Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wettbewerb "Messehalle 12", Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: kadawittfeldarchitektur GmbH, Aachen

€ 100.000

Fachberater:Werner Sobek Frankfurt GmbH & Co. KG (Tragwerk, Energiedesign), Frankfurt/Main
Kofler Energies Ingenieurgesellschaft mbH (Haustechnik), Frankfurt/Main
BFT Cognos GmbH (Brandschutz), Aachen
greenbox landschaftsarchitekten (Freiraumplanung), Köln
BSV Büro für Stadt- & Verkehrsplanung, Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH (Verkehrsplanung), Aachen

2. Preis: sauerbruch hutton, Berlin

€ 60.000

Werner Sobek Frankfurt GmbH & Co. KG (Tragwerksplanung), Frankfurt/Main
INNIUS RR GmbH (TGA-Planung), Rosbach v.d.H.
hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Niederlassung Frankfurt/Main

3. Preis: Dietz Joppien Architekten AG, Frankfurt/Main

€ 45.000

Werner Sobek Frankfurt GmbH & Co. KG, Dr.-Ing. Jörg Dietz (Tragwerk + Energie), Frankfurt/Main
HL-Technik Engineering Partner GmbH, Prof. Dr.-Ing. e.h. K. Daniels (Haustechnik), München
hhpberlin, Dr. Ansgar Gietmann (Brandschutzberatung), Frankfurt/Main
Rose Fisch Landschaftsarchitektur (Landschaftsplanung), Berlin

Anerkennung: Anttinen Oiva Architects, Helsinki

€ 18.000

Fachberater: Bollinger + Grohmann Ingenieure, Klaus Bollinger, Kim Boris Löffler, Frankfurt/Main
Schneider+Schumacher Architekten, Ralf Seeburger, Christian Simons, Oliver Hilla, Frankfurt/Main
IB Hausladen, Julian Janßen, Kirchheim

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Zweiphasiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2013 mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb
Preisgerichtssitzung 10.09.2014
Ort Frankfurt/Main
Auslober Messe Frankfurt Venue GmbH, Frankfurt/Main
Betreuung AS&P - Albert Speer & Partner GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Barbara Ettinger-Brinkmann, Prof. Bernd Scholl, Monika Weber-Pahl, Olaf Kühl, Martin Hunscher, Dr. Michael Kummer, Jürgen Engel, Uwe Behm

Eine neue Halle für die Messe Frankfurt

Zweiphasiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb

Die Messe Frankfurt ist eines der weltweit führenden Messeunternehmen, auf dessen Gelände in Frankfurt/Main sich derzeit zehn Hallen und ein angeschlossenes Kongresszentrum befinden. Auf dem Messeareal soll nun mit der Halle 12 ein weiteres, zweigeschossiges Gebäude mit rund 37.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, Foyers sowie notwendigen Neben- und Parkflächen entstehen. Der Standort der neuen Halle, die auch die Via Mobile – ein verglastes, die Hallen des Messegeländes miteinander verbindendes Transport-System mit Laufbändern und Rolltreppen – aufnehmen soll, ist im Südwesten in unmittelbarer Nähe zum Tor West vorgesehen.

Im zweiphasigen, nichtoffenen Realisierungswettbewerb für den Neubau waren im ersten Schritt zehn Planungsbüros zur Teilnahme am Wettbewerb eingeladen, weitere zehn Büros in einem öffentlichen Bewerbungsverfahren hinzugewählt worden. Aus den Konzeptstudien dieser 20 Büros wählte ein Preisgericht sechs Entwürfe zur Weiterbearbeitung in die Endausscheidung. Die Finalteilnehmer waren AOA Anttinen Oiva Arkkitehdit Oy aus Helsinki (Finnland), Behnisch Architekten aus Stuttgart, Dietz Joppien Architekten AG aus Frankfurt/Main, kadawittfeldarchitektur GmbH aus Aachen, Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten GmbH aus Berlin sowie Waechter + Waechter aus Darmstadt.

Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen hatte die Messe Frankfurt Venue GmbH bei der Auslobung des Verfahrens unterstützt, Betreuerin des Wettbewerbs war die AS&P - Albert Speer & Partner GmbH, Frankfurt am Main. Das Preisgericht, unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali, vergab nach der zweiten Runde, in der die sechs ausgewählten Büros ihre Ideen überarbeitet hatten, jeweils einen ersten, zweiten und dritten Preis sowie eine Anerkennung.

Rang eins ging an das Büro kadawittfeldarchitektur. Dessen Beitrag überzeugte die Preisrichter vor allem durch seine "sehr klare und kompakte Konzeption". Das Gebäude sei von "eigenständiger, unverwechselbarer sowie angemessener Gestalt". Die Verfasser präsentierten ein zweigeteiltes Gebäude – der eigentlichen Messehalle wird im Süden ein Parkhaus angelagert –, das sie mit einer wie ein Deckel "übergestülpten", strukturierten Fassade zu einer Einheit zusammenfassen. Aus dieser Fassade sind vom unteren Rand her umlaufend verschieden große, zackenförmige Öffnungen herausgeschnitten. Die eigenständige Parkhauslösung diskutierten die Preisrichter kontrovers. Die durch die Trennung erzielte Stützenfreiheit der oberen Hallenebene ermögliche zwar eine größere Flexibilität bei der Nutzung, sei aus Sicht der Auslober aber "nicht zwingend erforderlich". Positiv bewerteten sie den deutlich erkennbaren Verlauf der Via Mobile und die "Messeallee".

Sauerbruch Hutton erhielten den zweiten Preis für ihren "hervorragend durchgearbeiteten Entwurf" und die "hochwertige architektonische Gestaltung" sowohl außen als auch innen. Das Preisgericht zeigte sich beeindruckt vom "unverwechselbaren Innenraum für die Foyers und Via-Mobile-Bereiche" und deren Aufenthaltsqualitäten. Es diskutierte die Gestaltung der Foyers jedoch hinsichtlich ihrer Angemessenheit und des Erstellungsaufwands, da das Raumerlebnis nur bei starker Frequentierung erreicht werde, die Regelnutzung der Halle aber eher kleinere Veranstaltungen seien.

Den dritten Preis vergaben die Preisrichter an Dietz Joppien Architekten, deren Arbeit sie vor allem aus städtebaulichen Gesichtspunkten überzeugte. Den Verfassern gelinge es, "die beiden auf das Baufeld einwirkenden Entwicklungsrichtlinien der bestehenden Raumkanten geschickt aufzunehmen und die gesamte Situation zu harmonisieren". Kritisch wertete das Preisgericht den "sehr großen 'Fußabdruck'" des geplanten Gebäudekomplexes, den stark reduzierten Freiraum und die ungünstigen Zuschnitte des Parkdecks sowie der Foyerzonen.

Für ihre "Messehalle mit zeitloser Eleganz" konnten AOA Anttinen Oiva Arkkitehdit Oy eine Anerkennung verbuchen. Ihr kompakter Entwurf zeige ein "angemessenes, durchgängig sympathisches Erscheinungsbild", so das Urteil der Preisrichter. Sie zeigten sich jedoch weniger überzeugt vom hohen Büroanteil und dem gewählten Konzept für die Haustechnik.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, das Projekt auf der Grundlage des mit dem ersten Preis prämierten Entwurfs zu bearbeiten, der jedoch den Empfehlungen entsprechend zu prüfen und zu optimieren sei.

Katja Klenz