Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wettbewerb Goethehöfe/Romantikmuseum Frankfurt/Main

Preisträger

2. Preis: Landes & Partner, Frankfurt/Main

€ 29.000

Michael A. Landes
Mitarbeit: Lukas Eugler, Hans Günther, Nicole Hanbaba, Charlotte Hepp, Edda Scheffler, Alona Vasilenko
Fachberater: Dr.-Ing. Dr. Lothar Mertens, Prüfingenieur für Baustatik (Tragwerksplanung), Erbach;
Pahnke + Partner Ingenieurgesellschaft mbH (Haustechnik), Karben;
Büro Romig & Co. KG Bauconsult (Brandschutz), Darmstadt;
Prof. Eger, PLANundPark Sachverständigen-, Planungs- und Bau GmbH (Verkehrsplanung), Darmstadt

2. Preis: Prof. Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt/Main

€ 29.000

Mitarbeit: Thomas Kila, Mathias Eicher, Ermina Mesanovic
Fachberater: bs.w, Herr Wessel (Brandschutz);
tpk, Herr Kostic (Statik);
Herr Motz (TGA), TU-Dortmund

2. Preis: Staab Architekten, Berlin

€ 29.000

Prof. Volker Staab
Mitarbeit: Petra Wäldle, Simon Banakar, Roberto Zitelli, Michael Müller-Vogelsang
Fachberater: ifb frohloff staffa kühl ecker, Henning Ecker (Tragwerksplanung), Berlin;
WINKELS BEHRENS POSPICH Ingenieure für Haustechnik GmbH, Andreas Winkels (Technische Gebäudeausrüstung / Energiekonzept), Münster

Anerkennung: Prof. Zvonko Turkali, Frankfurt/Main

€ 5.000

Mitarbeit: Bedrettin Altay, Tuan Tong, Natalie Girth, Max Jonas, Dominik Loh
Fachberater: Ingenieurbüro Euler GmbH (Tragwerk), Hanau;
Ing.-Büro H. Rautenberg VDI (Gebäudetechnik), Frankfurt/Main
IPACH (Landschaftsarchitekten), Neu-Isenburg
hhp (Brandschutz), Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2013
Preisgerichtssitzung 25.06.2014
Ort Frankfurt/Main
Auslober Frankfurter Aufbau AG, ein Unternehmen der ABG FRANKFURT HOLDING GmbH
Betreuung ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Jürgen Braun, Olaf Cunitz, Thomas Eckert, Ferdinand Heide, Prof. Nikolaus Hirsch, Prof. Silvia Malcovati, Prof. Gesine Weinmiller, Carl-L. von Boehm-Bezing, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, Dr. Horst Claussen, Frank Junker, Prof. Dr. Felix Semmelroth, Dr. Heinrich Wefing, Kirsten Worms

Ein Haus für die Romantik

Wettbewerb "Goethehöfe - Deutsches Romantikmuseum in Frankfurt am Main"

Die Romantik, eine kulturgeschichtliche Epoche der europäischen Geistesgeschichte, wird vielfach vor allem mit Deutschland in Verbindung gebracht. Für andere Epochen wie die der Aufklärung, der Klassik und der Moderne existieren im Land große und bekannte Museen, für die geistige Bewegung der Romantik hingegen fehlt in Deutschland noch eine vergleichbare Institution.

Doch nun soll in Frankfurt am Main am Großen Hirschgraben, direkt neben dem international bekannten Goethemuseum, das Deutsche Romantikmuseum entstehen. Mit dem Auszug des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und des Volkstheaters ergab sich die Chance, auf dem frei gewordenen Innenstadtareal hierfür einen Neubau zu errichten. Auf dem etwa 2.500 Quadratmeter großen Grundstück soll zudem auch der neu gestaltete Eingangsbereich zum Goethehaus untergebracht werden, außerdem sind rund 35 Wohnungen geplant.

Ausgeschrieben für die „Goethehöfe“ hatte die Frankfurt Aufbau AG, ein Unternehmen der ABG Frankfurt Holding GmbH, in Abstimmung mit Bund, Land, Stadt und Freiem Deutschen Hochstift einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb, der von der ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel betreut worden war. Den Wettbewerbsteilnehmern war freigestellt, den vorhandenen Baubestand ganz oder teilweise zu erhalten. Eine Ausnahme bildete der Cantate-Saal, der nach Einschätzung des Denkmalamtes der Stadt denkmalwürdig ist. Dort soll künftig das Theater „Fliegende Volksbühne“ spielen.  Von den eingereichten Entwürfen konnte jedoch keine Arbeit die Preisrichter, denen der Frankfurter Architekt Ferdinand Heide vorsaß, vollends überzeigen. Daher vergaben sie  drei zweite Preise und empfahlen die Überarbeitung der Entwürfe. Unter den Preisträgern waren mit Prof. Christoph Mäckler Architekten und Landes & Partner Architekten zwei Frankfurter Büros, ein zweiter Preis ging außerdem nach Berlin an Staab Architekten. Prof. Zvonko Turkali Architekten, ebenfalls aus Frankfurt/Main, erhielten eine Anerkennung zugesprochen.

