leipzig, mit ST raum a. Gesellschaft von Landschaftarchitekten mbH, Berlin

€ 19.000

Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Tobias Micke
Mitarbeit: Hannes Pohlmann, Raphael Hilz, Masafumi Oshiro, Maximilian Schob
Fachberater: Seeberger Friedl Planungsgesellschaft mbH, Hermann Seeberger, München (Tragwerksplanung)
Priedemann Fassadenberatung GmbH, Wolfgang Priedemann, Berlin (Fassadenplanung)
Brandschutz Consult Ingenieurgesellschaft mbH, Monika Rosemann, Leipzig (Brandschutzplanung)
ee concept GmbH, Thomas Stark, Darmstadt (Planung Energie und Nachhaltigkeit)

4. Preis: agps Marc Angélil, Sarah Graham, Manuel Scholl, mit Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR, Düsseldorf

€ 10.000

Marc Angélil, Manuel Scholl, Markus Gnüchtel
Mitarbeit: Matej Draslar, Lena Paul, Andreas Fößler, Maged El Sadek, Frederick Kim, Yvonne Lütke
Fachberater: TRANSSOLAR energietechnik GmbH, Matthias Schuler, Stuttgart
CL MAP GmbH, Martin Haptum, München (Masterplanung, Architektur, Projektmanagement)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 18.05.2015
Ort Frankfurt/Main
Auslober DFB e.V., Frankfurt/Main
Betreuung C4C competence for competitions achatzi dahms GbR, Berlin
Preisrichter Prof. Ulrike Lauber (Vorsitz), Guido Hager, Arthur Numrich, Amandus Sattler, Prof. Zwonko Turkali, Prof. Tobias Wulff, Olaf Cunitz, Peter Feldmann, Wolfgang Niersbach, Helmut Sandrock, Oliver Bierhoff, Reinhard Grindel

Der DFB wünscht es offen und kommunikativ

Nichtoffener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb für den Neubau der Akademie und Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt/Main

Der Deutsche Fußballbund (DFB) plant einen neuen Hauptsitz, in dem er seine Zentralverwaltung und seine Akademie zusammenführen will. Ziel ist es, durch die „Nähe im Alltag“ Synergieeffekte zu generieren. Der Neubau soll auf dem Grundstück der jetzigen Galopprennbahn im Süden von Frankfurt/Main entstehen, was zunächst für Proteste sorgte, da die jetzigen Nutzer – die Betreiber der Rennbahn und einer Golfanlage – das Grundstück ebenfalls weiter nutzen wollen. Eine Bürgerinitiative formierte sich gegen den Neubau und erwirkte einen Bürgerentscheid, der jedoch die erforderliche Mehrheit nicht erreichte, so dass der DFB nun voraussichtlich wie geplant das Grundstück ab Januar 2016 für 99 Jahre in Erbbaupacht erwerben wird.

Im südlichen Bereich der jetzigen Pferderennbahn stehen  dann eine rund 15 Hektar große Fläche sowie zusätzlich eine etwa fünf Hektar große Erweiterungsfläche für den DFB-Neubau zur Verfügung. Im nördlichen Teil ist ein Bürgerpark als ökologische Kompensationsfläche vorgesehen und im Westen existiert bereits ein Hotel, das städtebaulich in das Neubauvorhaben integriert werden soll, ohne dass es wie ein Bestandteil des DFB-Standortes wirkt. Das DFB-Hauptquartier wird im Wesentlichen vier Nutzungsbereiche beinhalten: die zentrale Verwaltung, die Akademie mit Sportstätten, Serviceeinrichtungen sowie gemeinsam genutzte „allgemeine Bereiche“. Für einzelne Nutzungen sind bereits beim Neubau Erweiterungsmöglichkeiten mit zu berücksichtigen.

Nach Beratung durch Joachim Klie, Vorsitzender des Wettbewerbsausschusses der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, und Gesine Ludwig, Referentin für Vergabe und Wettbewerbe der Kammer, lobte der DFB für den Neubau einen nichtoffenen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb aus und lud dazu 30 internationale Architekturbüros ein. Für die zweite Bearbeitungsphase sah die Auslobung die Zusammenarbeit mit einem Landschaftsarchitekten vor.

Den ersten Preis erhielten kadawittfeldarchitektur aus Aachen. Sie entwarfen ein dreigeschossiges Gebäude, in dem der Sport „fast allgegenwärtig ist“, lobte das Preisgericht. Das gesamte Flächenprogramm, einschließlich der Erweiterungsoptionen, platzierten die Planer innerhalb des 15 Hektar großen Kerngrundstücks. Das Gebäude sei dabei „klar und übersichtlich“ entlang einer mittig verlaufenden Magistrale entwickelt und die Erschließungswege böten eine „sehr offene und kommunikationsfördernde Atmosphäre“ mit „vorbildlichen Sichtbeziehungen zu den Sportfeldern“, vermerkte das Preisgericht. Die Grundrisse seien „in Bezug auf Funktionalität, Bereichsbildung und Flexibilität gut durchgearbeitet“ und „die Erweiterungsflächen richtig zugeordnet“. Dem Preisgericht gefiel darüber hinaus, dass der Neubau anstatt eines „großen repräsentativen Auftritts“, durch die „Fassadenrhythmik und die ausgreifenden Dächer eine eher einladende, fast familiäre Atmosphäre“ ausstrahle. Der Neubau füge sich darüber hinaus „aufgrund seiner relativ geringen Höhe gut“ in die umgebende Bebauung ein und integriere das Hotel „gut und ohne Beeinträchtigungen durch den Sportbetrieb in seine Gesamtstruktur“, so das Preisgericht. Insgesamt handele es sich „um einen herausragenden Entwurf, der nicht nur den Belangen des Auslobers inhaltlich in hohem Maß entspricht und einen hervorragenden Beitrag zur Einheit von Sport und seinen Begleitfunktionen anbietet, sondern sich auch in außergewöhnlicher Art städtebaulich maßstäblich präsentiert und integriert“, so das Fazit der Preisrichter. Dem Auslober empfahl das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Ulrike Lauber einstimmig, kadawittfeldarchitektur unter Berücksichtigung der Hinweise aus dem Beurteilungstext, mit den in der Auslobung in Aussicht gestellten Leistungen zu beauftragen. Als Fachberater waren greenbox Landschaftsarchitekten aus Köln am Entwurf beteiligt.

