Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau der TU Darmstadt am Kantplatz

Preisträger

1. Preis: ArGe Architekten, mit Planstatt Senner, Landschaftsarchitektur, Überlingen

€ 24.000

Ludwig Harter, Ingo Kanzler, Dieter Broghammer, Hans  Janna, Wohlleber, Werner Waldkirch, Johann Senner

2. Preis: Katharina Bizer (bizer architekten), Stuttgart

€ 16.000

Mitarbeit: David Avila Montesino, Solmaz Fahimian, Pilar Gordillo.
Fachberater: Koeber Landschaftsarchitekur, Jochen Köber, Mitarbeit: Roberto Kaiser, Stuttgart.
Brandschutz Halkann + Kirchner, Udo Kirchner, Stuttgart

3. Preis: ArGe Glass Kramer Löbbert G. v. Architekten mbH, mit bbz Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

€ 12.000

Johan Kramer, Johannes Löbbert, Timo Hermann
Mitarbeit: Patrick Lau, Kai Canver, Marc Leppin, Malte Stellmann

4. Preis: AV1 Architekten GmbH, Kaiserslautern

€ 8.000

Prof. Michael Schanné
Maryse Trautsch, Momo Baranan, Franziska Schwarze

Anerkennung: vogels /architekten, Darmstadt

€ 5.500

Maximilian Vogels
Mitarbeit: Simin Ebrahimi-Vogels
Fachberater: Ingenieurbüro für Bauphysik, Guido Mrziglod

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 04.07.2014
Ort Darmstadt
Auslober Technische Universität Darmstadt, Baumanagement I
Betreuung WerkStadt Architekten + Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Ferdinand Heide (Vorsitz), Prof. Anett-Maud Joppien, Prof. Anke Mensing, Monika Weber-Pahl, Felix Waechter, Martin Bez, Dr. Manfred Efinger, Cornelia Zuschke, Thorsten Schmidt, Inge Laste

Klar formulierter Stadtbaustein

Neubau der TU Darmstadt am Kantplatz


Der Kantplatz am westlichen Rand des Darmstädter Martinviertels gilt als wichtiges Verbindungsglied zwischen Universität, Innenstadt und Wohnquartier. Am nördlichen Platzrand will die Technische Universität nun einen neuen Forschungsbau errichten. Zwei Gebäude – ein Verwaltungsgebäude der TU und ein Wohnhaus – sollen hierfür weichen, erhalten bleiben sollen hingegen ein denkmalgeschützter Kiosk auf dem Platz, vorhandene Parkplätze, Bäume sowie eine Fuß- und Radwegverbindung.

Die Universität hatte für das neue Gebäude einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, beratend unterstützt von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. Betreut worden war das Verfahren durch das Darmstädter Büro WerkStadt Architekten + Stadtplaner. Erwartet wurden Entwürfe, die nicht nur dem Anspruch an ein modernes Forschungsgebäude und der Funktion als Eingang zum Uni-Gelände Rechnung tragen, sondern zudem zwischen den bestehenden Bauten am Platz, darunter historische Universitätsbauten, vermitteln sollen.

Als Sieger aus dem Wettbewerb gingen die Architekten Harter + Kanzler, Broghammer, Jana, Wohlleber aus Waldkirch mit den Landschaftsarchitekten Planstadt Senner aus Überlingen hervor. Den zweiten Preis vergaben die Preisrichter an Bizer architekten aus Stuttgart. Preis drei ging an die Arbeitsgemeinschaft Glass, Kramer, Löbbert Architekten aus Berlin mit bbz-Landschaftsarchitekten aus Karlsruhe, Preis vier an die AV1 Architekten GmbH aus Kaiserslautern. Jeweils eine Anerkennung vergab das Preisgericht, dem der Frankfurter Architekt Ferdinand Heide vorsaß, an Vogels Architekten aus Darmstadt und Reimar Herbst Architekten aus Berlin.

„Die städtebauliche Leitidee zielt auf einen klar formulierten Stadtbaustein, der das Gebäude mit dem Campus und dem urbanen Gefüge am Kantplatz verknüpft.", so das Urteil der Preisrichter zum erstplatziertem Entwurf. Die Verfasser präsentierten "eine sehr geschickte Überlagerung zweier Rechteckkörper, die einen sehr gut proportionierten und gut belichteten Innenhof als räumlichen und sozialen Mittelpunkt des Zentrums aufspannen". Die geometrische Staffelung des viergeschossigen Baukörpers erreiche eine "sensible städtebauliche Einbindung". Das Preisgericht lobte zudem die Idee, den Eingang und die Passage des Neubaus als offene und teilüberdachte Stadtloggia zu entwickeln. Es bezeichnete die durch einen klaren Rhythmus geprägten Fassaden als "zurückhaltend und selbstverständlich" und den Einsatz recycelten Ziegelbruchs als Material als " eigenständiges, dabei das historische Umfeld würdigende Konzept."

Die mit dem zweiten Preis prämierte Arbeit überraschte mit ihrer "bewussten Abkehr von der orthogonalen Bebauung der anliegenden Fakultätsgebäude". Sie zeigte einen selbstbewusst auftretenden fünfeckigen Solitär. Dessen metallene Netzhaut soll über die horizontalen Fensterbänder hinausgezogen werden und so als Sonnenschutz dienen. Durch den bewussten Kontrast zum Bestand drücke der Neubau "selbstbewusst" die Modernität der Nutzung aus und entspreche in seiner einladenden Gestalt dem Bild einer offenen Universität, so die Preisrichter. Sie diskutierten dennoch kontrovers, ob die städtebauliche Akzentuierung des pentagonalen Entwurfs im Einklang mit dem Wunsch des Auslobers nach "zurückhaltender Einführung" stehe.

Der drittplatzierte Entwurf schlägt ein schlankes, winkelförmiges Gebäude vor, das den Kantplatz nach Norden erweitert und ihm nach Ansicht des Preisgerichts eine "klare, räumliche Fassung" gibt. Die Portalsituation am Übergang zur Hochschulstraße werde "reizvoll freigestellt". Die Arbeit sei eine "verblüffend einfache Antwort auf die komplexe Aufgabenstellung“.

Ebenfalls winkelförmig präsentierte sich die mit dem vierten Preis bedachte Arbeit. Auch hier bewertete das Preisgericht die städtebauliche Wirkung und die "freigestellte Torsituation" der historischen Universitätsgebäude positiv.

Für die Umsetzung empfahl das Preisgericht einstimmig die erstplatzierte Arbeit. Diese sei jedoch durch die Verfasser hinsichtlich der Baukörperdimensionierung, der Verkehrsflächen und der Kosten zu optimieren. Einziehen in den Neubau, der künftig die Ansicht des Kantplatzes prägen und den Standort Stadtmitte der TU Darmstadt erweitern wird, soll das Zentrum für IT-Sicherheit. Damit möchte die Universität ihre internationale Reputation als wissenschaftliches Kompetenzzentrum für exzellente interdisziplinäre Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Entwicklung in Fragen der IT-Sicherheit weiter stärken. Finanziert werden soll das neue Gebäude im Rahmen der Forschungsbauförderung aus Bundes- und Landesmitteln.
Katja Klenz