Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohngebiet Lange Seegewann

Preisträger

1. Preis: BS+ städtebau und architektur GbR, Frankfurt/Main

€ 10.000

Torsten Becker, Henrike Specht
Mitarbeit: Kertin Formhals, Julia Goldschmidt

2. Preis: raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt/Main

€ 7.525

Sonja Moers, Stefan Grundner
Mitarbeit: Christoph Packhieser, Yui Ohtsuka; Maginur Salimzhanova
Fachberater: Tobias Franke, R + T Ingenieure für Verkehrsplanung, Darmstadt
Ute Lehnertz, WSW Partner GmbH, Kaiserslautern
Nadine Roth, ebök Planung und Entwicklung Ges. mbH, Tübingen

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 21.05.2014
Ort Wiesbaden-Delkenheim
Auslober formart GmbH & Co.KG
Betreuung Planungsbüro Holger Fischer, Linden
Preisrichter Prof. Manfred Hegger (Vorsitz), Stefan Bitter, Ferdinand Heide, Thomas Metz, Sigrid Möricke, Hans-Martin Kessler, Tomas Kuhn

Wohngebiet „Lange Seegewann“

Nichtoffener städtebaulicher Realisierungswettbewerb in Wiesbaden Delkenheim

Der Ort Delkenheim war 1977 im Zuge der Gebietsreform als Stadtteil der hessischen Landeshauptstadt eingemeindet worden. Er liegt östlich des Wiesbadener Stadtzentrums, an der Grenze zum Main-Taunus-Kreis, unmittelbar in der Nähe der Autobahnen A66 und A3. Am südlich Zipfel Delkenheims befindet das etwa 3,8 Hektar große, „Lange Seegewann“ genannte Areal – das letzten große Baugebiet des Stadtteils. Hier sollen insgesamt rund 120 Wohneinheiten entstehen, vor allem als Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser, aber auch 15 Prozent als sozialer Wohnungsbau. Südlich des Baugebietes grenzen der Golfclub Main-Taunus sowie das Gelände des Zentrallabors Süd des Betonherstellers Dyckerhoff GmbH an. Im Norden, unmittelbar gegenüber dem Wettbewerbsgrundstück, liegt ein Einkaufsmarkt.

Für die Gestaltung des neuen Wohngebiets hatte die formart GmbH & Co. KG, Niederlassung Rhein-Main, eine Tochter des Baukonzerns Hochtief, mit Unterstützung des Stadtplanungsamtes der Stadt Wiesbaden einen nichtoffenen, städtebaulichen Realisierungswettbewerb ausgerufen. Fünf Teilnehmer waren zum Verfahren, das vom Planungsbüro Holger Fischer aus Linden betreut wurde, eingeladen worden. Das Preisgericht vergab unter den eingereichten Arbeiten einstimmig einen ersten und einen zweiten Preis, die beide an Frankfurter Architekturbüros gingen. Auf dem ersten Rang landete das Büro BS+ Städtebau und Architektur, auf Rang zwei das Büro Raumwerk, Gesellschaft für Architektur und Städteplanung.

Die erstplatzierte Arbeit schlägt eine klare städtebauliche Figur mit fünf unterschiedlich ausgebildeten Wohnanlagen, klaren Siedlungsgrenzen und einer zentralen Grünfläche vor. Am Kreisel im Westen sollen zwei winkelförmige Gebäude den Ortseingang markieren. Richtung Osten platzierten die Entwurfsverfasser individuelle Wohnhäuser, die nach Ansicht der Preisrichter einen Übergang zur bestehenden Siedlung schaffen. Im Süden und Südwesten sind Reihenhäuser vorgesehen. Die schleifenförmig geführte, innere Erschließung sei platzsparend und ermögliche die Ausbildung einer zentralen Grünfläche. Trotz des geringen Grünflächenanteils entstehe eine „qualitätvolle Freiraumstruktur als Erholungsraum in der dichten Siedlung“, so die Preisrichter. Die Richtung Süden vorgesehene Lärmschutzwand schütze das Baugebiet, reiche aber zu dicht an die Gebäude heran. Auch gäbe es zu viele durch die Lärmschutzwand und die riegelförmige Bebauung beschattete Bereiche und zudem werde die Durchlüftung behindert.

Das Preisgericht, dessen Vorsitz Prof. Manfred Hegger innehatte, bezeichnete den zweitplatzierten Entwurf als „unprätentiöse und logische“ Weiterentwicklung des Bestands und als „sensible Lösung“, durch die die Struktur eine „dem Ort angemessene Selbstverständlichkeit“ erhalte. Gleichzeitig vermisste es jedoch eine „eigene städtebauliche Kraft“. Die Entwurfsverfasser schlagen die Erschließung des neuen Wohngebiets gegenüber dem Einkaufsmarkt vor. Hier und in Richtung des Kreisels soll eine geschlossene Bebauung mit Mehrfamilienhäusern als Lärmschutz für das übrige Wohngebiet fungieren. Stichstraßen mit Parkmöglichkeiten zweigen als Wohnwege, an denen die Einzel-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser liegen, von der Haupterschließung ab. Während der nordwestliche Teil des Wohngebietes dicht bebaut werden soll, löst sich das Wohngebiet zur freien Landschaft hin auf. Die als Reaktion auf die südlichen Lärmquellen Betonwerk und Golfplatz deutlich zurückweichende Bebauung, die angepasste Orientierung der Grundrisse sowie die begrünten Lärmschutzwände werteten die Preisrichter nicht als ausreichend hinsichtlich der Lärmproblematik, innerhalb der Grünfläche sei der erforderliche Lärmschutz jedoch herstellbar.

Die beiden prämierten Arbeiten sollen als Grundlage für die weiteren Schritte des Bauleitverfahrens dienen, dessen Abschluss der rechtsverbindliche Bebauungsplan bilden wird. Als Projektsteuerer wird die Wiesbadener Stadtentwicklungsgesellschaft SEG dann die künftige Bebauung des neuen Wohngebietes „Lange Seegewann“ betreuen.

Katja Klenz