Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Realisierungswettbewerb Sport- und Kulturzentrum Leopold-Lucas-Straße, Marburg

Preisträger

1. Preis: ATELIER 30 Architekten GmbH, Kassel

€ 18.000

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeiter: Yunus Coskun, Christian Stürmer, Anika Schmidt, Katharina Port

3. Preis: BAYER & STROBEL ARCHITEKTEN, Kaiserslautern

€ 12.000

Gunther Bayer, Peter Strobel
Fachberater: Artur Schäfer, Christian Köhler, Victoria Römer, Lara Frindert

4. Preis: Metaraum, Stuttgart

€ 7.500

Wallie Heinisch, Marcus Lambach, Marcus Huber
Mitarbeit: Andreas Engelhardt, Ulrich Weis
Fachberater: Breinlinger Ingenieure (Trabwerksplanung), Stuttgart; Kurz + Fischer, Beratende Igenieure (Bauphysik), Winnenden; Büro Roming (Brandschutz), Darmstadt; WGF Objekt, Franz Hirschmann (Landschaftsplanung), Nürnberg

4. Preis: Spreen Architekten, München

€ 7.500

Jan Spreen, Angela Spreen
Mitarbeit: Günter Möller

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2013
Preisgerichtssitzung 14.11.2014
Ort Marburg
Auslober Magistrat der Universitätsstadt Marburg
Betreuung Magistrat der Universitätsstadt Marburg, Fachbereich Planen, Bauen, Umwelt, mit BSMF mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Wolfgang Schulze, Birger Rohrbach, Prof. Kerstin Schultz, Prof. Manfred Hegger, Egon Vaupel, Dr. Franz Kahle, Dr. Kerstin Weinbach

Campus-Halle an der Elisabethschule

Realisierungswettbewerb Sport- und Kulturzentrum Leopold-Lucas-Straße, Marburg

In den 1950 bis -60er Jahren entstand in Marburg das Schul- und Sportzentrum an der Leopold-Lucas-Straße mit den Gymnasien Philippinum und Elisabethschule sowie den Kaufmännischen Schulen und der Waldorfschule. Das Einzugsgebiet des bedeutendsten gesamtstädtischen Schulstandortes geht dabei deutlich über die Stadtgrenzen hinaus. Rund 5.500 Schüler gehen hier zur Schule. Im Jahr 2009 hatte die Universitätsstadt Marburg einen Sportentwicklungsplan verabschiedet, der unter anderem Defizite bei Sporthallen für den Schul-, Vereins- und Breitensport, das Fehlen einer Kampfsporthalle „Dojo“ sowie Sanierungsbedarf bei verschiedenen Sporthallen – darunter auch die Halle an der Elisabethschule – feststellte. Zudem wurde konstatiert, dass für das Schulzentrum Räumlichkeiten für größere Schul- und Kulturveranstaltungen fehlen.

2012 kam eine Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis, dass ein multifunktionales Sport- und Bewegungszentrum an der Elisabethschule sinnvoll und machbar sei. Nun soll auf dem Grundstück der Elisabethschule ein Neubau für ein Sport- und Kulturzentrum mit angrenzendem Außenspielbereich entstehen. Neben dem vorhandenen, zu überbauenden Ascheplatz soll zudem durch den Rückbau der vorhandenen Sporthalle und zweier angrenzender Klassenräume der Elisabethschule das Gelände erweitert und zur Leopold-Lucas-Straße geöffnet werden. Gewünscht wurden zwei miteinander zu verbindende Einfeld-Sporthallen, zudem eine Aula, eine Dojo-Halle für den Kampfsport, zwei Bewegungsräume für unterschiedliche Sportgruppen sowie zwei Klassenräume.

Ausgelobt wurde hierfür der Realisierungswettbewerb "Campus-Halle an der Elisabethschule" durch den Magistrat der Universitätsstadt Marburg, bei dem die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen beratend zur Seite stand. Die Betreuung des Verfahrens erfolgte durch die BSMF – Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt am Main. Das Preisgericht, dessen Vorsitz Prof. Wolfgang Schulze innehatte, entschied sich für die Vergabe eines ersten, eines dritten und zweier vierter Preise.

Die Atelier 30 Architekten GmbH aus Kassel sicherte sich den ersten Preis mit einem Gebäude aus ineinandergreifenden Baukörpern. Bei unterschiedlichen Veranstaltungen sollen Foyer, Aula und Sporthalle miteinander gekoppelt werden können und so ein multifunktionales Gebäude mit einem hohen Maß an Flexibilität bilden. Die Preisrichter hoben den "gut lesbaren Campusraum" und die "gelungene Verbindung zwischen den Schulen" hervor und begrüßten den „durch die Materialwahl begründeten gestalterischen Anspruch“. Im Inneren führe zudem die differenzierte Höhenentwicklung zu "spannungsvollen räumlichen Situationen".

Bayer & Strobel Architekten aus Kaiserslautern erhielten für ihren kompakten, zweigeschossigen Baukörper, der die Raumkanten der Nachbarbauten aufnimmt, den dritten Preis zugesprochen. Der Entwurf setze laut Preisgericht einen "angemessenen, städtebaulichen Akzent" und behalte die großzügigen Freiflächen bei. "Ausgewogen proportionierte Fassaden" und vielfältige Einblicke in Aula, Foyer und Sporthalle trügen zu einem "angemessenen Bild einer lebendigen und offenen Schule" bei. Besonders im Bereich der Erschließungsflächen verwiesen die Preisrichter jedoch auf "Engpässe" und monierte im Gegensatz dazu die vielen Flächenüberschreitungen an andere Stelle.

Metaraum aus Stuttgart bekamen für ihren kompakten, zweigeschossigen Baukörper ebenfalls einen vierten Preis zugesprochen. Der Entwurf sei gut strukturiert und biete durch die Platzierung an der südlichen Grundstücksseite gut nutzbare Freiräume. Den dargestellten Eingangsbereich empfanden die Preisrichter als "überzogene Geste" und in seiner Dimension eher einer Stadthalle angemessen.

Ein vierter Preis ging an Spreen Architekten aus München. Diese gliederten die Campushalle in drei zusammenhängende Baukörper, die oberirdisch lediglich ein Geschoss aufweisen. Das dadurch entstandene "pavillonartige Ensemble" setze sich von der mehrgeschossigen Umgebung deutlich ab, so die Preisrichter. Der eher "introvertierte Campus" und die für den "eleganten und angemessenen architektonischen Auftritt" notwendige massive Unterkellerung konnten sie jedoch nicht vollends überzeugen.

Mit dem Verzicht auf die Vergabe eines zweiten Preises würdigte das Preisgericht nach eigener Aussage die besondere Qualität der erstplatzierten Arbeit.

Katja Klenz