Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

zur Detailseite

Fraunhofer-Institut IWES, Kassel

Preisträger

1. Preis: Christoph Ingenhoven (ingenhoven architects), Düsseldorf

€ 55.000

Mitarbeit: Ben Dieckmann, Michael Reiss, Daniel Pehl, Patrick Esser, Lucas Reichel, Philipp Neumann, Olga Hartmann
Fachberater: Werner Sobek Stuttgart GmbH, Roland Bechmann (Tragwerk), DS-Plan Ingenieurgesellschaft für ganzheitliche Bauberatung und Generalfachplanung mbH, Michael Bauer, Stuttgart (Gebäudetechnik/ Bauphysik/ Nachhaltigkeit/ Fassade),
Tropp Lighting Design, Clements Tropp, Weilheim (Tages-/Kunstlicht),
BPK Fire Safety Consultants GmbH & Co. KG, Frau Demirel, Düsseldorf (Brandschutz),
Alexander Schmitz, Düsseldorf (Visualisierungen),
Peters + Grau Industriemodellbau GmbH, Rheinhard Dörre, Düsseldorf (Modellbau).

1. Preis: HHS Planer + Architekten AG, Kassel

€ 55.000

Günther Schleiff
Mitarbeit: Manfred Hegger, Andreas Wiege, Ilka Berger, Stefan Kamphans, Seyoung Jin, Bence Zobor, Reka Szemerey
Fachberater: EGS Plan, Braunschweig (TGA Planung), Mitarbeit: Philipp Knöfler, Thilo Sautter.

3. Preis: Stefan Rappold Behnisch Architekten, Stuttgart.

€ 31.000

Mitarbeit: Nadine Hoss, Konstantin August, Quinn McCormic, Gavin Ruedisueli, Stefan Degott
Fachberater: Thomas Auer Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart, Mitarbeit: Christian Frenzel.

Anerkennung: JSWD Architekten GmbH & Co. KG, Köln

€ 8.000

Konstantin Jaspert
Mitarbeit: Laura Dorfmüller, Thomas Jansen, Christian Mammel, Pascal Martins, Michael Pflüger, Luisa Porcel, Merleen Stauth, Stefan Weisweiler
Fachberater: Deerns Deutschland GmbH, Köln (TGA), Mitarbeit: Julia Blume, Marco Ehrlich,
IDK Kleinjohann, Köln (Tragwerk), Mitarbeit: Christian Richert,
BFT Cognos GmbH, Aachen (Brandschutz), Mitarbeit: Boris Stock,
BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung, Aachen (Verkehrsplanung), Mitarbeit: Axel Springsfeld,
Mohan Marakoc (Visualisierung),
Thomas Halfmann (Modellbau)

Anerkennung: Markus Sporer, Architek für die Benthew Crouwel GmbH, Aachen.

€ 8.000

Mitarbeit: Cornelius Wens, Sander Vijgen, Veronika van der Graf, Joris Görling
Fachberater: Greenbox Landschaftsarchitekten PartG, Hubertus Schäfer, Köln (Landschaftsarchitektur), Mitarbeit: Hannes Banzhaf,
Institut für Gebäude- und Solartechnik Technische Universität Braunschweig, Thomas Wilken, Braunschweig (TGA & Energiekonzept),
IDK Kleinjohan GmbH & Co. KG, Torsten Wilde-Schröter, Köln (Tragwerksplanung),
Bartenbach GmbH, Robert Müller, Aldrans (Lichtplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW2013
Preisgerichtssitzung 07.07.2014
Ort Kassel
Auslober Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V., München
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Armand Grüntuch, Maria Müller, Christof Nolda, Monika Weber-Pahl, Gabriele Plein, Oliver Reisinger, Ansgar Schulz, Bertram Hilgen, Prof. Clemens Hoffmann, Dr. Ulrike Mattig

IWES am Kasseler Hauptbahnhof

Wettbewerb für das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES)

Auf den ehemaligen und lange brachliegenden Bahnflächen nördlich des Kasseler Hauptbahnhofs will die Stadt einen attraktiven, innerstädtischen Gewerbe- und Dienstleistungsstandort entwickeln. Einen Teil des Areals, das ehemalige Zollgelände nördlich des Hauptbahnhofs, hatte sie an die Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V., München, verkauft. Diese will dort die bislang auf verschiedene Standorte im Stadtgebiet verteilten Bereiche des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) bündeln.

