Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Umgestaltung Marktplatz und Bieberer Strasse in Offenbach/Main

Preisträger

1. Preis: Hahn Hertling von Hantelmann, Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin, Verkehrsplanung: Obermeyer Planen+Beraten GmbH, Helmuth Ammerl, München

€ 20.000

Inga Hahn
Mitarbeit: Vincenzo Arduino, Ecaterina Dobrescu
Fachberater: metamountain di I imaging, Sven Hinrichs, Berlin (Visualisierung)

2. Preis: Simons & Hinze GbR Landschaftsarchitekten, Berlin Verkehrsplanung: Hoffmann-Leichter Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin

€ 12.500

Paul Simons, Thorsten Hinze
Mitarbeit: Helge Frevert, Mariam Hussein-Agha, Sebastian Heimann, Christoph Schikora, Lukas Butzer

3. Preis: greenbox Landschaftsarchitekten PartG, Köln, Verkehrsplanung: Langenbach Verkehrsplanung, Sigmaringen

€ 7.500

Hubertus Schäfer
Mitarbeit: Hannes Banzahaf, Felix Brennecke

Anerkennung: Plankontor S1 Landschaftsarchitekten, Stuttgart, Verkehrsplanung; Verkehrsplanung Link, Christoph Link, Stuttgart

€ 3.333

Ulrich Schuster
Mitarbeit: Charlotte Schöffend, Esther Santamaria, Elina Richert
Fachberater: 3-D Landschaften Landschaftsvisualisierung, Dirk Stendel, Esslingen

Anerkennung: Bierbaum.Aichele Landschaftsarchitekten PartG, Mainz, Verkehrsplanung: senger Consult GmbH, Treis-Karden

€ 3.333

Klaus Bierbaum, Klaus-Dieter Aichele, Hans Senger, Ralf Spies
Mitarbeit: Burkhard Elfers, Konrad Deines, Rebecca Faller, Markus Junk, Dieter Starey

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 24.11.2015
Ort Offenbach/Main
Auslober Magistrat der Stadt Offenbach/Main
Betreuung a:dk architekten datz kullmann, Mainz
Preisrichter Prof. Albert Speer (Vorsitz), Karl Bauer, Siegrid Pietzsch, Markus Eichberger, Annette Glowania, Marianne Mommsen

„Eine schlichte und großzügige Lösung“

Neugestaltung des vom Verkehr dominierten Marktplatzes in Offenbach

Der Marktplatz in Offenbach war ursprünglich ein kleiner Platz, der im Rahmen des autogerechten Stadtumbaus nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem lang gestreckten, breiten Straßenraum ohne Aufenthaltsqualität wurde. Heute dient er als zentraler Knotenpunkt des ÖPNV. Der Verkehr bestimmt die Platzgestaltung, heterogene Bodenbeläge und uneinheitliches Mobiliar tun ein Übriges. Zwischen der Fußgängerzone und dem Wilhelmsplatz, auf dem heute der Wochenmarkt stattfindet, bildet er eine optische und funktionale Zäsur und auch seiner Funktion als zentraler, innerstädtischer Ankunftsort wird er nicht gerecht. Eine umfassende Neugestaltung soll die Situation nun verbessern.

Dafür hat der Magistrat einen nichtoffenen, freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb ausgelobt, der jetzt entschieden ist. Teilnahmeberechtigt waren Landschaftsarchitekten in Zusammenarbeit mit Ingenieuren für Verkehrsanlagenplanung; Architekten und Stadtplaner waren im Rahmen von Bietergemeinschaften zusammen mit Landschaftsarchitekten ebenfalls zugelassen. Betreut wurde der Wettbewerb von a:dk architekten datz kullmann aus Mainz, AKH-Referentin Gesine Ludwig und Stefan Rausch-Böhm vom Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss hatten die Stadt zuvor über die Auslobungsmöglichkeiten beraten.

Das Wettbewerbsgebiet umfasste den gesamten Bereich zwischen Marktplatz und Wilhelmsplatz, inklusive Bieberer Straße, Salzgäßchen und dem westlichen Teil des Kleinen Biergrundes. Wettbewerbsaufgabe war es, dies Areal in einen attraktiven, zeitgemäßen und unverwechselbaren urbanen Freiraum umzugestalten, sodass es der Vielzahl der Nutzungsansprüche gerecht wird und gleichzeitig für künftige Entwicklungen offen bleibt. Insbesondere die Platzübergänge galt es funktional und gestalterisch zu optimieren, die Funktionsmischung aus Verkehr und fußgängerfreundlicher Einkaufsstraße gestalterisch in Einklang zu bringen und die Aufenthaltsqualität insgesamt zu erhöhen.