 

Den Entwurf von Prof. Christoph Mäckler Architekten bezeichneten die Preisrichter als "wertvollen Beitrag", der sich durch eine "hohe Qualität" auszeichne. Positiv werteten sie vor allem "den hohen  Anteil an erhaltenem Bestand". Das um zwei Höfe gruppierte Gebäudeensemble weise entlang des Hirschgrabens eine "dem Goethehaus entsprechende Kleinmaßstäblichkeit auf". Baumassen und Fassaden orientierten sich nach Ansicht der Preisrichter an der historischen Parzellierung, zudem nehme der Entwurf die Proportionen, Gliederungen und Materialität der Nachbebauung auf und interpretiere diese neu. Die Gestaltung betone das neue Museum, ohne das bestehende Goethehaus zu dominieren. Die heterogen Nutzung aus Museum, Theater und Wohnungen erhielten dadurch eine eigene bauliche Identität. Ein blau verglaster Erker soll der "Adressbildung" dienen. Das Preisgericht würdigte diese Geste, sah jedoch die Symbolik der Farbe Blau kritisch. Ebenso kritisch bewertete es die innere Organisation der Ausstellungsräume. Der Entwurf sieht den Erhalt des Cantate-Saals vor sowie Wohnungen im Hochparterre sowie im dritten und vierten Obergeschoss. Hier bezweifelten die Preisrichter jedoch die ausreichende Belichtung der Wohnungen aufgrund der geringen Dimensionierung des zugeordneten Hofes.

Der Arbeit von Landes & Partner attestierten die Preisrichter "besondere Qualitäten" im musealen Bereich. Sie lobten die Größe und Lage des Foyers, die klare Organisation des Museumsrundgangs sowie die gelungenen Raumzuschnitte. Die vorgeschlagene Fassade des Romantikmuseum konnte die Preisrichter jedoch nicht überzeugen, die "großformatigen Schaufenster" seien "in ihren Proportionen dem Goethehaus und der engen, recht homogenen Gasse nicht angemessen". Die zum Innenhof vorgesehene, 15 Meter hohe gläserne Fassade biete zwar einen "hervorragenden Blick" auf das Goethehaus, die Preisrichter zweifelten jedoch an der "atmosphärischen Verträglichkeit" des Glasbaus für die romantischen Höfe. Über dem Cantate-Saal sehen die Verfasser eine Überbauung mit Maisonette-Wohnungen vor, die über eine "rue centrale" erschlossen werden sollen.

Der Entwurf von Staab Architekten biete ein "städtebaulich überzeugendes Ensemble" und ein "schlüssiges Konzept für das Museum", so die Preisrichter. Er zeichne sich durch "eine klare funktionale Gliederung, eine übersichtliche – intuitiv verständliche – äußere und innere Erschließung und eine deutliche Ablesbarkeit der unterschiedlichen Baukörper am Hirschgraben aus". Die Bauten nehmen aus Sicht des Preisgerichts die historische Parzellierung auf und interpretieren diese selbstbewusst neu. Der Museumsbau stelle sich klar erkennbar neben das Goethehaus, ohne dieses zu dominieren. In der ruhigen, weitgehend verschlossenen Fassade erkannten die Preisrichter einen "Kontrapunkt zum reich durchfensterten Wohnhaus Goethes". Eine Gasse, die den Zugang zum Hof bildet und zum Museum sowie zum Cantate-Saal führt, soll die Wohnungen von den Kulturbauten trennen. Die Preisrichter lobten die "besondere Qualität der inneren Werte des Museums. Ruhige, gleichmäßige Raume und dezente, übersichtlich gestaltete Ausstellungsbereiche versprächen maximale Flexibilität. Kritisch bewertete das Preisgericht die geplante komplette Überbauung des Rosengartens, den Verlust der historischen Mauer sowie die Enge zwischen Museum und Goethehaus.

Nach der erneuten Sichtung der prämierten, anschließend überarbeiteten Arbeiten empfahl das Preisgericht, die Umsetzung des Gesamtprojekts im Rahmen einer Planungsgemeinschaft der beiden Frankfurter Architekturbüros Prof. Christoph Mäckler Architekten sowie Landes & Partner. Dabei sollen Mäckler Architekten die Planungen für das Romantikmuseum übernehmen, während nach den Plänen von Landes & Partner der Umbau des Cantate-Saals sowie der Neubau der Wohnungen und die Umgestaltung des Hofes mit Rosengarten erfolgen sollen.

Katja Klenz