Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Albert-Schweitzer-Schule, Mainz-Kostheim

Preisträger

1. Preis: AFF architekten - Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

€ 19.500

Sven Fröhlich
Mitarbeit: Sascha Schulz, Marie Page, Sina Riedlinger, Thea Cheret, Guillaume De Vore
Fachberater: Stefan Bernard, Mitarbeit: Fabian Lux (Landschaftsarchitekten)

1. Preis: ssp planung gmbh, Waldkirchen

€ 19.500

Helmut Streit, Alex. Sonnleitner
Mitarbeit: Volker Killian, Katja Franzesko

3. Preis: Atelier 30 Architekten GmbH, Kassel

€ 11.000

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeit: Anika Schmidt, Jelena Savic, Yunus Coskun, Sabrina Creutzig, Christian Stürmer, Virginia Gutiérrez Pascal
Fachberater: Mann Landschaftsarchitektur, Tobias Mann, Fulda

Anerkennung: Ludwig Schwöbel, Mannheim

€ 3.800

Mitarbeit: Arnulf Bank, Alexander Jungk, Tobias Wittig

Anerkennung: Birk, Heilmeyer und Frenzel Gesellschaft vor Architekten mbH, Stuttgart

€ 3.800

Stephan Birk, Liza Heilmeyer, Martin Frenzel
Mitarbeit: Felix Fritz, Timo Sprengel, Hanna Weber.
Fachberater: Studio Grijsbach Landschaftsarchitektur, Bergisch-Gladbach

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren gemäß RPW 2013
Preisgerichtssitzung 27.06.2014
Ort Mainz-Kostheim
Auslober Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden
Betreuung Werkstadt Architekten + Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Peter Maurer, Prof. Roland Burgard, Prof. Hilde Leon, Angela Bezzenberger, Sigrid Möricke, Kay Römer, Walter Losem, Dr. Vera Gretz-Roth

Neubau mit Doppelfunktion

Realisierungswettbewerb "Albert-Schweitzer-Schule"

Die Albert-Schweitzer-Schule im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Ziel ist es, die rund 130 Schüler, die in insgesamt zehn Klassen unterrichtet werden, so zu fördern, dass sie den Hauptschulabschluss erreichen. Seit 2002 ist die Schule zudem auch ein sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum. Das derzeitige Schulgebäude befindet sich jedoch in einem sehr schlechten baulichen Zustand und der aktuelle, räumlich beengte Standort bietet zudem keine substantiellen Erweiterungsmöglichkeiten.

Nun soll am nordöstlichen Ortsrand Kostheims in unmittelbarer Nähe zur Krautgartenschule und zur Kita Rübenberg ein Neubau für die Albert-Schweitzer-Schule entstehen. Der nichtoffenen Realisierungswettbewerb hierfür war vom Magistrat der Stadt Wiesbaden ausgelobt worden. Das Büro WerkStadt Architekten aus Darmstadt hatte das Verfahren betreut. Das Preisgericht, dem der Frankfurter Architekt Prof. Zvonko Turkali vorsaß, vergab unter den 23 eingereichten Entwürfen zwei erste Preise, einen dritten Preis und fünf Anerkennungen. Jeweils ein erster Preis ging an die Architekturbüros AFF Architekten, Berlin, sowie ssp planung gmbh, Waldkirchen, den dritten Preis erhielt die Kasseler Atelier 30 Architekten GmbH. Anerkennungen vergaben die Preisrichter an Schwöbel + Partner aus Mannheim, Birk, Heilmeyer und Frenzel aus Stuttgart, grupo aranea aus Alicante (Spanien), Gerber Architekten aus Dortmund und BKSP Architekten aus Hannover.

Auch zukünftig soll die Albert-Schweitzer-Schule an ihrem neuen Standort eine Doppelfunktion erfüllen. Sie soll als Unterrichtsstätte für 120 bis 160 Schüler dienen sowie als Beratungszentrum, das stadtweit den gemeinsamen Unterricht von nicht-beeinträchtigten und behinderten Schülern steuert. Beste Voraussetzungen hierfür lieferte nach Ansicht des Preisgerichts der Entwurf von AFF Architekten. Die Arbeit zeichne sich durch „ihren konzeptionellen Ansatz, ihre räumliche Qualität sowie durch ihren architektonischen Ausdruck" aus. Die Verfasser platzierten den gesamten Schulkomplex inklusive Sporthalle kompakt auf dem Grundstück. Drei versetzt angeordnete, dabei miteinander verbundene Baukörper bilden das Schul- und Verwaltungsgebäude mit Cafeteria, Mensa und Mehrzweckraum. Etwas abgesetzt ist in einem vierten Baukörper die Turnhalle untergebracht. Nach Ansicht der Preisrichter entstehen durch diese Anordnung großzügige, dabei differenzierte Freiräume. Sie lobten die übersichtliche innere Konzeption, flexible Nutzbarkeit und große Offenheit. Letztere hinterfragten sie jedoch hinsichtlich der Akustik und der Auswirkungen auf die Nutzung. Die vorgeschlagenen Holzlamellenfassaden seien zwar ein "bekanntes Motiv", an dieser Stelle jedoch gut als durchlaufendes Band im ersten Obergeschoss eingesetzt, so die Preisrichter. Insgesamt erkannten sie in der Arbeit ein "gestalterisch und funktional sicheres, gut durchdachtes Konzept".

Auch der Entwurf des Büros ssp planung gmbh überzeugte die Preisrichter. Ihrer Ansicht nach entwickelten die Verfasser ein "unverwechselbares Schulbauvolumen, das in Form und Geste die Bedeutung als öffentliches Gebäude herausstellt". Ein langgestreckter, zweigeschossiger Baukörper bietet im Erdgeschoss Platz für die öffentlichen und halböffentlichen Bereiche. Im auskragenden Obergeschoss liegen die Klassen- und Verwaltungsräume. Loggien, Laubengänge und Dachterrassen gliedern das Bauvolumen und bieten direkte Verbindungen zum Vorplatz, zu den Höfen und den Freibereichen. Die große Auskragung über dem Haupteingang zum Vorplatz hin definiere eine eindeutige Adresse und entwickle eine einladende Geste, so das Preisgericht. Es zweifelte aufgrund "konstruktiv und bauphysikalisch anspruchsvoller Anschlussdetails" jedoch teilweise an einer wirtschaftlichen Realisierbarkeit des Entwurfs.

In Form und Anordnung der Baukörper ähnelt der drittplatzierte Entwurf von Atelier 30 Architekten der Arbeit von AFF Architekten. Auch hier sind drei versetzte, miteinander verbundene Baukörper für die Klassen- und Verwaltungsräume sowie die Räume der Schulsozialarbeit und die Mensa vorgesehen. Im Gegensatz zu den Berlinern platzieren Atelier 30 Architekten die Turnhalle jedoch nicht nördlich, sondern südlich des Schulgebäudes. Positiv werteten die Preisrichter die Öffnung der Schule zum Viertel hin und die "große Flexibilität für denkbare zukünftige Veränderungen".

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die beiden erstplatzierten Arbeiten als Grundlage für die weitere Entwicklung zu nehmen und deren Verfasser aufzufordern, die Entwürfe hinsichtlich der Anmerkungen und einer wirtschaftlicheren Umsetzung zu überarbeiten.

Katja Klenz