Drei Preise und drei gleichwertige Anerkennungen vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Albert Speer. Der erste Preis ging einstimmig an Hahn Hertling von Hantelmann Landschaftsarchitekten GmbH aus Berlin zusammen mit Obermeyer Planen + Beraten GmbH aus München. Der Entwurf überzeugte die Preisrichter durch seine geschwungene Verkehrsführung, die Bezug auf die historische, leicht schräg verlaufende Ostseite des Platzes nimmt. Dies bringe eine Reihe von gestalterischen und funktionalen Vorzügen, so die Preisrichter: Die Abkehr von einer geradlinigen Nord-Süd-Ausrichtung der Straße reduziere die Geschwindigkeit des Individualverkehrs und gegenüber der Einmündung der Bieberer Straße entstehe ein deutlich aufgeweiteter Bereich mit einer „sehr guten Querungsmöglichkeit“. In der Bieberer Straße führe der geschwungene Verlauf zu einem vergrößerten Aufenthaltsbereich nördlich des Wilhelmsplatzes, wodurch sich die Möglichkeit für Außengastronomie biete. Darüber hinaus überzeugten die Preisrichter die eindeutig ablesbaren Fahrspuren, die „die einheitliche Erscheinung des Platzes nicht infrage stellen“, sowie das in der Blickachse der Bieberer Straße positionierte Wasserspiel. Insgesamt werteten sie den Entwurf als „schlichte und großzügige Lösung“ und empfahlen dem Auslober, vorbehaltlich des Ergebnisses des Verhandlungsverfahrens und unter Berücksichtigung der Beurteilungstexte, die Entwurfsverfasser mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen.

Simons & Hinze GbR Landschaftsarchitekten und Hoffmann-Leichter Ingenieurgesellschaft mbH aus Berlin wählten einen anderen Ansatz. Ihr Entwurf schaffe einen fast durchgängigen Platzraum, in dem die Fahrspuren „nur in Teilbereichen wie Intarsien“ enthalten sind, so die Preisrichter. Während in den Einkaufsstraßen in Ost-West-Richtung kleinteilige Beläge eingesetzt werden, erhält der Marktplatz großformatige Betonplatten, die Fahrflächen bestehen aus noch größeren Ortbetonplatten. Das Preisgericht überzeugte die „sehr großzügige Gestaltung mit wenigen Elementen“ sowie „der großzügige Vorbereich vor dem Geschäftshaus Marktplatz Offenbach“, der auch die Querungsmöglichkeit und damit die Verbindung zur Bieberer Straße stärke. Der Entwurf wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

Die Drittplatzierten greenbox Landschaftsarchitekten PartG aus Köln mit Langenbach Verkehrsplanung aus Sigmaringen schlugen eine zusammenhängende Platzfläche aus Betonplatten, ohne Höhendifferenzen vor. Die Fahrzone ist darin als halbstarre Deckschicht mit geschliffenem Belag integriert. Die Verkehrsführung erfolgt geradlinig in Nord-Süd-Richtung. Flankiert wird die Trasse von Aufenthaltszonen mit Bäumen, Bänken und Wartebereichen für den ÖPNV, der Fußgängerbereich verläuft entlang der Gebäude. Ein Streifen an der Westseite der Verkehrstrasse bietet zudem Fahrrad-, Taxi- und Behindertenstellplätze. Dieser ermögliche die Unterbringung der Funktionen außerhalb der Aufenthaltsbereiche und verhindere automatisch unberechtigtes Parken, hob das Preisgericht hervor.

Die drei gleichberechtigten Anerkennungen gingen an Plankontor S1 Landschaftsarchitekten zusammen mit Verkehrsplanung Link aus Stuttgart, Bierbaum.Aichele Landschaftsarchitekten PartG aus Frankfurt zusammen mit Senger Consult GmbH aus Treis-Karden und sinai Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH aus Berlin zusammen mit SHP Ingenieure aus Hannover.

Die Umgestaltung des Marktplatzes ist ein Vorhaben, das den Magistrat und die Stadtverwaltung schon seit Jahren beschäftigt: Bereits 2010 wurde es in das Programm „Aktive Innenstadt Offenbach“ aufgenommen und 2012 / 2013 eine umfangreiche Bürgerbeteiligung durchgeführt. 3,5 Millionen Euro sind für die Neugestaltung vorgesehen. Der Baubeginn ist 2018 geplant, bis Ende 2019 soll der neue Marktplatz dann fertig sein.

Kerstin Mindermann