Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Wettbewerb Hans-Thoma-Schule in Oberursel

Preisträger

1. Preis: plus+ bauplanung GmbH, Neckartenzlingen

€ 33.000

Christoph Forster, Olaf Hübner, Peter Hübner, Christian Remes
Mitarbeit: Ryo Fukumoto
Fachberater: Specht Landchaftsarchitektur, Tübingen
Transsolar, Helmut Meyer, Stuttgart

2. Preis: GHP Architekten Schling | Vorsmann | Weimann, Oberursel

€ 21.000

Andreas Schling
Mitarbeit: Bernd Eifler, Volker Henne, Simone Jancsy
Fachberater: Delta Tech, Stuttgart (Haustechnikberatung)
Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten, Gießen (Aussenanlagenplanung)

3. Preis: Lamott + Lamott Freie Architekten, Stuttgart

€ 15.000

Prof. Ansgar Lamott, Caterina Lamott
Mitarbeit: Benjamin Pfander, Korkut Genctuerk, Pia Obermeyer, Diana Keppler, Sandra Ehmer

4. Preis: Dietmar Schäfer (kreateam Architekten), Bad Homburg

€ 10.000

Mitarbeit: Anja Schäfer, Julian Becker

Anerkennung: Katrin Haupt (haupt freie architekten), Frankfurt/Main mit Burkhard Meyer, Karlsruhe

€ 7.000

Mitarbeit: Wolf-Dieter Thonhofer
Fachberater: Förderzentrum Sommerhoffpark, Bettina Höll (Sonderpädagogische Beratung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2013
Preisgerichtssitzung 06.03.2014
Ort Oberursel
Auslober Kreisausschuss des Hochtaunuskreises, Bad Homburg v. d. Höhe
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Angela Bezzenberger, Kristin Dirschl, Joachim Klie, Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Prof. Kerstin Schultz, Ulrich Krebs, Jürgen Banzer, Normann Dießner, Hans-Georg Brum, Frank Rudolph

Geste der Umarmung

Wettbewerb Hans-Thoma-Schule Oberursel

Die Hans-Thoma-Schule in Oberursel ist eine Schule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung und Lernen. Im Rahmen der Modellregion inklusive Bildung im Hochtaunuskreis wurde der Schule ein überregionales Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) für Kranke und ein regionales BFZ für Lernhilfe angeschlossen. Die enge Zusammenarbeit der Einrichtung mit den Regelschulen des Einzugsgebiets bietet den dortigen Schülern die entsprechende Unterstützung, damit diese ihre Schule weiter erfolgreich besuchen können.

Ein starkes Wachstum der Schülerzahlen, aber auch die schlechte, aus wirtschaftlicher Sicht nicht sanierungsfähige Bausubstanz und die den aktuellen Anforderungen nicht mehr entsprechende Gebäudestruktur am jetzigen Standort “Im Portugall“ machen einen Neubau für die Hans-Thoma-Schule notwendig. Dieser soll auf einem Areal an der Mainstraße in Oberursel entstehen, da das gewachsene Raumprogramm auf dem derzeitigen Grundstück baulich nicht untergebracht werden kann. Geplant sind neben Klassen- und Fachräumen auch eine Mensa, eine Zweifeld-Sporthalle, Ergo- und Physiotherapieräume sowie Räume für das Beratungs- und Förderzentrum. Auslober des dafür durchgeführten, nichtoffenen Realisierungswettbewerbs ist der Kreisausschuss des Hochtaunuskreises, betreut wurde das Verfahren von der BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH aus Frankfurt/Main.

Die Preisrichter, denen der Frankfurter Architekt Prof. Zvonko Turkali vorsaß, vergaben vier Preise. Auf den ersten Platz wählte das Preisgericht den Entwurf des Architekturbüros plus+ bauplanung GmbH aus Neckartenzlingen, auf den zweiten Platz die Arbeit der ortsansässigen GHP Architekten Schling Vorsmann Weinmann. Der dritte Preis ging an Lamott + Lamott Freie Architekten aus Stuttgart und Platz vier an kreateam Architekten aus Bad Homburg. Außerdem erhielten jeweils eine Anerkennung: arge hauptmeyerarchitekten aus Frankfurt/ Main sowie die Kölner Büros mvmarchitekt+starkearchitektur und gernot schulz : architektur GmbH.

Die erstplatzierte Arbeit präsentiere ein „offenes, vielfältiges Raumerlebnis“, das sich „in besonderer Weise“ für die geplante Nutzung eigne, so die Preisrichter. Das Gebäude reagiere überzeugend auf die Bedingungen des Ortes und die Bedürfnisse der Nutzer. Sie lobten die „Verwebung von Innen und Außen, von Gebäude, Landschaft und Freiraum“. Dabei seien die Nutzungseinheiten trotz aller Durchlässigkeit „klar gegliedert und autark“ und ließen eine hohe Identifikation und gute Orientierung erwarten. Die verschiedenen Nutzungen sind in einer „Geste der Umarmung“, so die Architekten, in einzelnen, miteinander verbundenen und um einen großen Schulhof gruppierten Baukörpern untergebracht. Die auch als Aula nutzbare Mensa und Küche liegen direkt an der Mainstraße, es folgen die Bauten für die Haupt- und Mittelstufe sowie zwei Baukörper für die Grundstufe. Im sechsten Gebäudeteil finden die Räume für Werken und Therapie ihren Platz. In den Obergeschossen sind überwiegend die Verwaltung und einzelne Fachräume vorgesehen. Die Preisrichter regten an, die vorgeschlagene Konstruktion in Holzständerbauweise zu überprüfen und erkannten bei der Adressbildung noch Optimierungspotential.

Der H-förmige, kompakte Baukörper von GHP Architekten bildet nach Ansicht des Preisgerichts einen „eigenständigen Kontrast zur bestehenden Blockrandbebauung des Ortsrandes. Die Ausrichtung und Anordnung des Gebäudes schirme die Autobahn ab und bilde einen angemessenen Freiraum für die Schulhöfe. Die vorgeschlagene Ziegelfassade beurteilten die Preisrichter als „markant“, aber „nicht gerade ortstypisch“. Die von Lamott + Lamott Freie Architekten präsentierte florale Gebäudeform würdigten sie als „außergewöhnlich“ und „gekonnt“. Die von kreateam Architekten entworfenen fünf teilweise zweigeschossigen Baukörper überzeugte das Preisgericht durch die städtebauliche Anordnung“.

Die Preisrichter votierten einstimmig für die Umsetzung der erstplatzierten Arbeit – unter der Berücksichtigung der Überarbeitungsvorschläge. Bevor jedoch das neue Gebäude, auf das die Schulgemeinde seit mehr als zehn Jahren hofft, errichtet werden kann, müssen zunächst zwei Tennishallen auf dem Wettbewerbsareal weichen und zudem die teilweise über das Gelände führenden Gleise des Dampfbahnclubs Oberursel umgelegt werden. Die Aufnahme des Schulbetriebs in der neuen Hans-Thoma-Schule ist nach den Sommerferien 2017 geplant.

 

Katja Klenz