Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Erweiterung und Sanierung der Holzhausenschule, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: mvmarchitekt + starkearchitektur, Köln

€ 22.500

Michael Viktor Müller, Sonja Starke

Fachberater: ClubL94 Landschaftsarchitekten, Köln

2. Preis: Edin Saronjic (esarch_edin saronjic architektur), Frankfurt/Main

€ 18.000

Mitarbeit: Alexander Scholtysek, Michiko Bach

Fachberater: Bollinger Grohmann Ingenieure, Dr.-Ing. Mark Fahlbusch (Tragwerksplanung)

Balck+Partner Facility Engeneering (TGA)

Kellner Kraus Stark GmbH (Schulbau und Sanierung)

4. Preis: Karl-Hermann Stoy (STOY – Architekten), Neumünster

€ 12.000

Mitarbeit: Stefanie Stoy

Fachberater: Sören Vollert, KAplus – Ingenieurbüro Vollert (Energiekonzept)

Klaus Lipka, Ing. Büro Boden + Lipka (Bodengutachterliche Beratung)

4. Preis: Auernhammer Wohlrab Architektur, München

€ 14.000

Irina Auernhammer, Gerhard Wohlrab

Mitarbeit: Thomas Egger (Modellbau)

Fachberater: Dipl. Ing. Gordian Kley, Merz Kley Partner, Dornbirn

Dipl. Ing. Prof. Gerhard Hausladen, IB Hausladen, Kirchheim

Dipl. Ing. Swantje Nowak, Nowak Landschaftsarchitektin, München

Dipl. Ing. Christian Kade, IB Kade Brandschutz, Eichenau

Anerkennung: Catharina Förster, Helga Blocksdorf, Anca Timofticius, Marius Mensing (CHAM Architekten), Berlin

€ 3.000

Fachberater: bbz Landschaftsarchitekten, Timo Herrmann, Berlin

Buiding Applications Ingenieure/ Kasche, Lußky,

Dr. Kühne; Johannes Kasche

Bauatelier Berlin, Rüdiger Ihie (Tragwerksplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Offener zweiphasiger Wettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 21.03.2012
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt am Main
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Anett-Maud Joppien (Vorsitz), Prof. Dietrich-Wilhelm Dreysse, Prof. Bettina Götz, Prof. Nikolaus Kränzle, Claudia Meixner, Alfred Nieuwenhuizen, Dr. Hans Jürgen Pritzl, Olaf Cunitz, Ulrich Kuhlendahl, Martin Müller-Bialon, Prof. Dr. Rolf Neddermann, Ute Sauer, Heinz Wionski

Aus vier mach sechs

Sanierung und Erweiterung der Holzhausenschule in Frankfurt am Main

In Frankfurts Schulen ist es eng. Grund hierfür sind wachsende Schülerzahlen in den dicht besiedelten, gewachsenen Wohnvierteln der Stadt. Dies gilt auch für die denkmalgeschützte Holzhausenschule, eine vierzügige Grundschule im Frankfurter Westend, die 1929 nach Plänen des früheren Stadtbaumeisters Martin Elsaesser entstand. Sie soll nun behutsam weiterentwickelt und zu einer sechszügigen Schule ausgebaut werden.

Zum Programm des hierfür ausgelobten offenen zweiphasigen Wettbewerbs gehörten neben einer umfassenden Sanierung auch die Erweiterung um 2.500 Quadratmeter sowie zusätzlich der Neubau einer Zweifeldsporthalle. Dabei sollten der Bestandsbau entlang der Eschersheimer Landstraße der Neubau und die „Kastanienallee“ auf dem Schulhof miteinander verknüpft werden. Zur Vorbereitung des Wettbewerbes hatten Gesine Ludwig und Felix Jourdan für die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen Gespräche mit dem Hochbauamt Frankfurt am Main geführt. Nach der zweiten Phase des Wettbewerbes, der vom Darmstädter Büro stadt.bau.plan. betreut wurde, entschied sich das Preisgericht jeweils einstimmig für einen ersten und einen zweiten Preis sowie zwei vierte Preise.

