Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Porsche Design Tower Frankfurt

Preisträger

1. Preis: Grüntuch Ernst Planungsgesellschaft, mit Bernd Joost, Berlin

€ 100.000

Armand Grüntuch, Almut Grüntuch-Ernst
Mitarbeit: Arno Löbbecke, Götz Hinrichsen, Stefan Schenk, Andreas Hoppe, Nicolai Schlapps, Benjamin Bühs, Carolin Eichelberger, Borja Solorzano, Nina Dvorak, Philipp Brunner
Fachberater: HHP Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin
Happoldt Ingenieurbüro, Berlin (Tragwerksplanung)
Atelier Loidl, Berlin (Landschaftsarchitekten)

 

 

2. Preis: blauraum architekten mit arbos Freiraumplanung, Hamburg und Kinzo, Berlin

€ 62.500

Rüdiger Ebel, Volker Halbach, Carsten Venus, Chris Middleton, Günter Greis
Mitarbeit: Mira Schmidt, Theresa Scherenberger, Patrick Hesse, Niklas Parker, Mathias Grahl (blauraum)
Martin Jacobs, Timo Nerger, Stefanie Pesel, Max Riemenschneider (Kinzo)
Simone Kühte (arbos Freiraumplanung)
Fachberater: Werner Sobek GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main (Statik, Brandschutz)
DS-Plan, u.a. Frankfurt/Main (TGA, Fassadenplanung)

3. Preis: Meixner Schlüter Wendt GmbH, Frankfurt/Main mit club L94 Landschaftsarchitekten GmbH, Köln

€ 50.000

Florian Schlüter, Burkhard Wegener, Frank Flor, Jörg Homann, Götz Klose
Mitarbeit: Emanuel Gießen, Helga Boldt, Fernando Caballero, Steffen Kunkel, Elisabeth Klein, Ramon Di Nora, Arno Noack, Binghua Tu, Nora Sowa (Meixner Schlüter Wendt GmbH)
Andrea Junges, Franziska Lesser (club L94)
Fachberater: Arup Deutschland GmbH, Burkhard Miehe, Karsten Spengler, Frankfurt/Main (Tragwerk, TGA)
Hilla sachvesrtändigenbüro für vorbeugenden Brandschutz, Oliver Hilla, Frankfurt/Main (Brandschutz)
jappsen Ingenieure GmbH, Frank Fink, Oberwesel/Rh. (Aufzugsplanung)

4. Preis: Behnisch Architekten, Stuttgart

€ 37.500

Stefan Rappold, Andreas Peyker (Landschaftsarchitekt)
Mitarbeit: Michael Innerarity, Konstantin August, Stefan Pralow, Alexane Morel, Laura Sawicke
Fachberater: Knippers Helbig Advanced Engineering, Boris Peter, Stuttgart
Transsolar/Luna Engineering, Helmut Meyer, Joshua Vanwyek, u.a. Stuttgart
BS Ingenieure, Frank Schäfer, Ludwigsburg
Endreß Ingenieurgesellschaft mbH, Torsten Trautmann, Frankfurt/Main

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2013 mit 20 Teilnehmern mit vorgeschaltetem offenen, qualifizierten Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 27.03.2015
Ort Frankfurt/Main
Auslober P+B Planen und Bauen GmbH & Co.KG, St. Augustin
Betreuung a:dk architekten datz kullmann, Mainz in Zusammenarbeit mit Gassmann + Grossmann Baumanagement GmbH, Stuttgart (Niederlassung Frankfurt/Main)
Preisrichter Michael Frielinghaus (Vorsitz), Karl Bauer, Kees Christiaanse, Dr. Elmar Schütz, Gerd Hebebrand, Christian Schwamkrug, Martin Hunscher

Erstes Branded Building in Europa, Porsche Design Tower Frankfurt

Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit integriertem, freiraumplanerischen Ideenwettbewerb

