Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

"Messeeingang mit Büro- und Hotelkomplex an der Europa - Allee", Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: cma cyrus I moser I architekten, Frankfurt/Main

€ 25.000

Fachberater: Lemon Consult Energy Efficiency Engineering, Zürich (CH); ImagineStructure GmbH, Frankfurt/Main; Club L94 Landschaftsarchitekten GmbH, Köln

2. Preis: ASTOC GmbH & Co. KG Architects & Planners, Köln

€ 25.000

Mitarbeit: Peter Bemer, Prof. Oliver Hall, Ingo Kanehl, Andreas Kühn, Prof. Markus Neppl, Jörg Ziolkowski.
Fachberater: RSP Remmel + Sattler Ingenieurgesellschaft mbH (Statik), Frankfurt/Main;
Christian Bonik GmbH (Fassadenberatung), Bensheim;
DS-Plan Ingenieurgesellschaft für ganzheitliche Bauberatung und Generalfachplanung mbH (Haustechnik), Köln;
urbane gestalt johannes böttger Landschaftsarchitekten (Freiraumplanung), Köln;
Kai 18 Projekte GmbH (Kostenschätzung), Düsseldorf.

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb, ohne vorgeschaltetes Auswahlverfahren, gemäß RPW 2013.
Preisgerichtssitzung 04.04.2014
Ort Frankfurt/Main
Auslober Messe Frankfurt Venue GmbH, Frankfurt/Main
Betreuung AS&P - Albert Speer & Partner GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Martin Oster (Vorsitz), Barbara Ettinger-Brinckmann, Dieter v. Lüpke, Michael Kummer, Joachim Wagner, Olaf Cunitz, Uwe Behm, Jürgen Engel

Ein "neues Gesicht" für die Frankfurter Messe

Die Messe Frankfurt, eine der größten Messen der Welt, deren Ausstellungshallen und weiteren Gebäude inzwischen eine Art „Stadt in der Stadt“ darstellen, wächst weiter. Auf dem westlichen Teil des durch Bahngleise getrennten Messeareals soll zwischen den Hallen 10 und 11, dem Portal-Haus sowie dem Cargo Center noch eine weitere Messehalle entstehen. Der ebenfalls geplante, neue Messeeingang Süd läge dann strategisch günstig an die Mitte des Messegeländes angebunden und soll neben dem in die Jahre gekommenen "Eingang City" ein "wichtiger und würdiger Zugang" aus der Stadt werden. Für die Gestaltung dieses Zugangs von der Europa-Allee aus hatte die Messe Frankfurt Venue GmbH unter dem Titel "Messeeingang Süd" einen Wettbewerb ausgelobt, den das Frankfurter Büro AS&P - Albert Speer & Partner GmbH betreute. Die dazu eingeladenen fünf deutschen sowie ein dänisches Architekturbüro sollten neben dem eigentlichen Messezugang zudem auch Entwürfe für ein Hotel und Büronutzungen liefern.

Zum Wettbewerbssieger kürte das Preisgericht, dem Martin Oster, Vorsitzender des Städtebaubeirats Frankfurt am Main, vorsaß, den Entwurf des Frankfurter Büros cma cyrus | moser | architekten mit Landschaftsarchitekten club L94. Der zweite Preis ging an ASTOC Architects and Planners, ebenfalls aus Köln. Beide Preisträger wählten nach Ansicht der Preisrichter einen "differenzierten Umgang mit den Einzelnutzungen", der Vorteile gegenüber den in den weiteren Entwürfen favorisierten, eher "monolithischen Gebäudekomplexen" böte. Das Preisgericht bewertete zudem die jeweilige vorgeschlagene Ausbildung eines zweiten, untergeordneten Hochpunkts entlang der Emser Brücke in städtebaulicher Hinsicht positiv.

Die Wettbewerbssieger cma cyrus | moser | architekten punkteten vor allem durch die "städtebaulich überzeugende Proportion des Gesamtensembles" und die "angemessene Ausgestaltung des Messeeingangs". Die Preisrichter lobten die Ablesbarkeit der Nutzungen der einzelnen Baukörper, die "Erlebbarkeit des Vorplatzes" des Messeeingangs als öffentlicher Raum und die Qualität, Wirtschaftlichkeit und Flexibilität der Büro- und Hotelgrundrisse. Die Arbeit besteche "durch die städtebauliche Komposition" des Gebäudekomplexes, bestehend aus einem L-förmigen, viergeschossigen Sockel als Messeeingang sowie zwei Türmen für jeweils Büro- und Hotelnutzung. Der 100 Meter hohe Büroturm, platziert leicht zurückgesetzt parallel zur Europa-Allee, präsentiert sich städtebaulich prägnant. Der kleinere, 45 Meter hohe Hotelturm nimmt die Flucht entlang der Emser Brücke auf. Im Bereich des Messeeingangs schlagen die Verfasser eine Absenkung der ansonsten durchgehenden siebengeschossigen Traufkante entlang der Europa-Allee vor. Dies trage zu einer "angenehmen Proportion des Platzes" bei, so das Preisgericht. Die öffentlichen, zum Vorplatz hin orientierten Funktionen und Nutzungen wie Eventbereich, Gastronomie und Dachgärten böten "vielfältige Optionen zur Belebung der Europa-Allee". Als weniger überzeugend bewerteten die Preisrichter das Angebot an differenzierten Messezugängen, da diese verschiedenste Kontrollstationen erforderten. Eine größere Differenzierung hingegen wünschten sie sich hinsichtlich der Fassaden der Büro- und Hotelbaukörper.

Auch beim zweitplatzierten Entwurf des Büros ASTOC lassen sich die Funktionen Messeeingang, Bürohochhaus und Hotel deutlich ablesen. Die Verfasser schlagen neben dem Büroturm einen zweiten, kleineren Turm auf der Südostecke des Grundstücks für den Hotelkomplex vor. Die Arbeit nimmt die durchlaufende Traufkante der Europa-Allee auf und interpretiert sie als Gebäudesockel, der oberhalb des eingerückten, verglasten Messeeingangs einen Rahmen für die beiden Hochpunkte bildet. Das Preisgericht beurteilte diese "schlüssige Ableitung aus den städtebaulichen Rahmenbedingungen" als "sehr positiv", merkte jedoch "unklare Funktionszuordnungen sowie kritische Tageslichtsituationen" im Verschränkungsbereich von Büronutzung und Hotelturm an. Der Messeeingang wirke großzügig und biete interessante Blickbeziehungen.

Nach dem Votum der Preisrichter soll der Entwurf von cma cyrus | moser | architekten – unter Berücksichtigung der Überarbeitungsempfehlungen – künftig neben Bauten von international bekannten Architekten wie Helmut Jahn, Oswald M. Ungers oder auch Nicholas Grimshaw auf dem Messegelände stehen. Der Baubeginn ist für 2016 vorgesehen, mit der Fertigstellung des "neuen Gesichts" für die Messe Frankfurt wird Ende 2018 gerechnet.

 

Katja Klenz