Rang eins ging an das Kölner Büro mvmarchitekt + starkearchitektur, die ein „ausgewogenes Ensemble von Alt und Neu mit einem sinnvoll zonierten Pausenhof“ und „sehr differenzierten, gut nutzbaren Aufenthaltsqualitäten“ vorlegten. Anklang fand die Verbreiterung des abgesenkten Lichtgrabens entlang der gesamten Westfassade des Elsaesser-Traktes zu einem „gut proportionierten“ Atriumhof. So sei eine Nutzung des bestehenden Untergeschosses als vollwertige Unterrichtsebene und ein direkter Zugang zum Atriumhof möglich. Unterhalb des Pausenhofs, gegenüber der Unterrichtsebene ordnen die Architekten die neue Sporthalle an. Deren vertikale Verglasung biete „reizvolle Sichtbeziehungen“, so die Preisrichter. Die weiteren neuen Räumlichkeiten finden Platz in einem schlichten dreigeschossigen Baukörper im Nordwesten des Grundstücks. Für die weitere Bearbeitung des ersten Preises, der einstimmig zur Umsetzung empfohlen wurde, forderte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Anett-Maud Joppien eine Überarbeitung der innenräumlichen Gestaltung sowie der Fassade des Neubaus. Hier fehlten den Preisrichtern die bei der städtebaulichen Einordnung gezeigte Sensibilität und die dem Bestand angemessene Raffinesse.

Den zweiten Preis erhielt das in Frankfurt ansässige Büro esarch_edin saronjic architektur, das einen „städtebaulich interessanten Beitrag“ vorlegte. Die Entwurfsverfasser verlagern einen Teil der Nutzungen unter den Schulhof und schlagen zudem einen sehr kompakten, dreigeschossigen Erweiterungsneubau vor. Der Schulhof bliebe so als großer zusammenhängender Außenraum erhalten und der bestehende Kastanienhain weitgehend unangetastet. Unterhalb des Neubaus ordnen die Architekten zwei über den angehobenen Gebäudesockel belichtete Einfeldhallen an. Die sich daraus ergebene Gebäudehöhe sowie die Trennung des Außenraumes vom Speisesaal im angehobenen Erdgeschoss bewerteten die Preisrichter jedoch kritisch. Beim „Kreativhof“ und dem „Theaterhof“, die die Kunst- und Musikräume unterhalb des Pausenhofes belichten sollen hinterfragten sie deren Proportionen. Positiv bewertete das Preisgericht, dass die Arbeit als einzige den von Martin Elsaesser begonnenen südlichen Treppenzugang in die Schule integriere.

Jeweils einen vierten Preis vergab das Preisgericht an STOY – Architekten aus Neumünster und an Auernhamb Wohlrab Architektur aus München. Das städtebauliche Konzept von STOY – Architekten sieht die bauliche Fassung des Grundstückes im Norden durch einen zwei- und dreigeschossigen kompakten Baukörper vor, der rechtwinklig an das Hauptgebäude anschließen und sich in seiner Architekturauffassung an der denkmalgeschützten Gesamtanlage orientieren soll.

Das Büro Auernhamb Wohlrab Architektur schlug einen Nord-Süd-ausgerichteten Gebäuderiegel vor, der den Freibereich in unterschiedliche Zonen mit unterschiedlichen Angeboten und Aufenthaltsqualitäten teilt. Der Neubau soll in Anlehnung an den Bestandsbau eine Lochfassade erhalten, deren glasierte Fliesen die Eigenständigkeit und die Nähe zum Kastanienhain zum Ausdruck bringen sollen.

Ziel der anstehenden Baumaßnahmen ist es, die Belange des Denkmalschutzes mit pädagogischen und funktionalen Aspekten in Einklang zu bringen. Für die entsprechende Sanierung und Erweiterung der Holzhausenschule sind knapp 25 Millionen Euro vorgesehen.

Katja Klenz