Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Lernzentrum Liebfrauenschule, Bensheim

Preisträger

1. Preis: Hille Architekten + Stadtplaner, Ingelheim

€ 8.500

Marcus Hille

Mitarbeit: Marcus Monreal, Ulrik Weinert, Jeannette Böhm, Sina Frank, Moritz Happel

Fachberater: Moritz Jennerich (Modellbau)

2. Preis: Architekten Hirschmüller Schmidt, Darmstadt

€ 5.000

Andreas Hirschmüller, Gerrit Schmidt

Mitarbeit: Lars Geis, Lydia Reichl, Sebastian Heid

Fachberater: Christoph Tiede (Ingenieurunternehmung)

Anerkennung: AAg Loebner Schäfer Weber, Heidelberg

€ 3.500

Stefan Loebner, Armin Schäfer, Stephan Weber

Mitarbeit: Franziska Brentführer, Daniela Richter

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 23.02.2012
Ort Bensheim
Auslober Bistum Mainz
Betreuung Bäumle Architekten │ Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Thomas Meurer (Vorsitz), Johannes Krämer, Dr. Burghard Preusler, Helmut Sachwitz, Pfarrer Thomas Groß, Sabine Nellessen-Kohl, Dr. Gertrud Pollack

Mehr Raum für individuelles Lernen

Nicht offener Wettbewerb "Lernzentrum Liebfrauenschule Bensheim"

Die Liebfrauenschule in Bensheim an der Bergstraße ist untergebracht in einem additiv entstandenen Gebäudekomplex im Zentrum der Stadt. Immer wieder überformte Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten und Bauepochen prägen das Erscheinungsbild des Mädchengymnasium. 900 Schülerinnen lernen an der katholischen Privatschule des Bistums Mainz. Mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums benötigen sie nun jedoch mehr Platz. Denn nicht nur fällt mehr Unterricht auf den Nachmittag, auch sieht das pädagogische Konzept der Schule vor, individualisiertes und selbstorganisiertes Lernen zu fördern. Die dafür benötigten Räumlichkeiten fehlen jedoch bisher.

In einem von BÄUMLE Architekten I Stadtplaner betreuten, nicht offenen Wettbewerb waren neun Architekturbüros vom Bistum Mainz eingeladen worden, ihre Vorschläge für ein "Lernzentrum Liebfrauenschule Bensheim" vorzulegen. Der Neubau soll die Mediathek, Unterrichtsräume für das Fach Bildende Kunst, Ausstellungsmöglichkeiten für die Schülerinnen sowie Nebenräume enthalten. Zudem forderte die Auslobung die Einordnung des Gebäudes in das Ensembles aus Pfarrhaus, Kirche und denkmalgeschützter Mauer zwischen dem bestehenden Schulhof und den Sportplatzflächen.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Thomas J. Meurer vergab den ersten Preis an Hille Architekten + Stadtplaner aus Ingelheim. Diese schlagen auf dem Wettbewerbsgrundstück im Bereich des ehemaligen Kapuzinerklosters einen länglichen Baukörper vor, der sich entlang der bestehenden Wegebeziehung entwickelt, ohne den Blick Richtung Kirche komplett zu verstellen. Nach Ansicht der Preisrichter führen Auskragungen sowie Faltungen in der Fassade zu einer Plastizität des Gebäudes, die die Platzbegrenzungen auf angenehme Art in den Fassaden breche und eine massive Wirkung des Neubaus unterbinde. Das Verhältnis von geschlossenen zu offenen Flächen biete ein „spannungsreichen Fassadenbild“. Die Architekten ordnen die Kunstklassenräume in der unteren Ebene an – die Preisrichter regten hier eine Überprüfung der Belichtung an – und die ruhigeren Nutzungsbereiche der Mediathek im Obergeschoss. Für die Auskragung sowie die Gestaltung und Materialwahl des Daches forderte das Preisgericht, diese bei weiterer Bearbeitung zu überprüfen und zu überarbeiten.

Der zweite Preis ging an die Darmstädter Architekten Hirschmüller Schmidt. Diese präsentierten einen schlanken Baukörper, der sich in die Umgebung einfüge, den Innenhof der Schule kaum beeinträchtige und die Schule nach außen hin öffne, so die Preisrichter. Sie bewerteten die durchlaufende Nutzung des Erdgeschosses als Mediathek positiv, hinterfragten jedoch die großflächigen Dachverglasungen sowie die Fassadengestaltung hinsichtlich der langen Fensterbänder und der Wahl des Materials Naturstein.

Für ihren Entwurf eines kompakten, hohen Solitärs, in dessen Untergeschoss die Mediathek untergebracht werden soll, erhielt die Architekten AAg Loebner Schäfer Weber aus Heidelberg eine Anerkennung.

Die Preisrichter schlugen einstimmig die erstplatzierte Arbeit von Hille Architekten + Stadtplaner unter Berücksichtigung der zu überarbeitenden Aspekte zur Umsetzung vor. Finanziell beteiligt an der Realisierung des Lernzentrums sind das Bistum Mainz, die Schulstiftung, der Förderverein Freunde der Liebfrauenschule sowie Eltern von Schülerinnen des Mädchengymnasiums.

Katja Klenz