Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Quartiersentwicklung am Bahnhof Kronberg Neubau eines Hotels sowie des Kammermusiksaals

Preisträger

1. Preis: Staab Architekten GmbH, Berlin

€ 53.000

Prof. Volker Staab
Mitarbeit: Petra Wälde, Simon Banakar, Sandra Vranic, Roberto Zitelli, Karl Naraghi

2. Preis: Arge Eurich/Ulrich Manz, Oberursel/Bamberg

€ 36.000

Rolf-Dieter Eurich, Ulrich Manz
Mitarbeit: Xaver Schippert, Sarah Manz, Julia Roth
Fachberater: Prof. Martin Schirmer (Städtebau), Würzburg;
Joma Landschaftsarchitektur, Banberg;
ISAB, J.Felsmann (Akustik), Werkheim;
Dmitry Boykov (Perspektiven, Visualisierung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einladungswettbewerb gemäß RPW 2013
Preisgerichtssitzung 17.06.2014
Ort Kronberg
Auslober Contraco GmbH, Oberursel/Taunus
Betreuung BSMF GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Anett-Maud Joppien (Vorsitz), Heinrich Gerster, Nasser Djafari, Daniel Rinck, Klaus Temmen

Neuer Dreiklang für Kronberg

Einladungswettbewerb zur Quartiersentwicklung am Bahnhof

Seit zehn Jahren schon strebt die Stadt Kronberg im Taunus eine Entwicklung der Brachflächen rund um den S-Bahnhof an. 2012 war mit einem neuen Rahmenplan erneut eine Entwicklung an dieser Stelle angestoßen worden, im Mai 2013 hatte sich die Stadt entschieden, mit der Contraco GmbH hier ein Businesshotel zu entwickeln. Da das Hotel jedoch nur einen Teil der insgesamt 8.600 Quadratmeter Grundstücksfläche beanspruchen würde, war die Contraco GmbH von der Stadt beauftragt worden, auch für die restliche Fläche eine sinnvolle Nutzung aufzuzeigen. Daraus entstand die Idee, die Kronberg Academy, eine renommierte Institution für klassische Musik, mit ins Boot zu holen. Diese benötigt sowohl für größere Kammerkonzerte als auch für Audioaufnahmen ein geeignetes Haus und soll nun einen "Ort für Musik" am Bahnhof erhalten. In einem nächsten Schritt ist geplant, auch die Verwaltung und die Studienräume in ein neues Gebäude neben dem Kammermusiksaal zu verlagern.

Zwölf internationale, nationale und regionale Architekturbüros waren eingeladen worden, ihre Ideen einzureichen. In einem ersten Bauabschnitt sollen das Hotels und der Kammermusiksaal errichtet werden, in einem zweiten Bauabschnitt dann das Studien- und Verwaltungszentrum mit Übungs- und Vortragsräumen sowie Büros der Kronberg Academy. Das Wettbewerbsareal befindet sich zwar nicht direkt in der Stadtmitte, liegt an der Schnittstelle zwischen Victoriapark und Bahnhof dennoch prominent und weithin sichtbar. Als Ausloberin des Einladungswettbewerbs, beraten von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, fungierte die Contraco GmbH. Die Frankfurter BSMF – Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH betreute das Verfahren.

Das Preisgericht, dem Prof. Anett-Maud Joppien vorsaß, vergab jeweils einen ersten und einen zweiten Preis. Beide prämierten Entwürfe zeichnen sich durch maßvolle Gesten im Städtebau aus. Staab Architekten aus Berlin überzeugten die Preisrichter vor allem durch die Auseinandersetzung und den Umgang mit der Topografie des Wettbewerbsgeländes. Leitgedanke ihres erstplatzierten Entwurfs sei der "Saal im Park", die städtebauliche Fügung und Maßstäblichkeit lasse eine hohe Akzeptanz erwarten, so die Preisrichter. Die Verfasser platzierten den Kammermusiksaal an der Ecke Bahnhofstraße, Bleichstraße, Schillerstraße und konzipierten ihn als in die Topografie integrierten Pavillon. Dieser öffnet sich durch seine gläserne Hülle zum Park hin, das leicht ansteigende Dach springt optisch weit hervor. Das Preisgericht lobte den durch die Drehung zum Schillerweiher hergestellten "klaren Landschaftsbezug". Das Studien- und Verwaltungszentrum der Kronberg Academy, das im zweiten Bauabschnitt entstehen und als Bindeglied zwischen Kammermusiksaal und Hotelkomplex dienen soll, haben die Architekten vor den Schillergärten gänzlich in den Hang eingearbeitet und mit zwei Lichthöfen versehen. Das Hotel gegenüber dem Bahnhof besteht aus jeweils einem vier- und einem sechsgeschossigen Baukörper, die ineinander verschränkt sind. Am Bahnhof ist ein klar gefasster Platz vorgesehen und zwischen Hotel und Kammermusiksaal eine Art Hof. Hotel und Kammermusiksaal sollen einen einheitlichen Sockel erhalten, dessen Materialität in der Platzfassade des Studien- und Verwaltungszentrums aufgenommen werden soll. Vor allem bei der Bahnhofsvorplatzgestaltung und beim Hotel erkannten die Preisrichter noch Überarbeitungsbedarf.

Die zweitplatzierte Arbeit von Eurich AG, Oberursel, mit Ulrich Manz, Bamberg, inszeniert eine groß angelegte Fußwegebeziehung durch das Wettbewerbsareal vom Bahnhof bis zum Victoriapark. Der Entwurf "lebt von der Ausbildung dreier eigenständiger Gebäude", so die Preisrichter. Durch das Freihalten der Blickachse Bahnhof-Burg werde eine "klare Standortbestimmung und Orientierung" geboten. Dies wertete das Preisgericht als "im Vergleich zu den anderen Entwürfen positiv". Die Innenstadt werde einbezogen und der "Ankömmling bewusst in den neu gestalteten Bereich und zum weiter oben gelegenen Kammermusiksaal hineingezogen". Der als Solitär ausgebildete Saal stellt aus Sicht des Preisgerichts "durch seine Ästhetik einen besonderen Anziehungspunkt" dar. Der Hotelbau ist als langgezogener Baukörper entlang der Bahnhofstraße vorgesehen. Bei dessen Fassade und Ausformulierung sahen die Preisrichter Überarbeitungspotenzial. Sie wünschten sich zudem bei der Fassade des Kammermusiksaals einen "subtileren Umgang besonders im Hinblick auf die Materialität" und empfahlen eine Überarbeitung des Innenraums unter anderem hinsichtlich der Akustik.

Das Preisgericht empfahl die Arbeit von Staab Architekten zur Umsetzung – unter Berücksichtigung der angeregten Aspekte zur Überarbeitung. Nach Vollendung auch des zweiten Bauabschnitts hätte Kronberg an prominenter Stelle einen neuen Dreiklang aus Hotel, Kammermusiksaal sowie Studien- und Verwaltungszentrum vorzuweisen.

Katja Klenz