„Auf überraschend einfache Weise“ gelinge es MGF Architekten Mahler Günster Fuchs aus Stuttgart, „mit einem linearen Baukörper das heterogene Umfeld zu ordnen und die vorgefundenen Qualitäten des Ortes herauszuarbeiten“, lobte das Preisgericht und zeichnete den Entwurf mit dem zweiten Preis aus. Der überwiegend zweigeschossige Neubau sei „eindeutig und maßstäblich zum angrenzenden Quartier orientiert“, baue „zugleich eine sinnvolle Distanz“ zu dieser auf und binde das Hotel „gut in die Gesamtanlage ein“. Durch die Positionierung entstehe im östlichen Teil des Grundstücks „eine großzügige, zusammenhängende Grünfläche“, die „ganz beiläufig“ den Stadtwald einbinde. Ebenfalls positiv hob das Preisgericht das weit auskragende Dach hervor, das „eine sinnfällige Adresse“ bilde und dem Haus gleichzeitig „eine schwellenlose, einladende Geste“ verleihe. „Transparenz, Offenheit und Entspanntheit“ bestimmten den Charakter des Hauses, so das Preisgericht. Das treffe auch auf die innere Erschließung zu: Diese sei „sehr großzügig und luftig organisiert“ und erlaube immer wieder „direkte Bezüge zu den angrenzenden Grünräumen, Spielfeldern und der beeindruckenden Skyline der Stadt“. Letztendlich überzeugte der Entwurf die Preisrichter durch seine „im positiven Sinne ambivalente Haltung“: Einerseits "sei der Neubau sehr behutsam und präzise, ... mit bescheidenem Auftritt in die stadt- und landschaftsräumliche Situation eingebunden, andererseits ein Haus, das durch seine Fernwirkung eine unverwechselbare Geste und kraftvolle, elegante Präsenz“ entwickle, so die Preisrichter. Bei dem Entwurf arbeiteten die Architekten mit Jetter Landschaftsarchitekten aus Stuttgart zusammen.

„Die Idee, die Bedeutung des DFB mit einer städtebaulichen Großform zu manifestieren“, überzeugte die Preisrichter am Entwurf von Schulz & Schulz Architekten aus Leipzig. Die gewünschte Einheit von Zentralverwaltung und Akademie werde so „gelungen hergestellt“. Im Süden schaffe der gebogene Kopfbau einen „klar formulierten“ Eingang mit großem Vorplatz und die lang gestreckte, geknickte Gebäudeform „umschließe förmlich“ die Sportfelder, so die Preisrichter. Dadurch seien auch die Freiflächen „gut integriert und von allen Funktionsbereichen aus gut einsehbar“. Zudem hoben die Preisrichter hervor, dass die Orientierung in dem linearen Gebäude „grundsätzlich gut gelöst“ sei. Die Arbeit wirke „gut organisiert und funktional“, so das Preisgericht, das den Entwurf mit dem dritten Preis auszeichnete. Beteiligt waren „ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten“ aus Berlin.

agps aus Zürich erhielten den vierten Preis. Sie entwarfen einen sternförmigen Solitär mit einem Gebäudearm für jede Nutzung. So werde eine „klare Orientierung“ erzielt, betonte das Preisgericht, und im Zentrum seien alle Funktionsbereiche „gut miteinander vernetzt“. Die variablen Höhen und Breiten der einzelnen Gebäudeteile entsprächen den unterschiedlichen Anforderungen und generierten „differenzierte Atmosphären in den Zwischenbereichen und Höfen“. „Gelungen“ sei auch, wie zwei dieser Gebäudearme die Sportflächen „einfassen“. Insgesamt sei die vorgeschlagene Lösung „ein interessantes und innovatives Konzept“ für den neuen DFB-Hauptsitz, so das Fazit des Preisgerichts. Am Entwurf arbeiteten Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten, Düsseldorf, mit. 

Auch der DFB zeigte sich zufrieden mit dem Wettbewerb und den Ergebnissen: Oliver Bierhoff, Manager der Herren-Nationalmannschaft und Initiator sowie Projektleiter des geplanten Neubaus, betonte, dass es kadawittfeldarchitektur „zu 100 Prozent“ gelungen sei, „den DFB und die DFB-Akademie gemeinsam gut darzustellen“. Und auch Stefan Hans, stellvertretenden Generalsekretär des DFB, wies bei der offiziellen Preisverleihung auf die "beeindruckende Vielfalt und Qualität der Entwürfe“ hin.

Kerstin Mindermann