1998 stellte die Deutsche Bahn AG den Betrieb auf dem Hauptgüterbahnhof in Frankfurt am Main ein. Seitdem entsteht auf dem rund 90 Hektar großen, innenstadtnahen Areal direkt neben dem Messegelände das Europaviertel. Von Nord nach Süd splittet die Emser Brücke das Gebiet in zwei Teile. In West­-Ost-Richtung gliedert die Europa-Allee das Quartier; konzipiert als Boulevard soll sie das Herzstück des Viertels werden. Am Kreuzungspunkt der beiden Achsen liegt ein derzeit noch unbebautes, 8.500 Quadratmeter großes Grundstück. Hier will die P+B Planen und Bauen aus Sankt Augustin in enger Zusammenarbeit mit Porsche Design ein etwa 100 Meter hohes Hochhaus mit 150 bis 200 exklusiven Wohnungen auf rund 23 Etagen errichten. Das Gebäude soll luxuriöse Porsche Design Suiten, vollmöblierte und exklusiv gestal­tete Boutique-Apart­ments, 1- bis 5-Zimmer-Wohn­ungen, Pent­house-Woh­nungen und zweigeschossige Town­houses beinhalten. Um den besonderen  Anspruch zu unterstreichen, kooperiert der Investor mit Porsche Design. Die DNA von Porsche Design soll Impuls­­geber für die architek­­tonische Planung sein und zu einer nachhaltigen Adress- und Markenbildung beitragen. In Miami realisiert Porsche Design bereits ein erstes Wohnhochhaus in Kooperation mit einem lokalen Bauunternehmen: Auf 60 Etagen entstehen dort 132 Wohnungen mit Flächen von 390 bis 1.579 Quadratmetern inklusive sogenannter "Skygaragen, in denen die Anwohner ihr Fahrzeug in die Wohnung integriert parken können.

Für die Gestaltung des Porsche Design Towers in Frankfurt lobten die Investoren einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit integriertem freiraumplanerischen Ideenwettbewerb aus, an dem sich 18 renommierte Büros, 17 europäische und ein amerikanisches, beteiligten. Gesucht waren „Ideen für eine außer­­ge­wöhn­­liche, unver­­wech­sel­­bare äußere Gestalt, qualitäts­volle Vertikal­­erschließungen sowie exzellente Grund­­risse“. Im Rahmen des integrierten freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs wurden zusätzlich Vorschläge für die Gestaltung der Freiflächen erwartet. Eine besondere Herausforderung war der Nachweis des Schallschutzes, da das Gebäude direkt an der Bahnstrecke auf der Emser Brücke liegt.

Den ersten Preis im Architektenwettbewerb vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Michael Frielinghaus an Grüntuch Ernst Planungsgesellschaft und Atelier Loidl Landschaftsarchitekten aus Berlin. Diese entwarfen eine U-förmige Gebäudeskulptur, bestehend aus einem Turm, einem niedrigeren Nebengebäude und einem verbindenden Sockel, auf dessen Dach ein patioartiger Innenhof liegt. Die Fassaden sind leicht geneigt, so dass der Turm nach oben schlanker wird und die erforderlichen Abstandsregeln einhält. Geprägt werden die Fassaden durch umlaufende, mit schwarz eloxierten Aluminiumbändern verkleidete Balkonzonen. Die Höhe dieser Bänder verringert sich nach oben, so dass zusammen mit der Verschlankung des Turms ein Eindruck entsteht, „als ob sich das Gebäude nach oben allmählich auflöst“, so das Preisgericht. Vorgesehen ist zudem eine einheitliche Bepflanzung an den Balkonen, durch die „die Geschosse einen grünen Saum erhalten“, wodurch „ein sehr elegantes, subtiles Ensemble entsteht, das aus unterschiedlichen Blickrichtungen eine dynamische Silhouette erzeugt und sich zugleich selbstverständlich im Kontext des Europaviertels einfügt“, würdigten die Preisrichter. Die Erschließung erfolgt über zwei Kerne, die „ein großes Potential an Flexibilität hinsichtlich Wohnungsgrößen und Grundrissen“ bieten, und „überwiegend Wohnungen mit doppelter Orientierung erlauben“, so die Preisrichter weiter. Zudem betonten sie, dass das geforderte Raumprogramm „problemlos und wirtschaftlich im Entwurf integriert werden kann“. Wie vom Auslober gefordert, befindet sich im Sockelgeschoss vom 1. bis 3. Stockwerk die Parkgarage. Im Nebengebäude darüber platzierten die Architekten die Townhouses mit eigenen Gärten auf dem Dach des Sockelbaus. Durch „die geschmeidige Einfachheit der Form, die kraftvolle, zugleich einheitlich und dynamisch wirkende Fassade und die klare Funktionalität wird der Entwurf dem Anspruch von Porsche Design in besonders hohem Maße gerecht“, fasste das Preisgericht seine Entscheidung zusammen.

