Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Parkstadt Unterliederbach, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Scheffler & Partner Architekten, Frankfurt/Main

€ 3.000

Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Brigitte Scheffler
Mitarbeit: Laura Cruz Lima da Silva, Julia Bergfeld, Kai Messing, Eva Menges
Fachberater: Planungsbüro Röhrig GmbH, Berthold Röhrig, Frankfurt/Main

2. Preis: Bitsch + Bienstein, Wiesbaden

€ 2.000

Peter Bitsch, Burkhard Bienstein
Mitarbeit: Torsten Maceus, Adelheid Jung, Anna Simeonov, Claus Peter Witt, Julia Klein, Viola Scheiner

3. Preis: haber turri architekten, Frankfurt/Main

€ 1.000

Christian Haber, Stefano Turri
Mitarbeit: Ana Maria Ramirez Calderon, Sandra Kobsch, Torsten Ruhfass

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2013
Preisgerichtssitzung 07.02.2014
Ort Frankfurt/Main
Auslober GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen, Frankfurt/Main
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Christian Nasedy, Tobias Sauerbier, Werner Buch, Rainer Dressel, Sandra Wehrmann

Formal eigenständig und vermittelnd

Einladungswettbewerb Parkstadt Unterliederbach
Der Frankfurter Stadtteil Unterliederbach, gelegen im Westen der Bankenstadt, zeigt sich im Ortskern noch von seiner dörflichen Seite: Zahlreiche Fachwerkhäuser prägen hier das Bild. Im Osten grenzen Felder an das Quartier, im Süden liegen ein Freibad und die Fraport-Arena, daran anschließend eine S-Bahn-Trasse sowie der Industriepark Höchst. Im Südosten hingegen geht Unterliederbach fast nahtlos in den Stadtteil Frankfurt-Höchst über.
Die GWH Wohnungsgesellschaft Hessen mbH besitzt einige Grundstücke in der Parkstadt in Unterliederbach, von denen bereits in den 1990er Jahren ein Großteil bebaut wurde. In der jüngeren Vergangenheit kamen zudem Reihen- und Geschosswohnungsbauten hinzu. Das zu beplanende Areal des nun von der GHW ausgelobten Einladungswettbewerbs liegt an der Schnittstelle zwischen der alten und der neuen Bebauung. Ziel des Verfahrens, das die Frankfurter Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH BSMF betreute, war eine zwischen den unterschiedlichen Dimensionen des Bestands vermittelnde Wohnbebauung.
Den ersten Preis vergab das Preisgericht an das Frankfurter Architekturbüro Scheffler & Partner, das mit 35 zwei- und dreiseitig orientierten Wohnungen die Bebauung mit der größten Ausnutzung präsentierte. Die Verfasser ergänzen die Ost-West-orientierte bestehende Hofbebauung mit zwei viergeschossigen, formal und farblich eigenständigen Flachdachriegeln und nehmen dabei die Gebäudefluchten und -höhen des Bestands auf. Im Norden platzieren sie einen dreigeschossigen Querbau, der nach Ansicht der Preisrichter zu den angrenzenden, niedrigeren Einfamilienhäusern "folgerichtig vermittelt". Eine zurückspringende, um ein Geschoss reduzierte Gebäudefuge formuliert den Anschluss an die Brandwand des Bestands. Das Preisgericht bewertete "die Gliederung der Baukörper durch feine Rücksprünge und eine farbliche Differenzierung" positiv. Es lobte die vorgeschlagene Nutzung des Innenhofs als Gemeinschaftsfläche, den Mix der Wohnungsgrößen und Grundrissvarianten sowie die von Hecken umfassten Terrassen für die Erdgeschosswohnungen.
Bitsch + Bienstein setzten der "markanten Architektur des südlichen Bestandes eine kraftvolle und zugleich ansprechende Architektur entgegen", so die Preisrichter und vergaben den zweiten Preis an das Wiesbadener Architekturbüro. Der Entwurf übernimmt die vorhandenen Baufluchten und Proportionen aus dem südlichen Bestand, schließt die Anlage im Norden mit leicht versetzten Baukörpern und staffelt die östliche Gebäudezeile zur anschließenden, niedrigeren Bebauung ab. Die Preisrichter bewerteten das Aufgreifen von Fassadendetails der bestehenden Wohnbauten in der Gestaltung des Neubaus als "zurückhaltend und doch wirkungsvoll". Nachbesserungsbedarf sahen sie bei den vorgesehenen, durchgehend bodentiefen Fenstern hinsichtlich der Sichtschutzes und der funktionalen Erfordernisse im Erdgeschoss. Zudem wirke der mittlere Freibereich durch die zentrale Anordnung von Kellerersatzräumen und Abstellräumen "etwas verbaut".
Der dritte Preis ging an haber turri architekten aus Frankfurt am Main, die die Fassadenfarben der bestehenden südlichen Bebauung für die Neubauten übernehmen. Die Preisrichter würdigten vor allem die "auffallend guten inneren Werte" dank der "sehr gut funktionierenden Grundrisse" des solitär ausgeprägten Entwurfs. Die kompakte Bauweise und richtige Sortierung der Fenstergrößen böten sehr gute Voraussetzungen für die Ausbildung als Passivhaus.
Als Empfehlung für die Überarbeitung der erstplatzierten Arbeit gab das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali noch einige Empfehlungen mit auf den Weg. So sollten die Architekten den Kopfbau an der östlichen Zeile hinsichtlich Dimensionierung, Fassadengestaltung und Staffelung sowie die damit einhergehende hohe Ausnutzung überprüfen. Ebenso zu hinterfragen sei die vertikale Gliederung der Fassaden analog zur Bestandsbebauung.
Katja Klenz