Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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"Dorf trifft Stadt" – Gestaltung des öffentlichen Raums der Innenstadt Viernheim

Preisträger

2. Preis: bbz landschaftsarchitekten bern gmbh, Bern (CH)+Collignon Architektur u. Design GmbH, Berlin

€ 12.000

Timo Herrmann, Olivier Collignon
Mitarbeit: Moritz Alt, Vinzenz Gurtner, Christoph Rohm, Adrian Weber

2. Preis: Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin

€ 12.000

Rita Mettler
Mitarbeit: Helge Kickert, Marek Langner, Christine Guerard, Jakob Kastner, Marcela Garcia, Jeniffer Winkelmann
Fachberater: conceptlicht at, Manfred Drakl, Mils/Innsbruck (A)

3. Preis: Bauer Landschaftsarchitekten, Karlsruhe

€ 7.000

Willi Hildebrandt
Mitarbeit: Gabriele Rimbach-Ganter, Günter Platte, Alina Andreas, Antonia Fleischle

Anerkennung: r + b landschaftsarchitektur, Dresden

€ 3.000

Jens Rossa, Sonja Rossa-Banthien
Mitarbeit: Sophia Till, Susanne Adolphi

Anerkennung: WES & Partner Landschaftarchitekten - Schatz Betz Kaschke Wehberg-Krafft, Berlin

€ 3.000

Michael Kaschke, Hans-Hermann Krafft
Mitarbeit: Henriette Henning, Maria Gehrmann, Jana Mattusch
Fachberater: Felix Holzapfel-Herziger Landschaftsarchitektur, Hamburg (Perspektiven)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, landschaftsplanerischer, offener Realisierungswettbewerb gem. RPW 2008 mit anschließendem Verhandlungsverfahren nach VOF
Preisgerichtssitzung 27.01.2011
Ort Viernheim
Auslober Magistrat der Stadt Viernheim
Betreuung goedeking architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Rüdiger Brosk (Vorsitz), Corinna Endreß, Jörg Michael Haas, Prof. Jean Heemskerk, Matthias Baaß, Martin Ringhof, Corinna Schierz

Reduziert und aufgeräumt
Gestaltung des öffentlichen Raumes der Innenstadt Viernheim

Viernheim putzt sich heraus: Nach zwei bereits 2008 und 2010 durchgeführten Wettbewerben – zum Grünraum der Stadt und zur Umgestaltung des Rathauses – ist nun der Kernbereich an der Reihe. Die Innenstadt, die der Viernheimer Baudezernent derzeit als nur bedingt attraktiv bezeichnet und die wenig Anziehungskraft auf die Bevölkerung ausübt, soll verschönert werden.

Hierfür hatte der Magistrat der Stadt einen offenen, einstufigen landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb ausgelobt, der von Goedeking Architekten aus Frankfurt am Main betreut wurde. Dieser soll nun dazu beitragen, die Innenstadt sukzessiv aufzuwerten, umzugestalten und zu erneuern, um Viernheim als „multifunktionalen Standort zu stärken und weiter zu entwickeln“ und eine urbane, nachhaltig belebte Stadtmitte zu gestalten. Gefordert waren der Umbau der Fußgängerzone und ihrer Randbereiche, die Umgestaltung des Rathaus-Quartiers und des Apostelplatzes sowie ein strukturell-funktionales und gestalterisches Entwicklungskonzept für den Kernbereich.

Unter den 41 eingereichten Arbeiten konnte das Preisgericht unter Vorsitz von Rüdiger Brosk jedoch keinen eindeutigen Sieger ausmachen und entschied sich für die Vergabe von zwei zweiten und einem dritten Preis sowie drei Ankäufen.

Die Berner bbz Landschaftsarchitekten zusammen mit Collignon Architektur und Design GmbH aus Berlin wurden für ihre „ruhige und durchgearbeitete Gestaltung des gesamten öffentlichen Raumes“ und das Angebot eines robusten Gestaltungsrahmens von den Preisrichtern mit einem zweiten Preis bedacht. Der von den Verfassern vorgeschlagene, farblich einheitliche Belag aus Granitstein und Werkstein mit Granitvorsatz fasse den Stadtkern visuell und gestalte ein „einheitlich städtisches Parkett mit guter Zonierung und Orientierung“. Besonders würdigten die Preisrichter die großformatigen Granitbänder, die die reduzierte Stadtmöblierung und Bäume aufnähmen und „positiv zur ruhigen Ordnung im intensiv genutzten Straßenraum“ beitrügen. Kritik äußerten sie hingegen an der Anordnung der Großbäume auf den Plätzen hinsichtlich deren Nutzung für Veranstaltungen und am Beleuchtungskonzept.

Ein weiterer zweiter Preis ging an Mettler Landschaftsarchitektur aus Berlin, die ebenfalls Granit als Bodenbelag vorschlagen und diesen mit bronzefarbenen Ausstattungselementen wie Sitzbänke und Baumroste kombinieren. Die Planungsidee lebe von der „Wertigkeit und Klarheit der Materialien, deren Farbnuancen und der Lebendigkeit“. Das „Spiel mit den unterschiedlichen Texturen des Materials Granit erzeuge eine hohe Gestaltungsqualität“, so die Preisrichter. Das Lichtkonzept, das unterschiedliche Leuchten in den Straßen und Plätzen vorsieht mache die Wertigkeit und verschiedenen Nutzungen der Bereiche ablesbar. Die lockere, ausgewogene Baumstellung lasse genügend Raum für Markt- und Festnutzungen. Lediglich beim Rathausplatz vermissten die Preisrichter eine ähnliche Qualität wie in den anderen Bereichen und sahen Nachbesserungsbedarf in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes.

Der drittplatzierten Arbeit des Karlsruher Büros Bauer . Landschaftsarchitekten attestierten die Preisrichter einen selbstbewussten Umgang mit den Plätzen an der Apostelkirche sowie am Rathaus und einen „aufgeräumten Eindruck“. Ein Betonpflasterbelag aus warmen Grautönen und unterschiedlichen Formaten stellt die Gebäude frei, zusätzlich soll die Kirche durch zwei flache Stufen einen Vorplatz erhalten. Insgesamt erwartete das Preisgericht von dem Beitrag eine „ruhige und angenehme Atmosphäre, die die heterogene Baustruktur des Innenstadt gut auffängt und begleitet“ und in der die Fußgänger Vorrang haben. Es vermisste jedoch Ideen für die Reorganisation des Neuen Marktes und forderte Korrekturen für den Anliefer- und Anwohnerverkehr.

In den nun anschließenden Verhandlungen mit allen drei Preisträgern müssen die Auslobe rasch Ergebnisse erzielen, soll doch der Baubeginn für den ersten Bauabschnitt der Umgestaltung der Fußgängerzone noch in diesem Jahr stattfinden.