Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Erweiterung einer Grundschule in Krofdorf-Gleiberg in der Gemeinde Wettenberg

Preisträger

1. Preis: Ferdinand Heide, Frankfurt/Main

€ 10.000

Mitarbeit: Norman Berndt

2. Preis: menzel | kossowski Architekten, Darmstadt

€ 6.000

Frank Menzel, Nojtek Kossowski
Mitarbeit: Tanja Akkermann, Natalie Dajduk

Anerkennung: Kreiling Rosner Architekten, Heuchelheim

€ 4.000

Ralf Rosner, Henry Kreiling
Mitarbeit: Nadine Balser, Simone Eitel, Silke Hallenberg, Ingo Jung
Fachberater: Marco Toerner (Fachplaner TGA)

Anerkennung: Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt

€ 4.000

Felix Waechter, Sibylle Waechter
Mitarbeit: Ella Wolfran, Bettina Strößinger, Stephan Erkel

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem, Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 06.12.2013
Ort Krofdorf-Gleiberg, Gemeinde Wettenberg
Auslober Landkreis Gießen
Betreuung BSMF, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Ernst-Ulrich Scheffler (Vorsitz), Prof. Thomas Bieling, Prof. Anett-Maud Joppien, Prof. Kerstin Schultz, Thomas Brunner, Karl-Heinz Funk, Dr. Christiane Schmahl

Neues Leben in der alten Volksschule

Erweiterung einer Grundschule in Krofdorf-Gleiberg

In der alten Volksschule in Krofdorf-Gleiberg in der Gemeinde Wettenberg findet derzeit kein Unterricht statt. Stattdessen sind in dem denkmalgeschützten Gebäude die Schülerbetreuung „Hoppetosse“, Kreativkurse und eine Seniorenwerkstatt untergebracht. In weiten Teilen steht das neobarocke Gebäude aus dem Jahr 1913 jedoch leer. Die rund 170 Schüler der zweizügigen Grundschule des Ortes werden in einem nahegelegenen Gebäude  aus den 1960er Jahren unterrichtet, das als stark sanierungsbedürftig eingestuft wurde und abgerissen werden soll. Für die Wiederbelebung der alten Volksschule als Grundschule und einen Erweiterungsneubau hatte der Landkreis Gießen einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, der von der Frankfurter Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH BSMF betreut wurde.

Vor allem die Klassenräume sollen in dem umzubauenden Volksschulgebäude Platz finden. Die rund 1800 Quadratmeter des Erweiterungsbaus bleiben Fachräumen und vor allem den Räumlichkeiten für den Ganztagsbetrieb der Schule vorbehalten. Ein nördlich der alten Volksschule gelegenes Wohnhaus, das sich im Besitz der Stadt befindet, soll abgerissen und das dazugehörige Grundstück dann in das Schulareal integriert werden, um so die Verbindung zwischen Schule und der ebenfalls nördlich gelegenen Sporthalle zu ermöglichen. Das nach Westen hin stark abfallende Gelände und die kleinteilige Nachbarbebauung aus Einfamilienhäusern mit Gärten prägen das Wettbewerbsgrundstück.

Der Siegerentwurf kommt von Ferdinand Heide Architekten aus Frankfurt am Main, auf den zweiten Platz wählte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Ernst-Ulrich Scheffler den Vorschlag von menzel | kossowski architekten aus Darmstadt. Jeweils eine Anerkennung ging zudem an die Darmstädter Waechter & Waechter Architekten sowie an kreiling rosner architekten aus Heuchelheim.

Die Gewinner des ersten Preises schlagen einen L-förmigen, zweigeschossigen Baukörper vor. Dieser schließt mit seiner Schmalseite nördlich an das denkmalgeschützte Hauptgebäude an und fasst so den Schulhof, den ein großzügig überdachter Freibereich vor dem offen gestalteten Neubau ergänzt. In der alten Volksschule sollen die normalen Klassenräume untergebracht werden. Für das Dachgeschoss sehen die Verfasser die Nutzung durch die Schulverwaltung vor. Diese Lösung sei "der Ausnutzung des Bestandes geschuldet", so die Preisrichter. Sie bezeichneten diese aber als „nicht optimal“. Der westliche Teil des Neubaus zwischen den beiden Freibereichen Schulhof und Bolzplatz bleibt der auch als Mensa zu nutzenden Aula vorbehalten. Das Preisgericht bewertete diese als „großzügig und gut besonnt“ sowie „übersichtlich und attraktiv“ mit einer „guten Bespielbarkeit innen und außen“. Anklang fanden auch die vorgeschlagene schmale Holzverschalung der Fassaden sowie der Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Fassadenflächen.

Im zweitplatzierten Entwurf erkannten die Preisrichter ein „städtebaulich sehr sensibles Ensemble“, das sich in den dörflichen Kontext integriere. Ein schlanker Neubau mit Schulräumen und einer großzügige Pausenhalle „schmiegt“ sich an das denkmalgeschützte Hauptgebäude. Die Mensa bildet mit ihrer eigenständigen Dachform ein markantes Solitärgebäude. Dahinter, Richtung Norden, sehen die Entwurfsverfasser eine als Schulhof zu nutzende Terrasse vor. Das nach Westen abfallende Gelände sowie ein eingeschnittener Lichthof erlauben weitere Tageslicht-Räume unterhalb von Terrasse und Mensa. Das Preisgericht lobte die gelungene Trennung zwischen Schul- und Betreuungsbereich, die „schön gegliederten Freibereiche“ sowie die „potentiell lebendige Raumatmosphäre“. Sie befanden jedoch die Nahtstelle zwischen Neu- und Altbau als „ungelöst“.

Die mit einer Anerkennung gewürdigte Arbeit von Waechter & Waechter Architekten schlägt einen L-förmigen Neubau vor, der zusammen mit dem bestehenden Schulgebäude einen kompakten Baukörper mit einem geschützten Innenhof bildet. Das Büro kreiling rosner architekten präsentierte für die Schulerweiterung relativ freie Bauformen, deren Kontrast zum bestehenden Schulgebäude das Preisgericht als „erfreulich“ bewertete.

Die Preisrichter empfahlen die erstplatzierte Arbeit zur weiteren Bearbeitung, bei der die Architekten unter anderem noch einmal über die Lage der Verwaltung nachdenken sollten. Der Schulbetrieb soll während der gesamten Baumaßnahmen aufrechterhalten werden. Bis die Umbauarbeiten in der alten Volksschule beginnen, wird mit der „Räuberhöhle“ noch eine zweite Schülerbetreuung vorübergehend in das altehrwürdige Gebäude einziehen.

Katja Klenz