Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Museum Wiesbaden Eingangs- und Vorplatzgestaltung

Preisträger

1. Preis: GTL Landschaftsarchitekten, Kassel

€ 9.500

Michael Triebswetter
Mitarbeit: Harald Noll, Betty Fan, Mingge Yu, Pedro Malho, Ruth Iloste
Fachberater: CSPHN Architekten, Claudia Sunder Plassmann, Kassel;
Prof. Dipl.-Ing. Martin Thumm, Fachberatung Denkmalschutz, Hildesheim

2. Preis: LRO Lederer Ragnarsdottir Oei GmbH & Co KG, Stuttgart

€ 7.000

Mitarbeit: Kai Lucienne Theophile

3. Preis: Die Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder + Ing. GbR, Wiesbaden

€ 5.800

Petra Bittkau, Friedrich Bartfelder
Mitarbeit: Daniel Gornik, Andreas Heinemann

Ideenteil: Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt

€ 2.100

Felix Waechter, Sybille Waechter
Mitarbeit: Ella Wolfram, Patrick Schürmann
Fachberater: Adler & Olesch Landschaftsarchitekten und Ingenieure, Stefan Bitter, Mainz (Landschaftsarchitektur)
Mitarbeiter: Viktoria Gastauer, Daniel Pfeifer, Filip Staszkiewicz
VSU, Dr.-Ing. Thomas Baum, Herzogenrath (Verkehrsplanung)
RAUMLABOR – Christian Uitz, Frankfurt/Main (Lichtplanung | Lichtgestaltung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorangegangenem Bewerbungsverfahren. Hinzu kommt ein Ideenteil, der das weitere Umfeld einbezieht.
Preisgerichtssitzung 10.06.2014
Ort Wiesbaden
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Irene Lohaus, Prof. Ludwig Wappner, Antje Heuer, Sabina Freienstein, Kirsten Worms, Jens Markus Offermann, Sigrid Möricke, Dr. Alexander Karl

Sympathisch zurückhaltender Fingerzeig

Wettbewerb zur Eingangs- und Vorplatzgestaltung Museum Wiesbaden

Das Museum Wiesbaden, erbaut zwischen 1912 und 1920 nach den Plänen des Architekten Theoder Fischer, gilt als einer der herausragenden Museumsbauten des frühen 20. Jahrhunderts. Die jahrzehntelange Nutzung sowie die sich verändernden musealen Anforderungen hatten Anfang der 1990er Jahre die Sanierung und Erweiterung dringend nötig gemacht. Nach der 20-jährigen Umbau- und Sanierungsphase hatte der internationale Kunstkritikerverband dem Haus im Jahr 2007 den Titel "Museum des Jahres" verliehen. Noch nicht in Angriff genommen worden waren bei den Arbeiten jedoch der Vorplatz und der Eingangsbereich des Museums. Das Gebäude, dem gegenüber die neuen Rhein-Main-Hallen entstehen sollen, steht an der hochfrequentierten Kreuzung Friedrich-Ebert-Allee / Rheinstraße. Der fehlende Vorplatz und die dominierende Wirkung der an dieser Stelle sechsspurigen Allee schränken seine repräsentative Außenwirkung deutlich ein. Zudem sind die Kolonaden des Hauses seit geraumer Zeit verbarrikadiert

Das Ziel des vom Land Hessen ausgelobten, nichtoffenen Realisierungswettbewerbs war daher, die städtebauliche Isolation des Gebäudes aufzuheben und einen „Fingerzeig“ auf das im Inneren modern gestaltete Museum mit seiner historischen Gebäudefront zu erhalten. Für die Eingangssituation wurde eine offene, repräsentative, barrierefreie und dabei denkmalgerechte Gestaltung gewünscht. Hier sollten die Teilnehmer am Verfahren, dessen Vorbereitung die Architektenkammer Hessen unterstützt hatte und das von der Kasseler ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH betreut worden war, im Realisierungsteil Vorschläge entwickeln. Für den Ideenteil waren mittel- bis langfristige, mutige, weiträumiger denkende, stadträumliche Entwürfe gewünscht. Dem Preisgericht, das jeweils einen ersten, zweiten und dritten Preis vergab, saß Prof. Zvonko Turkali vor.

Den ersten Rang erhielt die „sympathische, zurückhaltende“ Arbeit von GTL Landschaftsarchitekten mit CSPHN Architekten aus Kassel. Unter Beibehaltung der bisherigen Eingangssituation werde durch "behutsame und einfache bauliche Interventionen" ein "Höchstmaß an Qualitätsgewinn" erreicht, so die Preisrichter. Die großzügig angelegte Freitreppe entwickle eine einladende Geste, deren seitliche Hinwendung zu den Kolonnaden das Preisgericht positiv beurteilte, da diese in ihrer Funktion als öffentlicher Raum und Fußgängerpassage aktiviert und in das Erschließungssystem des Museums integriert werden. Den Aufzug platzierten die Verfasser direkt rechts der Treppe im Bereich der Kolonnaden, im Inneren soll der Zugang im Windfangbereich des Foyers liegen. Die Preisrichter regten an, die Kopfhöhe im Übergangsbereich von Kolonnaden und Treppenanlage zu überprüfen.

Mit zwei symmetrisch in die Kolonnaden gesetzten Ehrensäulen „überraschte“ der zweitplatzierte Entwurf der LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei GmbH & Co. KG. Die weithin sichtbare, bauhistorische Geste wurde von den Preisrichtern vor dem Hintergrund des Selbstverständnisses des Museums kontrovers diskutiert. Positiv in gestalterischer und denkmalpflegerischer Hinsicht werteten sie die Verlegung der Eingänge ins Erdgeschoss und die damit verbundene Umorganisation des Eingangssystems. Dies ermögliche die Wiederherstellung der historischen Fassadenansicht und zeuge von einer „tiefen Auseinandersetzung mit der Baugeschichte und der strukturellen Grammatik“ des Hauses. Die damit verbundenen, umfangreichen Eingriffe seien aus wirtschaftlicher Sicht jedoch nicht „vollumfänglich umsetzbar“, auch sei die geringe Kopfhöhe der neuen Eingänge „problematisch“. Die Nutzung der Kolonnaden für die Erschließung des Museums werteten die Preisrichter positiv.

Die drittplatzierte Arbeit der Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder + Ing. GbR aus Wiesbaden überzeugte durch den „behutsamen Umgang mit der historischen Architektur“. Der Entwurf zeige eine „gleichsam beiläufige bauliche Ergänzung“, so die Preisrichter. Sie würdigten die Anwendung des „klassischen Architekturthemas“ der alternierenden Lauf- und Sitztreppe. Diese ziehen die Verfasser weit nach vorne und schließen die Kopfenden der Kolonnaden zur Treppe hin. Die so entstehende Ausbildung der Kolonnaden zu einer Loggia und die Organisation des Eingangs überzeugten das Preisgericht jedoch „in der gestalterischen und funktionalen Qualität“ sowie der daraus resultierenden umfangreichen Eingriffe im Inneren „nicht vollständig“.

Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt erhielten zudem noch einen Preis für ihren Ideenteil von den Preisrichtern zugesprochen. Diese empfahlen die mit dem ersten Preis prämierte Arbeit zur Umsetzung, verbunden mit dem Hinweis, die genaue Lage und Position der Eingangstreppe sowie deren Steigungsverhältnis zu prüfen. Außerdem legten sie dem Auslober die Öffnung und damit verbundene Aktivierung der Kolonnaden nahe.

Katja Klenz