Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohnhochhaus Baufeld 26 Nord, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: KSP Jürgen Engel Architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 34.000

Jürgen Engel
Mitarbeit: Christopher Hammerschmidt, Drazan Mateljak, Mario Dinev, Bo Li, Jennifer Ester, Ornella Herglotz-Clappier, Gabriele Keller, Han, Yeol Baek, Annina Erdelmeier, Yunpeng Ma
Fachberater: FSWLA Landschaftsarchitektur, Düsseldorf (Landschaftsplanung)
Lemon Consult GmbH, Zürich (Haustechnik)
Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart (Tragwerksplanung)

2. Preis: HPP Hentrich-Petschnigg & Partner GmbH + Co. KG, Düsseldorf

€ 18.000

Joachim H. Faust
Mitarbeit: Antonino Vultaggio, Celio Gonzalez, Blanca Ulzurrun, Anna Grishina, Sebastian Seibold
Fachberater: Corall Ing. GmbH, Meerbusch (Brandschutz)
Kraftraum Landschaftsplanung und Stadtentwicklung, Krefeld (Landschaftsplanung)
Projekt AG, Frankfurt/Main (TGA + ELT)
Schüssler-Plan-Ingenieurgesellschaft mbH, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung)

3. Preis: B&V Canton Architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 6.000

Sergio Canton
Mitarbeit: Oliver Lommel, Lucia Righetto
Fachberater: SHK-Landschaftsarchitekten GmbH, Gießen (Landschaftsplanung)
Engelbach & Partner Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main (Statik)
DS-Plan GmbH, u.a. Frankfurt/Main (Energie)
Hilla - Sachverständigenbüro für vorbeugenden Brandschutz, Frankfurt/Main

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener einphasiger Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs, gemäß RPW 2013
Preisgerichtssitzung 21.04.2015
Ort Frankfurt/Main
Auslober Baufeld 26 Nord Projektgesellschaft mbH, Dreieich
Betreuung PROPROJEKT Planungsmanagement & Projektberatung GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Martin Hunscher, Prof. Markus Neppl, Andreas Neubauer, Dr. Erik Boska, Frank Hartmann, Dr. Elmar Schütz

„Eigenständiger Charakter“
Wohnhochhaus Baufeld 26 Nord

Auf dem Areal des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs in Frankfurt am Main entsteht derzeit das Europaviertel, ein rund 90 Hektar großes, innerstädtisches Quartier. Eines der letzten noch unbeplanten Grundstücke auf dem ein Wohnhochhaus zulässig ist, ist das Baufeld 26 Nord. Es liegt in zweiter Reihe an der Ecke Niedernhausener Straße/Hattersheimer Straße und ist 2.880 Quadratmeter groß. Neben dem 57 x 16 Meter großen Baufenster im nördlichen Bereich, in dem eine Bebauungshöhe von 60 Metern möglich ist, sieht der Bebauungsplan auf dem restlichen Grundstück eine geschlossene Bauweise mit fünf ggfs. sechs Vollgeschossen vor.

Ziel des nichtoffenen Realisierungswettbewerbs, zu dem der Auslober, die Baufeld 26 Nord Projektgesellschaft mbH, sechs Architekturbüros eingeladen hatte, war die Entwicklung eines architektonisch ansprechenden wirtschaftlichen Entwurfs mit mindestens 18.500 Quadratmetern Brutto-Grundfläche und 170 bis 190 Wohneinheiten. Im Hochhaus wünschte sich der Auslober vor allem 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen, inkl. der Möglichkeit, diese nachträglich zusammenzulegen, und im Sockelbereich größere Wohnungen sowie Townhouses.

Der Entwurf von KSP Jürgen Engel Architekten aus Frankfurt am Main überzeugte das Preisgericht unter Vorsitz von Professor Zvonko Turkali städtebaulich sowie durch „seine prägnante Gestalt“ und sein „vielfältiges, detailliert herausgearbeitetes, qualitätsvolles Wohnungsangebot“. Die Architekten schlugen ein sechsgeschossiges Sockelgeschoss vor, das im Süden dreiseitig einen Hof umfasst und im Norden auf 20 Geschosse anwächst. Die Abstufung des Hochhauses im Westen werteten die Preisrichter als „guten Lösungsansatz im Umgang mit der Abstandsflächenproblematik“, zudem hoben sie die Überleitung der Rücksprünge in großzügige Terrassen hervor: Das Haus entwickle dadurch einen „eigenständigen Charakter und eine Selbstverständlichkeit“. Die Gebäudestruktur mit einem Kernbereich, der Erschließung und Nassräume beinhaltet, und angrenzenden Aufenthalts- und Schlafbereichen werteten die Preisrichter ebenfalls positiv. Die offenen Wohnungsgrundrisse hätten zudem „angemessene Raumgrößen“ und im Hochhaus gebe es nur wenige reine Nordwohnungen, vermerkte das Preisgericht anerkennend und zeichnete den Entwurf mit dem ersten Preis aus.

Der zweitplatzierte Entwurf von HPP Hentrich-Petschnigg & Partner GmbH + Co. KG aus Düsseldorf gliedert sich in ein 20-geschossiges Hochhaus, das sich im Westen mit einem farblich abgesetzten sechsgeschossigen Querriegel verzahnt, sowie ein niedriges Hofhaus. Die Abstandsflächenproblematik im Westen sei „gut gelöst“, attestierte das Preisgericht, das zudem die „klar organisierte innere Erschließung“ mit kurzen Wegen und die „sehr gut organisierten“ Grundrisse, die „eine hohe Wohnqualität“ aufwiesen, hervorhob. Der modulare Aufbau und die „klare Zonierung“ – ein Kernbereich mit Erschließung und Nassräumen sowie außenliegende Aufenthalts- und Schlafbereiche – überzeugte das Preisgericht ebenfalls.

Mit dem dritten Preis wurde der Entwurf von B&V Braun Canton aus Frankfurt am Main ausgezeichnet. Das Preisgericht lobte insbesondere die innere Organisation und die Erschließung des Gebäudes: Die Grundrisse „weisen kurze Erschließungswege und -flure auf“, das zweigeschossige Foyer mit direktem Zugang zum Innenhof sei „sehr großzügig und repräsentativ“, die Wohnungsgrundrisse „gut strukturiert“ und „funktional“ und trotz der umlaufenden Loggien wiesen die Wohnungen, aufgrund der moderaten Grundrisstiefe und der großen Fensteröffnungen, „eine gute natürliche Belichtung auf“.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der, mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit der weiteren Bearbeitung, unter Berücksichtigung der in der Beurteilung genannten Kritikpunkte, zu beauftragen. Insbesondere regten die Preisrichter eine differenziertere Gestaltung von Sockel- und Hochhausbereich auf der Nordseite, die Ablesbarkeit der Treppenhäuser in der Fassade und eine separate Erschließung der, nach Süden orientierten Gebäuderiegel an.

Bereits 2016 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Wohnungsnachfrage übersteigt in Frankfurt seit Jahren das Angebot; rund 180 Suchende werden sich also in nicht allzu ferner Zukunft freuen können.

Kerstin Mindermann