Für das geplante neue Gebäude hatte die Fraunhofer- Gesellschaft einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Der Neubau soll zukünftig eines der führenden deutschen Institute für Energiesystemtechnik, das die deutsche Energiewende mitgestaltet, beherbergen. Daher lautete der Wunsch der Ausloberin, dass sich die intensive Bezüge zwischen den Themen Energie und Bauen in der Gestaltung widerspiegeln und so die Arbeitsergebnisse des Institutes in der Architektur und Energiesystemtechnik exemplarisch umgesetzt werden sollen. Zuständig für das Verfahrensmanagement war die ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali vergab zweimal einen ersten Preis – an das Büros HHS Architekten aus Kassel sowie an ingenhoven architects aus Düsseldorf. Der dritte Preis ging an das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten.

HHS Architekten konzipierten das neue Institutsgebäude "ausgehend von der Struktur des Bahnkörpers konsequent als langgestreckten vier- bis fünfgeschossigen Riegel entlang der Ladestraße", so das Preisgericht. Eine überdachte Struktur rahme geschickt die unterschiedlichen Höhen der ebenerdig angeordneten Forschungslabore und Versuchshallen, die sogenannte Technika. Der so gebildete eingeschossige Baukörper schiebt sich unterhalb des scheinbar schwebenden Büroriegels bis zur Straße hin. An der Schnittstelle Technika und Büroriegel befinden sich Haupteingang und Empfang sowie Cafeteria, Besprechungs- und Präsentationsflächen. Verschiedene Materialien sollen die Gebäudekörper voneinander absetzen: Für den Technikkomplex wird eine Glasfaserbeton-Verkleidung vorgeschlagen, für den Büroriegel eine Alu-Glasoptik mit integrierten Photovoltaik-Elementen. Die Leitwarte ist als eingestellter, ellipsen-förmiger Körper an der östlichen Kopfseite Richtung Innenstadt platziert. Hier erkannte das Preisgericht noch Überarbeitungsbedarf hinsichtlich der Eingangssituation mit dem Ziel einer "repräsentativeren Lage der Leitwarte". Es bezeichnete den Entwurf jedoch insgesamt als "überzeugende Lösung für die gestellte Aufgabe", die die Arbeitsprozesse und Aktivitäten der Forschungseinrichtung "auf stimulierende Art und Weise" sichtbar mache".

Das Büro ingenhoven architects präsentierte einen homogenen, dreigeschossiger Baukörper und platzierte diesen parallel zu den Bahngleisen. An der Straße, Richtung Süden, liegt der Bürokomplex, Richtung Norden der Technikkomplex. Der Entwurf definiere "einen gut proportionierten Vorplatz" und bilde zudem eine "städtebaulich gelungenen Antwort auf die benachbarte Scheibe des Arbeitsamtes", urteilten die Preisrichter. Am Vorplatz befindet sich die dreigeschossige zentrale Eingangshalle, das "organisatorische Herzstück der Anlage". An dieser liegen die kommunikativen und öffentlichen Bereiche des Instituts. Die Leitwarte ist als aufgesetzter Baukörper an der südöstlichen Dachkante des Gebäudes platziert und bietet dort den Ausblick auf das Stadtgebiet. Die Preisrichter forderten unter anderem eine Verbesserung der Belichtungssituation für die Büro- und Seminarräume sowie eine stärkere städtebauliche Präsenz. Insgesamt stelle der Beitrag eine "sehr einfache, unkomplizierte, aber überaus elegante Lösung" dar und biete "viel Spielraum für die spätere Nutzung".

Der Entwurf von Behnisch Architekten sei "charakterisiert durch einen polygonalen Baukörper, der sich von den vorhanden städtebaulichen Kanten löst", so das Preisgericht. Der Haupteingang öffne sich einladend Richtung Innenstadt und präsentiere eine angenehme Platzsituation. In Höhe und Tiefe gestaffelte Baukörper umschließen ein zentrales, maßstäblich gegliedertes Atrium. Die "offene und aufgelockerte Büro- und Kommunikationslandschaft überzeugte die Preisrichter räumlich und durch die vielfältigen Sichtbeziehungen. Ihrer Ansicht nach stelle jedoch die Realisierung der mehrfach gekanteten Glasüberdachung des Atriums eine konstruktive Herausforderung dar, deren Wirtschaftlichkeit sie in Frage stellen.

Der Baubeginn ist für Anfang 2016 angestrebt, die Bauzeit wird mit drei Jahren veranschlagt. Der erste Bauabschnitt soll rund 320 Mitarbeitern Platz bieten, nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts soll die Zahl der Arbeitsplätze auf rund 550 steigen.

Katja Klenz