Der zweite Preis ging an blauraum architekten und Arbos Freiraumplanung aus Hamburg. Diese schlugen zwei scheibenartige Baukörper auf einem viergeschossigen Sockel vor. Der östliche Baukörper erreicht eine Höhe von 100 Metern, der westliche nimmt mit 23,50 Metern die Höhe der Horizontalbebauung des Boulevards auf, wodurch sich „das Ensemble wie selbstverständlich in die Morphologie des Europaviertels einfügt“, wie die Preisrichter betonten. „Die mit 16 bis 19 Meter Tiefe sehr schmale Hochhausscheibe verjüngt sich an ihrer Nord- und Westfassade und erhält dadurch eine spannungsreiche, skulpturale Kubatur“, so die Preisrichter weiter. Der niedrige Baukörper treppt sich hingegen nach Westen ab, so dass in der auf dem Gebäudesockel entstehenden Fuge zwischen den Baukörpern „gut belichtete, den Wohnungen zugeordnete private Dachgärten angeordnet werden können“. Die Fassadengestaltung überzeugte das Preisgericht ebenfalls: Der Westfassade des Hochhauses mit ihren unterschiedlich groß dimensionierten Loggien und großzügigen Panoramafenstern attestierte es „eine hohe Transparenz, Leichtigkeit und klare Strukturierung“ und durch die Übertragung dieser Struktur auf die übrigen Gebäudeseiten entständen „durch Herausziehen einzelner Module tief reliefierte, spannungsreiche Fassaden“. Auch die geschlossenen Fassadenteile aus großformatigen Aluminiumpaneelen mit einem Farbverlauf von dunkelanthrazit im Sockel bis hellgrau im 29. Obergeschoss überzeugten: „Dies verleiht dem Gebäudeensemble eine elegante Dynamik, die dem Anspruch an einen Porsche Design Tower gerecht wird“, so die Preisrichter. Ihr abschließendes Fazit: „Der Entwurf überzeugt durch ein stimmiges, dem Ort angepasstes, dennoch eigenständiges Konzept und durch seine gute interne Organisation“.

Meixner Schlüter Wendt aus Frankfurt und club L94 Landschaftsarchitekten aus Köln entwarfen einen additiven Baukörper, bestehend aus einem massiven Sockel und einem sich nach oben leicht verschlankenden Hochhaus, „das die Problematik der Abstandsflächen ernst nimmt und dennoch selbstverständlich wirkt“, so die Preisrichter, die die Arbeit mit dem dritten Preis auszeichneten. Das Foyer finde „einen guten Auftakt an der Europaallee“, die Wohnungen seien „insgesamt gut geschnitten“ und „bieten einen für die Vermarktung vielfältigen Querschnitt an Grundrissen“, unterstrichen die Preisrichter, die zudem die Idee, „die Fassade des Wohnhochhauses durch eine geschickte Anordnung von kleineren und größeren Wohnungen nach oben immer weiter zu öffnen“ hervorhoben. Auch der „noble Vorbereich des Towers, der als Mischverkehrsfläche alle Fußgängerrichtungen, die Zufahrt und die Zugänge zum Park selbstverständlich und klar verbindet“ überzeugte die Preisrichter.

Behnisch Architekten aus Stuttgart erhielten für ihren Entwurf einer frei geformten Hochhausskulptur den vierten Preis. Die Fassadengestaltung reagiere mit den „heraufwachsenden Grünflächen an den Balkonen und Loggien der Westfassade“ und „den Wintergärten im Norden und Osten, die den notwendigen Schallschutz ermöglichen“, auf die unterschiedlichen Bedingungen der Himmelsrichtungen, hob das Preisgericht hervor. Ein Einschnitt in den Baukörper modelliere den Platz vor dem Haupteingang und die innere Erschließung besteche „durch anspruchsvoll gestaltete und natürlich belichtete Verkehrsflächen“. Zudem überzeugte die Preisrichter das Angebot „ganz unterschiedlicher Wohnungsgrundrisse, die alle über sehr qualitätvolle Außenbereiche verfügen“. Den stadtgestalterischen Ansatz beurteilte das Preisgericht durchaus positiv, merkte jedoch vor dem Hintergrund des gewünschten Alleinstellungsmerkmals des Porsche Design Towers an, dass die Gebäudetypologie bereits an anderer Stelle verwirklicht wurde.

Nach finaler Abstimmung zwischen Porsche Design, dem Auslober und den erstplatzierten Architekten fiel nun die Entscheidung für das Hamburger Architekturbüro blauraum. Die Fertig­stellung des Porsche Design Towers soll bis Anfang 2018 erfolgen.

Kerstin Mindermann